Aufseher drängen Chefin von Bluttest-Start-up aus der Branche

Palo Alto (awp/sda/dpa) - Elizabeth Holmes stand jahrelang für eine spektakuläre Erfolgsgeschichte: Eine junge Studienabbrecherin, die das Geschäft mit Bluttests umkrempelt. Doch jetzt könnte sie für zwei Jahre aus der Branche verbannt werden.
10.07.2016 13:27

Die Aufsichtsbehörde CMS verbot Holmes, Gründerin und Chefin des Bluttest-Start-ups Theranos, zwei Jahre lang ein Labor zu betreiben oder zu besitzen. Die CMS ist den USA für die öffentliche und bundesstaatliche Krankenversicherung Medicare zuständig.

Sie hatte Unregelmässigkeiten in einem Theranos-Labor im kalifornischen Newark gefunden, die sie am Freitag auf rund 30 Seiten auflistete. Die Betriebserlaubnis für die Einrichtung in Newark wurde Theranos entzogen. Die Entscheide treten in 60 Tagen in Kraft. Theranos will in dieser Zeit aber noch die Aufseher überzeugen.

Die CMS-Entscheidung schliesst auch eine Geldstrafe von 10'000 Dollar pro Tag ein, die vom 12. Juli an bis zum Ausräumen aller Beanstandungen zu zahlen ist.

Mit dem Laborverbot für die Chefin steht das einst mit Milliarden bewertete Start-up vor seinem schwersten Rückschlag. Es wirft auch Fragen zur Zukunft von Holmes bei Theranos auf. Der Verwaltungsrat könnte versuchen, sich von ihr zu trennen, um weitermachen zu können.

Das Unternehmen erklärte aber am späten Freitag (Ortszeit), dass es mit Holmes an der Spitze weitermachen wolle. Das Unternehmen könnte auf den Betrieb von Laboren verzichten und sich auf die Technologie-Entwicklung konzentrieren.

Star der Technologie-Szene

Theranos versprach, Bluttests durch deutlich kleinere Proben zu revolutionieren. Die Firma wurde in der vergangenen Finanzierungsrunde laut Medienberichten mit rund neun Milliarden Dollar bewertet. Holmes wurde zum Star in der Technologie-Szene, trat auf diversen Konferenzen auf und war auf Magazin-Covern zu sehen.

Dabei wurde sie oft auch als Milliardärin bezeichnet - das beruhte aber nur auf der Gesamtbewertung bei den Finanzierungsrunden und Holmes' Anteil von rund der Hälfte.

Die Demontage begann im vergangenen Herbst mit einer Serie von Enthüllungsberichten im "Wall Street Journal". Bei der Technologie gebe es massive Probleme. Inzwischen ermitteln die Börsenaufsicht SEC und die kalifornische Staatsanwaltschaft.

Theranos musste einen Teil der bisherigen Testergebnisse korrigieren, beharrt aber darauf, dass die Technologie funktioniere. Das Unternehmen hat noch ein Labor im Bundesstaat Arizona, das jetzt alle Proben verarbeitet.

(AWP)