Ausblick Clariant: Quartals-EBITDA im Schnitt von 218 Mio CHF erwartet

Zürich (awp) - Der Chemiekonzern Clariant gibt am Donnerstag, 28. Juli die Zahlen zum zweiten Quartal 2016 bekannt. Insgesamt haben acht Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
27.07.2016 14:05
Q2 2016E
(In Mio CHF)    AWP-Konsens    Q2 2015A

Umsatz            1'437          1'406
EBITDA*             218            211

* vor Einmaleffekten

FOKUS: Der Spezialchemiekonzern dürfte im zweiten Jahresviertel Umsatz und Profitabilität weiter gesteigert haben. Wie in den vorangegangenen Quartalen dürften vor allem die defensiven Geschäftsbereiche besser abgeschnitten haben als die konjunktursensitiven. Vor allem die grösste Einheit Plastics & Coatings wird aber erneut Minderverkäufe melden, denken die Experten.

Dem widrigen Umfeld haben die Muttenzer nach Ansicht von Analysten mit einem Innovationsschub getrotzt. Neue und höherwertige Produkte dürften die Verkäufe von Clariant in den nächsten zwei Jahren antreiben und die Preissetzungsmacht des Unternehmens stärken, heisst es. Die Branche selbst durchläuft gerade eine ausgeprägte Talsohle (siehe PRO MEMORIA).

Die Margen der Muttenzer sollten sich daher verbessert haben. Unterstützt wird die Entwicklung von tiefen Rohstoffkosten, die wohl stärker zurückgegangen sind als die Verkaufspreise, und die laufenden Anstrengungen, die Kosten zu senken. Ein Update des Managements punkto Verkaufspreise wäre hilfreich für die Investoren.

Ein ganz besonderes Augenmerk legen die Analysten auf die Entwicklung des Cashflows. Clariant hat diesbezüglich in den letzten Jahren selten brilliert und für 2016 eine weitere Besserung versprochen. Da Clariant zum ersten und dritten Quartal neu ein "abgespecktes" Reporting abliefert, ist kein Zwischenstand per Ende März 2016 bekannt.

Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Übernahmegerüchte um die Baselbieter die Runde machten, wurde Clariant nach der Ausgliederung von Plastics & Coatings in eine Tochtergesellschaft zuletzt immer wieder als möglicher Käufer einer anderen Gesellschaft genannt. Plastics & Coatings wird aber sicher noch drei bis fünf Jahre zum Konzernverbund gehören, weshalb mehr als Arrondierungsakquisitionen aber nicht zu erwarten sind.

ZIELE: Für 2016 stellt Clariant ein nicht näher quantifiziertes Umsatzwachstum in Lokalwährungen sowie eine Verbesserung der EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen in Aussicht. 2015 lag die genannte Marge bei 14,7%. Zudem wolle man eine signifikant verbesserte Cashflow-Generierung zeigen, so Clariant letzten Februar.

PRO MEMORIA: Die Chemieindustrie leidet seit geraumer Zeit unter der Schwäche in den Schwellenländern und einem anhaltenden Preisdruck. Zuletzt hat etwa der wichtige deutsche Branchenverband VCI die Prognosen für das laufende Jahr erneut gesenkt. Der Umsatz in der drittgrössten Industriebranche Deutschlands dürfte 2016 um 1,5% schrumpfen. Bereits im Mai hatte der VCI die Prognose gesenkt und einen Rückgang um 1% in Aussicht gestellt.

Clariant ist in Grossbritannien an drei Standorten mit rund 130 Mitarbeitern präsent. "Unser Geschäft wird durch die britische Entscheidung nicht unmittelbar betroffen, wir werden die Entwicklungen jedoch weiterhin aufmerksam verfolgen", erklärte CEO Hariolf Kottmann direkt im Anschluss an den "Brexit" gegenüber AWP.

Eine in Grossbritannien geplante Akquisition musste Clariant Mitte Juni abblasen. Der Verzicht auf das europäische Flugzeug- und Bahn-Enteisungsgeschäft der britischen Kilfrost geschah laut Clariant aus kommerziellen Gründen und "aufgrund von Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit der erforderlichen Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde in Grossbritannien ergeben" hätten.

Erfolgreicher war Clariant davor in Brasilien: Der Spezialchemiekonzern übernahm Ende Juni ein Konsortium mit Carboflex vollständig, an dem man zuvor einen Anteil von 50% gehalten hatte. Damit kamen die Muttenzer vollständig in den Besitz einer Anlage in Rio de Janeiro, die Chemikalien für die Anwendung bei Öl- und Gasbohrungen herstellt.

AKTIENKURS: Die Clariant-Aktien weisen 2016 mit einem Minus von rund 8% eine bisher deutlich negative Jahresbilanz auf und fallen auch hinter den Gesamtmarkt zurück. Dieser gab gemessen am SPI im selben Zeitraum lediglich rund 2% nach.

Homepage: www.clariant.com

jl/ra

(AWP)