Auch neuer Munich-Re-Chef will Ergo behalten - Hoffen auf mehr Gewinn

(Neu: Aussagen des künftigen Vorstandschefs zu Ergo, Aktionärsvertreter, Aktienkurs) - Die Munich Re will ihre Dauerbaustelle Ergo auch unter ihrem neuen Konzernchef behalten. Joachim Wenning, der die Führung des weltgrössten Rückversicherers an diesem Donnerstag von Nikolaus von Bomhard übernimmt, schloss eine Trennung von der seit bald 20 Jahren immer wieder in Schwierigkeiten steckenden Konzerntochter aus. "Die Erstversicherung mit der Ergo ist in unserem Interesse, ist in Ihrem Interesse", sagte der 52-Jährige am Mittwoch bei der Hauptversammlung in München. Der scheidende von Bomhard zeigte sich zuversichtlich, dass der Rückversicherer unter Wenning "in absehbarer Zeit auch wieder steigende Gewinne erzielen" werde.
26.04.2017 14:33

An der Börse sorgten die Aussagen für keine grossen Kursschwankungen. Am frühen Nachmittag lag die Munich-Re-Aktie immer noch mit 0,29 Prozent im Minus bei 187,45 Euro und gehörte damit zu den schwächeren Werten im Dax.

Schon von Bomhard hatte immer wieder betont, dass das Erstversicherungsgeschäft der Ergo gut in den Konzern passe. Die 2016 eingeleitete Sanierung der Tochter braucht aber noch Zeit. Im Jahr 2021 soll Ergo über 600 Millionen Euro zum Konzernergebnis beisteuern. 2016 schrieb die Düsseldorfer Tochtergesellschaft wegen der Umbaukosten rote Zahlen.

Der heute 60-jährige von Bomhard hatte die Geschicke des Konzerns seit 2004 geleitet. Schon zu seinem Amtsantritt und in den Jahren davor war das Geschäft der Ergo schlecht gelaufen.

"Ich verliere so langsam die Geduld mit der Ergo", klagte deswegen die Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Auch die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken ist unzufrieden: "Das Ergo-Desaster muss endlich ein Ende nehmen", verlangte Ingo Speich, Portfoliomanager bei Union Investment.

Die Munich Re kämpft auch insgesamt seit Jahren mit schrumpfenden Gewinnen. Die Niedrigzinsen und ein Preiskampf im Rückversicherungsgeschäft zehren an den Ergebnissen. Auf riskante Strategien zur Profitmaximierung will das Unternehmen aber weiter verzichten. Einen "künstlich erzeugten Goldrand" für die Ergebnisse werde es nicht geben, sagte von Bomhard. "Wir bewahren unsere starke Substanz und hübschen das Ergebnis nicht auf Kosten der Zukunft auf."

Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand einen neuerlichen Gewinnrückgang von 2,6 Milliarden auf 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen liege nach dem ersten Quartal gut auf Kurs, dieses Ziel zu erreichen, sagte Bomhard. Schon seit 2014 geht es bei den Ergebnissen von Jahr zu Jahr nur abwärts - während der kleinere Rivale Hannover Rück von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt.

"Mittelfristig sind unsere Aussichten auf wieder steigende Gewinne gut", sagte von Bomhard. So habe sich der Preisrückgang im Rückversicherungsgeschäft stark verlangsamt, und bei den Zinsen gebe es zumindest in den USA einen Silberstreif am Horizont. Für 2016 sollen die Munich-Re-Aktionäre einer von 8,25 auf 8,60 Euro erhöhten Dividende zustimmen.

Streit mit einem Teil der Anteilseigner gibt es um die Bezahlung des Vorstands. Dabei geht es aber nicht um die Höhe der Gehälter. Stimmrechtsberater fordern die Offenlegung der Zielvorgaben, die für die Höhe der Vorstands-Boni entscheidend sind. Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder lehnte das ab - eine Offenlegung würde der Konkurrenz "relevante Informationen" liefern, warnte Pischetsrieder. Rechtlich verpflichtet ist die Munich Re zur Offenlegung dieser Informationen nicht.

In der Kritik steht ausserdem die vorsorgliche Ermächtigung des Vorstands für eine denkbare Kapitalerhöhung, die wie bisher knapp die Hälfte des Grundkapitals umfassen könnte. Das Management will sich daher verpflichten, diese Vollmacht nur für eine Erhöhung um maximal 33 Prozent einzusetzen./stw/cho/nas/stb

(AWP)