Aryzta rutscht wegen Abschreibungen tief in die roten Zahlen - Refinanzierung

(Mit weiteren Angaben ergänzt) - Der Backwaren-Konzern Aryzta ist auch im Schlussquartal des Geschäftsjahrs 2016/17 (per Ende Juli) nicht auf Touren gekommen und weist nun für das Gesamtjahr weniger Umsatz und einen markant tieferen operativen Gewinn aus. Unter dem Strich resultieren nach einem hohen Abschreiber tiefrote Zahlen. Ausserdem vermeldet die Gesellschaft eine Refinanzierung ihrer Schuldenlast.
25.09.2017 09:51

Die Geschäfte des irisch-schweizerischen Unternehmens liefen auch im vierten Quartal schlecht. Organisch resultierte ein Rückgang um 5,0%, wobei vor allem das US-Geschäft (-11%) Einbussen verzeichnete. Aber auch in Europa (-0,7%) kam die Gesellschaft nicht voran. Nur im "Rest der Welt" (+6,4%), der nur knapp 7% zum Umsatz beisteuert, wuchs Aryzta.

Mit diesen Zahlen wurden die ohnehin schon pessimistischen Analystenprognosen markant unterboten. Diese hatten im Schnitt (AWP-Konsens) mit einem Rückgang von 2,0% gerechnet.

US-GESCHÄFT STARK RÜCKLÄUFIG

Für das Gesamtjahr weist das Unternehmen nun eine organische Umsatzentwicklung von -2,1% aus, wie es am Montag mitteilt. Der Umsatz in der Konzernwährung Euro ging ebenfalls um 2,1% auf 3,80 Mrd EUR zurück. Der operative Gewinn auf Stufe EBITDA nahm in der Folge um 31% auf 420 Mio EUR ab, und die entsprechende Marge verschlechterte sich um 460 Basispunkte auf 11,1%.

Das US-Geschäft (1,80 Mrd EUR) litt laut den Angaben unter Vertragsauflösungen, zudem hätten Kunden früher als erwartet Aufträge selber übernommen. Die Gesellschaft verweist ausserdem auf gestiegene Arbeits- und Marketingkosten.

Für Europa (1,74 Mrd EUR) wird auf Kapazitätsanpassungen in Deutschland, steigende Butterpreise und die Folgen der Abwertung des Pfunds verwiesen. Hingegen würden die Insourcing-Pläne eines Grosskunden in der Schweiz (Coop) langsamer als erwartet umgesetzt. Das Management betont ausserdem, dass sich die Geschäfte in den meisten europäischen Ländern gut entwickelten.

EBITDA 31% TIEFER

Der "bereinigte Reingewinn" ging derweil um 43% auf 179,0 Mio EUR zurück, der Gewinn pro Aktie (voll verwässert) um 42% auf 201,6 Eurocent. Das Unternehmen nimmt allerdings gleichzeitig einen nicht-cash-wirksamen Abschreiber in der Höhe von 860 Mio EUR vor, weshalb beim ausgewiesenen Reinergebnis ein Minus von 907,8 Mio resultiert.

Die grössten Posten des Abschreibers sind für Goodwill in Nordamerika (492 Mio EUR) und Deutschland (103 Mio EUR). Die Aktionäre sollen gleichwohl in den Genuss einer Dividende von 0,3489 CHF je Aktie kommen, die in Aktien ausbezahlt werde (VJ 0,5731).

Das neue Management um den neuen CEO Kevin Toland, der erst seit wenigen Tagen im Amt ist, bekennt sich nun zur Cash-Generierung. Das Ziel sei eine Summe von bis zu 1 Mrd EUR innert der nächsten vier Jahre - inklusive Devestitionen. Bekanntlich will Aryzta die Beteiligung am französischen Tiefkühlproduktehersteller Picard loswerden. Der Cashflow aus der Geschäftstätigkeit kam 2016/17 bei gut 196 Mio EUR zu liegen (VJ 267 Mio).

EBITDA AUF VORJAHRESHÖHE

Im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2017/18 erwartet das Management einen EBITDA im Rahmen des Vorjahres. Dies sei angesichts der internen und externen Herausforderungen die beste Schätzung, heisst es dazu.

Wie Aryzta weiter mitteilt, habe man sich eine Refinanzierung über 1,8 Mrd EUR mit einer Laufzeit von fünf Jahre gesichert. Mit dieser würden die im Vorjahr eingegangenen Verbindlichkeiten abgelöst. Das Abkommen gelt per 22. September. Es enthalte auch eine Verbesserung der Kreditbedingungen, wird betont.

Mit den vorgelegten Zahlen hat Aryzta die Erwartungen der Analysten durchs Band verfehlt. In ersten Kommentaren wird zum Teil von erschreckend schlechten Zahlen gesprochen. Als Lichtblick gilt die Refinanzierung, die angesichts der finanziellen Lage des Unternehmens eine Überraschung sei.

An der Börse kommen die News nicht gut an. Gegen 9.50 Uhr verliert die Aryzta-Aktie 1,7% und ist damit mit schwächster Blue Chip, während der am SPI gemessene Gesamtmarkt kaum verändert notiert.

rw/ra

(AWP)