Autozulieferer Schaeffler schockt Anleger und zieht Branche runter

(Ausführliche Fassung) - Schlechte Nachrichten vom Autozulieferer Schaeffler : Anleger reagieren am Dienstag geschockt auf die Gewinnwarnung vom Vorabend und schicken die Aktie auf Talfahrt. Ebenso auf dem Verkaufszettel stehen andere Werte aus der Zulieferer-Branche. Investoren wie Analysten befürchten eine neu entfachte Diskussion über Wachstumsaussichten und die Widerstandsfähigkeit der Margen in der Branche.
27.06.2017 10:45

Die Aktien von Schaeffler stürzten zuletzt um 12,37 Prozent auf 12,58 Euro ab. Ebenso unter die Räder kamen Continental und Leoni , die um 3,18 Prozent beziehungsweise 4,13 Prozent nachgaben. Europaweit wurden auch die Aktie des französischen Unternehmens Faurecia und die der britischen GKN besonders deutlich nach unten gezogen. Der Stoxx 600 Automobiles & Parts war am Morgen der schwächste Sektor in Europa.

PREISDRUCK RÜCKT NUN BEI ALLEN ZULIEFERERN IN VORDERGRUND

Nach Meinung von Analyst Ashik Kurian von Jefferies werden die aktuellen Konsensschätzungen für Schaeffler für den Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen vier und zwölf Prozent reduziert. Das Thema Preisdruck werde nun bei allen Autozulieferern bei den nächsten Kapitalmarkt-Veranstaltungen in den Fokus rücken.

Schaeffler hatte am Montagabend die Ergebnisprognose für das laufende Jahr wegen einer deutlich schwächeren Entwicklung im zweiten Quartal gesenkt. Die operative Marge (Ebit-Marge) vor Sondereffekten dürfte 2017 bei 11 bis 12 Prozent liegen, teilte der Konzern nach Börsenschluss mit. Bisher hatte Schaeffler 12 bis 13 Prozent angepeilt. Der freie Mittelzufluss dürfte zudem nicht bei rund 600 Millionen, sondern nur bei 500 Millionen Euro liegen. Die Umsatzprognose für 2017 bestätigte Schaeffler. Dieser dürfte währungsbereinigt weiterhin um 4 bis 5 Prozent wachsen.

SPARTE AUTOMOTIVE-ERSTAUSRÜSTER IST SORGENKIND

Die zuletzt schwächelnde Industriesparte, die bereits im ersten Quartal zulegen konnte, habe sich im zweiten Quartal erwartungsgemäss entwickelt. Das aktuelle Sorgenkind ist das Automotive-Erstausrüstungsgeschäft: Hier führten erhöhter Preisdruck bei gleichzeitig zunehmenden Kosten für Neuanläufe zu Belastungen. Zudem seien höhere Entwicklungsaufwendungen und Vorleistungen aufgrund zusätzlicher Projekte im Bereich der E-Mobilität angefallen. Es sei darüber hinaus zu temporären Lieferengpässen gekommen. Bereits mit den Zahlen zum ersten Quartal hatte Schaeffler über einen unerwarteten Rückgang der Auto-Rendite berichtet.

Aus heutiger Sicht seien für die ersten sechs Monate 2017 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von rund 4 Prozent und eine Ebit-Marge vor Sondereffekten von rund 11 Prozent zu erwarten, hiess es weiter. Im ersten Quartal wies Schaeffler noch eine Rendite von 13,1 Prozent aus. Schaeffler werde Mitte Juli über die vorläufigen Ergebnisse des ersten Halbjahres berichten./stk/fbr/stb

(AWP)