Aurubis mit schwachem Start ins Geschäftsjahr - Prognose bestätigt

(Ausführliche Fassung) - Der Kupferhersteller Aurubis ist wegen eines Wartungsstillstands in Hamburg und negativer Bewertungseffekte schwach in das neue Geschäftsjahr (2016/17) gestartet. Im Ende Dezember abgelaufenen ersten Quartal halbierte sich der operative Gewinn vor Steuern mit 18 Millionen Euro im Jahresvergleich, wie der MDax -Konzern am Montag mitteilte. Auch das Überangebot auf den Schwefelsäuremärkten und die traditionell schwachen Produktmärkte im Winterquartal belasteten. An der Prognose für das Gesamtjahr hält der Konzern aber fest.
13.02.2017 09:37

Trotz des negativen Starts rechnet der seit Juli amtierende Aurubis-Chef Jürgen Schachler weiterhin mit einem "deutlich" höheren operativen Gewinn vor Steuern. Das entspricht laut Quartalsbericht einer Steigerung um mehr als 10 Prozent. "Ohne die Bewertungseffekte und den Stillstand in Hamburg hätten wir ein für das erste Quartal sehr gutes Ergebnis von fast 60 Millionen Euro erzielt", betonte Schachler. Traditionell sei das erste Quartal durch eine saisonal geringere Produktnachfrage "immer das schwächste Quartal".

Die Lage auf den Rohstoff- und Produktmärkten sei "weitestgehend gut", hiess es weiter. Der starke US-Dollar und die robuste Verfassung der Altkupfermärkte wirkten positiv. Wegen höherer Kupferpreise legte der Umsatz um 3 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn unter dem Strich sackte um 46 Prozent auf 14 Millionen Euro ab. Am Finanzmarkt war die Reaktion dennoch positiv. Aurubis-Aktien legten im frühen Handel um 1,70 Prozent zu. Der Markt habe bereits weitgehend mit einem schwachen ersten Geschäftsquartal gerechnet, schrieb Berenberg-Analyst Fawzi Hanano in einer ersten Einschätzung.

Mit den Investitionsversprechen von US-Präsident Donald Trump hat sich der Kupferpreis sprunghaft erholt. Im Schnitt des ersten Quartals erhöhte er sich laut Aurubis im Jahresvergleich um 8 Prozent auf 5277 US-Dollar je Tonne. Die daraus folgende höhere Bewertung der Kupfervorräte belastete. Im Verlauf des Geschäftsjahres dürften sich die Effekte aber neutralisieren, hiess es.

Auf die Altkupfermärkte wirkte der Kupferpreisanstieg unterdessen positiv. Wegen der hohen Kupferpreise sei ein gutes Angebot an Altkupfer zu erwarten. Käufe von chinesischen Hütten setzten unterdessen die sogenannten Schmelz- und Raffinierlöhne - die für die Ertragskraft die entscheidenden Grössen sind - zuletzt unter Druck.

Aurubis erhält von Minen und Schrotthändlern Gebühren für das Schmelzen der Rohstoffe. Bei einer hohen Minenproduktion sei Aurubis weiter gut mit Konzentraten versorgt worden, die aufgrund ihrer komplexen Zusammensetzung höhere Gebühren erlaubten. Ein geplanter Wartungsstillstand im Recyclingzentrum in Lünen dürfte den Durchsatz im zweiten Quartal allerdings verringern.

Reichlich Gegenwind verspüren die Hamburger aber weiter bei Schwefelsäure, die als Nebenprodukt bei der Kupferherstellung anfällt. Der Preisdruck halte angesichts eines Überangebots an, hiess es. Schwefelsäure wird etwa in der Chemie- und Düngemittelindustrie eingesetzt. Ein hohes Angebot setzt die Preise schon länger unter Druck. In den nächsten Monaten sei keine positive Veränderung zu erwarten.

Der gut 150 Jahre alte Konzern, an dem der deutsche Stahlkonzern Salzgitter mit einem Anteil von 25 Prozent eine entscheidende Beteiligung hält, stellt mit mehr als 6400 Mitarbeitern reines Kupfer aus Kupfererz und Kupferschrott her und verarbeitet es weiter zu Blechen, Rohren und Kabeln für die Auto-, Elektro- und Bauindustrie./jha/mne/stb

(AWP)