Arcelor-Mittal setzt Investitionskurs in Eisenhüttenstadt fort

Der weltgrösste Stahlhersteller Arcelor-Mittal setzt seinen Erneuerungskurs im Flachstahlwerk Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) fort und investiert bis zum Jahresende 25 Millionen Euro in seine Produktionsanlagen.
23.07.2017 14:26

So soll im Kaltwalzwerk unter anderem eine Fertigungslinie aus dem Jahr 1978 erneuert werden, wie Standortleiter Pierre Jacobs der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die sogenannte Biege-Streck-Richt-Einheit genüge nicht mehr heutigen Ansprüchen an innovative Stahlgüten. Mit der neuen Anlage könne in Zukunft auch mehr Flachstahl hergestellt werden, so Jacobs.

Mittelfristig soll Eisenhüttenstadt so als Exzellenz-Zentrum ausgebaut werden. Ziel sei es, die Flachstahl-Fertigungstiefe zu erhöhen, unter anderen soll die Produktion für höher- und hochfeste Stähle für den Automobilbau optimiert werden, erklärte der Standortleiter. Bis zum Jahr 2020 soll die Jahresleistung für Flachstahl auf 1,8 Millionen Tonnen erhöht werden. Aktuell liegt dieser Wert bei 1,7 Millionen Tonnen.

Das Flachstahlwerk Eisenhüttenstadt gliedert sich in die Teilbereiche Roheisen-, Stahl-, Warm- und Kaltwalzwerk auf. Bereits im vergangenen Jahr investierte Arcelor-Mittal in Eisenhüttenstadt rund 45 Millionen Euro in sein Roheisen- und Stahlwerk. So wurde für bis zu 35 Millionen Euro der Hochofen 5a generalüberholt. Im Stahlwerk wurde für 10 Millionen Euro der letzte von zwei Abhitzekesseln erneuert.

"Wir wollen in den kommenden Jahren das Investitionsniveau halten", unterstrich Jacobs. Seit 2010 hat der Konzern deutschlandweit 800 Millionen Euro in seine Werke investiert.

Allerdings sieht Jacobs durch die geplante Reform des Emissionshandels massive Zusatzkosten auf die Stahlindustrie ab dem Jahr 2021 zurollen. "Die EU verlangt eine drastische Senkung des Kohlendioxid-Ausstosses auf ein Level, das technisch heute gar nicht erreichbar ist", so der Standortchef. Auf Eisenhüttenstadt kämen Zusatzkosten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages pro Jahr zu.

Die Reform des Emissionsrechtehandels müsse mit Augenmass vorgenommen werden, verlangte er. Arcelor-Mittal arbeite daran, seinen Kohlendioxid-Ausstoss zu reduzieren. "Die geplanten Vorgaben aus Brüssel können wir aber einfach nicht erreichen", unterstrich er. Daher müssten Preise gefunden werden, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie nicht gefährden, verlangte der Standortchef. Seine Branche stehe ohnehin derzeit wegen der Billigkonkurrenz aus China und drohenden US-Strafzöllen unter Druck.

Es sei nichts gewonnen, wenn die Stahlindustrie in Europa wegen exorbitanter Preise für Verschmutzungsrechte in die Knie gehe, erklärte Jacobs. In China liege der Kohlendioxidausstoss in der Stahlindustrie um 40 Prozent höher.

Stahlhersteller wie Arcelor-Mittal müssen beim Emissionshandel Ausstossrechte für jede Tonne Kohlendioxid nachweisen. Hierfür müssen CO2-Zertifikate zugekauft werden./rus/DP/she

(AWP)