Aryzta-Aktien legen stark zu - Neue erfahrene VR-Mitglieder von aussen

(aktualisiert und ergänzt mit weiteren Analysten-Stimmen)
23.09.2016 10:40

Zürich (awp) - Die Aktien von Aryzta legen am Freitagvormittag stark zu. Der schweizerisch-irische Backwaren-Hersteller hat am Vorabend die Nomination eines neuen Verwaltungsratspräsidenten bekannt gegeben. Gary McGann wird an der nächsten Generalversammlung den aktuellen Amtsinhaber Denis Lucey ablösen. Zudem wird der bekannte Schweizer M&A-Anwalt Rolf Watter Mitglied des Leitungsgremiums. Analysten begrüssen den Schritt und erhoffen sich vom neuen Präsidenten ein Gegengewicht zum starken, aber sehr umstrittenen Management.

Aryzta notieren um 10.30 Uhr 7,7% höher bei 42,51 CHF (bisherige Tageshoch 42,56 CHF), dies in einem insgesamt sinkenden Gesamtmarkt (SPI -0,7%). Auch die umgesetzten Volumen sind sehr hoch: bereits haben über 800'000 Aktien die Hand gewechselt, dies bei einem Tagesdurchschnitt von 300'000 die letzten paar Wochen.

Der Ire McGann ist derzeit Chairman von Paddy Power Betfair, einem an der Londoner Börse kotierten Wettspiel-Konzern. Im August 2015 hat er sich von seiner langjährigen Position als CEO bei Smurfit Kappa, einem irischen Unternehmen der Verpackungsindustrie, zur Ruhe gesetzt. Davor war er Group CEO bei Aer Lingus und CEO bei Gilbeys of Ireland.

ERFAHRENE PERSÖNLICHKEITEN

Analysten begrüssen, dass mit McGann und Watter erstens Kandidaten von aussen kommen und zweitens sehr erfahrene Persönlichkeiten. Mit ihrer Erfahrung und ihrem Background sollten sie klar in der Lage sein, sich auf Augenhöhe mit dem CEO und dem CFO zu bewegen, heisst es in einem Kommentar von Baader Helvea. Und die Tatsache, dass etablierte Manager sich bereit zeigen, dem Aryzta-Verwaltungsrat beizutreten, könne ebenfalls als Zeichen des Vertrauens in die Zukunft und die Nachhaltigkeit von Aryzta bezeichnet werden. Gerade dies sei von Hedgefunds zuletzt stark in Frage gestellt worden, was sich auch daran zeige, dass weiterhin beträchtliche Short-Positionen bei Aryzta-Aktien gehalten würden.

Auch Kepler Cheuvreux glaubt, dass mit den neuen Leuten verlorenes Vertrauen wieder hergestellt werden kann. Die Analysten des Hauses sehen darin denn auch einen potentiellen Auslöser für eine deutlichen Kursanstieg. Weitere Auslöser könnten hier etwa die Jahres-Resultate sein, die bereits am kommenden Montag auf dem Programm stehen, oder auch der Investor Day am 6. Oktober in Kanada, notabene der erste seit vielen Jahren.

WIRD ARYZTA VERKAUFT?

Die ZKB ihrerseits meint, dass aus Schweizer Investorensicht wohl ein Schweizer oder deutscher VR-Präsident zu bevorzugen gewesen wäre, bestehe der VR aktuell doch aus 10 Angelsachsen (6 Iren, 3 US-Amerikaner, 1 Brite) und dem schweizerisch-deutschen Doppelbürger Wolfang Werlé. Immerhin komme Aryzta diesem Wunsch teilweise entgegen mit der Ernennung von Rolf Watter als nichtexekutivem Verwaltungsrat.

Watter ist aktuell Partner von Bär & Karrer und VR-Präsident der Postfinance, zuvor war er u.a. bei Nobel Biocare, Zurich Insurance oder Syngenta im Verwaltungsrat. Früher sei er aber auch schon in die Megafusionen Ciba/Sandoz zu Novartis und SBV und SGB zu UBS involviert gewesen, bemerkt die ZKB weiter. Die Ernennung von Rolf Watter dürfte denn auch Spekulationen auslösen, wonach Aryzta eines Tages verkauft werde, wie dies bereits bei seinen früheren VR-Mandaten bei Cablecom, Centerpulse und Nobel Biocare geschehen sei. Analyst Patrik Schwendimann bezweifelt derzeit allerdings, dass dies mit einer Kursprämie geschehen könnte. Zuerst müssten die Probleme gelöst werden.

Die Aryzta-Aktie hat sich in etwas mehr als zwei Jahren mehr als halbiert; dies u.a. aufgrund von Bedenken bezüglich hoher Verschuldung, hohen Restrukturierungsaufwendungen, verloren Aufträgen und Fragezeichen in Sachen Akquisitionspolitik (Picard). Zuletzt musste auf Druck der Banken gar CEO Killian einen guten Teil seiner Aktien verkaufen, was den Aktienkurs nochmals verschärft unter Druck gebracht hatte.

uh/cp

(AWP)