Aryzta-Papiere notieren nach Köpferollen im Management deutlich höher

Die Aktien des Backwarenkonzerns Aryzta sind am Dienstag mit deutlich höheren Notierungen in den Handel gestartet. Aryzta hat gut drei Wochen nach einer einschneidenden Gewinnwarnung die Anleger mit dem nächsten Paukenschlag überrascht: Der Konzern trennt sich von CEO Owen Killian, CFO/COO Patrick McEniff und CEO Americas John Yamin. Der Einschnitt im Management, aber auch eine mit Banken erzielte Einigung sowie die Suche nach Investment-Alternativen für das Joint-Venture Picard seien Schritte in die richtig Richtung, meinen Analysten.
14.02.2017 10:04

Bis um 09.40 Uhr klettern Aryzta um 10% auf 32,61 CHF in die Höhe, nachdem sie zunächst sogar mit 21% nach oben gesprungen sind. Der Gesamtmarkt (SPI) bewegt sich unterdessen mit -0,11% kaum vom Fleck. Mit dem heutigen Kursfeuerwerk können Aryzta einen Teil des zuletzt erlittenen Einbruchs auffangen. Mitte Januar hatten die Titel noch einen Wert von mehr als 45 CHF, ehe eine Gewinnwarnung die Papiere bis auf 26 CHF absacken liess.

Die Rücktrittswelle im Management sei nach der Abfolge von Gewinnwarnungen und Ergebnisenttäuschungen längst überfällig gewesen, heisst es in einem Händlerkommentar. Damit scheine der neue Verwaltungsratspräsident Gary McGann nun mit dem Besen zu kehren, was durchaus Sinn ergebe. Auf die neue Führungsriege, die zunächst noch gefunden werden muss, warte jedoch viel Arbeit.

Auch bei Kepler wird der Einschnitt im Management positiv aufgenommen. Schliesslich seien die drei Manager am Markt für die Probleme der Gruppe, insbesondere im US-Geschäft, verantwortlich gemacht worden. Es bestehe jedoch das Risiko, dass mit dem Abgang der Manager noch mehr Negatives zum Vorschein kommen könne, warnt die ZKB. Entsprechend seien die Risiken bei Aryzta nach wie vor gross.

Marktberuhigend sei nebsen dem bevorstehenden Managementwechsel auch die Einigung mit Banken in Bezug auf die Convenants, heisst es weiter. Damit dürften die Sorgen vor einer allfälligen Kapitalerhöhung abnehmen, schreibt Kepler. Diese Angst habe den Kurs in den vergangenen Wochen stark belastet. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy zeigt sich dabei überrascht, dass sich die kreditgebenden Banken in ihren Berechnungen auf adjustierte Kennzahlen stützen.

Insgesamt gehen laut Bertschy alle drei Nachrichten in die "richtige Richtung", auch jene zur Picard-Beteiligung. Nebst dem Management zähle die Zukunft um Picard nämlich zu den grössten Sorgenpunkten der Anleger. Mit einem Verkauf der Beteiligung oder gar einem IPO könne Aryzta die eigene Bilanz deutlich stärken. Auch beim Analystenhaus Goodbody werden der Management-Wechsel, das Bankabkommen und die Pläne mit Picard als starke Kurstreiber gesehen.

Mit den heutigen Ankündigungen dürften Leerverkäufer erste Wetten gegen die Aryzta-Aktien schliessen, fügt ein Händler an. Insbesondere bei einer Rückkehr zu Kursen von über 30 CHF, wie aktuell geschehen, nehme der Druck auf die Leerverkäufer zu.

mk/ra

(AWP)