Ausblick Aryzta: Umsatz Q3 von 939,5 Mio EUR erwartet

Der Backwarenkonzern Aryzta publiziert am Dienstag, 30. Mai seine Umsatzzahlen für das dritte Quartal 2016/17 (per 30. April). Insgesamt haben sieben Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
29.05.2017 14:00
Q3 2016/17E
                    AWP-Konsens    Q3 2015/16A   

Umsatz (Mio EUR)      939,5           949,8         
org. Wachstum (%)      -3,2           
(in %)

FOKUS: Der Backwarenkonzern kämpft derzeit an ziemlich allen Fronten. Das operative Geschäft läuft schlecht, der Konzern ist zu einem gewissen Grad führungslos, die Verschuldung muss dringend abgebaut werden und/oder es droht eine Kapitalerhöhung. Nachdem der Konzern letzte Woche einen neuen Konzernchef (siehe Rubrik PRO MEMORIA) gefunden hat, steht nun wieder das operative Geschäft im Fokus. Im ersten Halbjahr war das organische Wachstum mit -1,6% schon deutlich negativ (Q1 -1,2%, Q2 -2,0%), nun dürfte es gemäss den Prognosen von Analysten nochmals deutlich schlimmer gekommen sein. Im Durchschnitt erwarten die Spezialisten für das dritte Quartal ein Minus von 3,2%, weil u.a. ein weggefallener Vertrag mit Coop in der Schweiz langsam Auswirkungen zeigen und das Geschäft in Nordamerika (H1 -5,2%) weiter schwach laufen dürfte.

Die Umsatzzahlen würden allerdings nur einen beschränkten Hinweis geben, wie angeschlagen die operative Entwicklung ist, meint man bei der ZKB. So sanken etwa neben dem Umsatz im ersten Halbjahr auch der bereinigte EBITA (-31%) und die Marge (-350 BP). Wichtig wäre daher, so die Analysten der Staatsbank, dass Aryzta sich wieder getrauen könnte, eine Aussage zur effektiven Gewinnentwicklung für das Gesamtjahr zu machen, um den Restrukturierungsbedarf besser abschätzen zu können (siehe auch Rubrik ZIELE).

Im Zusammenhang mit der Verschuldung dürfte der Fokus vor allem auf dem Stand der Verhandlungen bei Picard stehen. Bekanntlich steht ein Verkauf der 49%-Beteiligung am französischen Tiefkühlprodukthersteller zur Disposition, wobei allfällige Erlöse zur Stärkung der Bilanz verwendet werden sollen, wie es hiess. Bereits Anfang Mai hatte es Spekulationen im Markt gegeben, dass es soweit sein könnte. Die Spekulationen materialisierten sich dann aber nicht.

ZIELE: Ziele für das Gesamtjahr gibt es derzeit nicht. Unter den aktuellen "Umständen" sehe sich der Verwaltungsrat nicht in der Lage, eine Guidance abzugeben, hatte es bei der Vorlage der Semesterzahlen Mitte März geheissen. Mit den "Umständen" war der Abgang des Top-Managements gemeint.

PRO MEMORIA: Nach diversen Gewinnwarnungen und einem grossen Köpferollen im Management ist Aryzta seit einiger Zeit auf der Suche nach einer neuen Leitung. Vergangene Woche wurde Kevin Toland als neuer Chef präsentiert. Er werde nach einer üblichen Kündigungsfrist von sechs Monaten zu Aryzta stossen, evt. auch früher, hiess es. Noch nicht fündig geworden ist Aryzta bei der Suche nach einem neuen CFO. Interimistisch hat diese Funktion David Wilkinson inne, der von seinem Arbeitgeber KPMG vorübergehend zu Aryzta entsandt wurde.

Tolands Vorgänger Owen Killian hatte den Konzern Ende März wegen miserablen Zahlen verlassen müssen. Auch Finanzchef Patrick McEniff und der Chef des Amerika-Geschäfts John Yamin mussten den Hut nehmen. Anfänglich (im Februar) hiess es, sie würden bis Ende des Geschäftsjahres bleiben, etwas später wurde dann der sofortige Abgang verkündet. Killian und McEniff waren seit der Fusion des Aargauer Tiefkühlbackwaren-Herstellers Hiestand mit dem irischen Grossaktionär IAWS im Sommer 2008 im Amt.

AKTIENKURS: Die Aryzta-Aktie notiert - nach diversen Gewinnwarnungen und dem Abgang der wichtigsten Führungsleute im Management früher im Jahr - mit 34,02 (Freitag 12 Uhr) knapp ein Viertel unter dem Stand von Ende 2016. Im Vergleich zum Tiefpunkt Anfang Februar bei 26,14 CHF ist die Erholung aber markant (+30%).

www.aryzta.com

jl/uh/yl

(AWP)