Arbeitslosenquote steigt im Dezember auf 3,5%

(Meldung nach Medienkonferenz ausgebaut) - Die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz ist im Dezember 2016 gegenüber dem Vormonat den Erwartungen entsprechend angestiegen. Der Anstieg war allerdings saisonal bedingt und hauptsächlich auf die Entwicklungen im Baugewerbe zurückzuführen. In der langfristigen Betrachtung hat die Beschäftigung im Bereich der staatsnahen Dienstleistungen wie Gesundheits- und Bildungswesen stark zugenommen, während die Industrie am Arbeitsmarkt deutlich an Gewicht verloren hat.
10.01.2017 14:30

Ende Dezember waren laut Mitteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) vom Dienstag 159'372 Arbeitslose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschrieben. Das waren 10'144 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg damit um 0,2 Prozentpunkte auf 3,5%, saisonbereinigt stagnierte die Quote hingegen bei 3,3%. Beide Werte entsprachen den Prognosen von Ökonomen. In den Jahren 2017 und 2018 soll die Quote laut Seco-Schätzungen auf 3,2% bzw. 3,1% leicht sinken.

Als erfreulich hob der Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, Boris Zürcher, im Dezember die Entwicklungen bei der Jugendarbeitslosigkeit hervor. Zwar erhöhte sich die Anzahl der als arbeitslos gemeldeten 15- bis 24-Jährigen um 295 Personen (+1,6%) auf 19'216, und die Arbeitslosenquote nahm leicht auf 3,5% (Nov. 3,4%) zu. Dies hatte aber vor allem saisonale Gründe, denn im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl der Arbeitslosen um 1'406 Personen (-6,8%).

MEHR STELLENSUCHENDE

Auf den RAV waren Ende Dezember 223'413 Stellensuchende registriert, 8'198 mehr als im Vormonat. Zum Vorjahr stieg diese Zahl weniger deutlich um 3'204 Personen oder 1,5%. Die bei den RAV gemeldeten offenen Stellen sanken derweil um 1'175 auf 9'639.

Eine deutliche Zunahme verzeichnete die für den Oktober 2016 - neuere Zahlen liegen nicht vor - erhobene Statistik zur Kurzarbeit. Davon waren 6'459 Personen und damit 28% mehr als im Vormonat betroffen. Die Anzahl der betroffenen Betriebe erhöhte sich um 81 auf 586 Einheiten, und die ausgefallenen Arbeitsstunden nahmen um 30% auf 372'500 zu.

ZUNAHME IM JAHRESMITTEL

Trotz soliden Wachstums und fortschreitender konjunktureller Festigung habe die Arbeitslosigkeit in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr zugenommen, hiess es weiter. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenzahl belief sich für 2016 auf 149'317 Personen und lag damit um 6'507 Personen oder 4,6% über dem Wert von 2015. Damit resultierte im Jahresmittel eine Arbeitslosenquote von 3,3%, verglichen mit 3,2%. Die Jugendarbeitslosigkeit verharrte bei 3,4%, jene bei den älteren Arbeitsnehmende legte um 0,2 Punkte auf 2,8% zu.

Im Jahresverlauf zeigten sich auch 2016 altbekannte Muster: Von 163'644 registrierten Arbeitslosen im Januar rutschte die Zahl bis im Juni bis auf 139'127 ab, ehe sie bis Ende Jahr wieder auf 159'372 hochkletterte. Die Zahl der Stellensuchenden verharrte derweil von Dezember 2015 bis Februar 2016 über der Marke 220'000 und fiel im gesamten Jahresverlauf nur einmal im Juli unter die Schwelle von 200'000. Im Jahresdurschnitt resultierte hier ein Wert von 211'097.

WIDERSTANDSFÄHIGER SCHWEIZER ARBEITSMARKT

In den vergangenen Jahren hat sich der Schweizer Arbeitsmarkt, insbesondere auch im internationalen Kontext, allerdings als äusserst widerstandsfähig erwiesen, blickte Zürcher zurück. Als einen Grund dafür nannte er den Strukturwandel der Beschäftigung hin zu weniger konjunktursensitiven Dienstleistungen. Vor allem staatsnahe Dienstleistungen hätten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine stabilisierende Wirkung gezeigt.

Das Gesundheits-, das Sozial- sowie das Bildungswesen steigerte den Anteil an der Gesamtbeschäftigung seit 1992 von 18% auf 25%. Demgegenüber hat die Industrie mit einem Rückgang auf 22% von knapp 31% deutlich an Gewicht verloren.

Einen weiterer Grund sieht Zürcher in der Zuwanderung, die am Arbeitsmarkt eine Pufferfunktion einnehme. Sie wirke bei schwacher, aber auch bei grosser Nachfrage nach Arbeitskräften ausgleichend. Ausserdem sei in der Schweiz sowohl bei Unternehmen als auch bei den Erwerbstätigen eine hohe Anpassungsbereitschaft festzustellen. Die Schweizer investierten viel Geld in die private Weiterbildung, so Zürcher.

Zu guter Letzt habe auch die Arbeitsmarktpolitik mit dem Ziel, die Stellensuchenden so rasch als möglich in den Arbeitsprozess zurückzubringen oder mit der Massnahme der Kurzarbeit weiterzubeschäftigen, Früchte getragen. Den im Rahmen der politischen Diskussion zur Begrenzung der Einwanderung vorgeschlagene Inländervorrang sieht Zürcher für die Stellensuchenden und auch für die RAV als Chance. Die Zentren hätten genügend Ressourcen und auch qualifizierte Mitarbeitende, um die aktuell vorliegenden Vorschläge umzusetzen.

mk/cf

(AWP)