Axel Springer wird vorsichtiger: Umsatzprognose gesenkt

(Ausführliche Fassung)
03.08.2016 12:43

BERLIN (awp international) - Axel Springer bekommt Gegenwind vom schwachen britischen Pfund und muss sein Umsatzziel für 2016 herunterschrauben. In die neue Prognose sei angesichts der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage aber auch ein "gewisser Vorsichtspuffer" eingebaut, sagte Springer-Chef Matthias Döpfner am Mittwoch. Der Kurs des Pfunds hatte nach dem Brexit-Votum der Briten deutlich nachgegeben.

Den Vorständen zufolge erwirtschaftet Springer zwölf Prozent seines Umsatzes und neun bis zehn Prozent des operativen Ergebnisses in Grossbritannien. Im Wesentlichen stamme das Geld aus Jobbörsen. Aber auch der Werbevermittler Zanox wickelt laut Finanzchef Julian Deutz einen grossen Teil seines Geschäfts in England ab. Springer erzielt sein Wachstum inzwischen vor allem mit Internetportalen und nicht mehr mit Zeitungen und Zeitschriften.

Deutz zufolge wird nun vor allem der Umsatz durch das schwache Pfund gebremst. Im Ergebnis sei das aber kaum spürbar. Die Springer-Aktie verlor zum Mittag dennoch rund 2,8 Prozent an Wert und gehörte damit zu den grössten Verlierern im MDax .

Insgesamt rechnet der Medienkonzern nun damit, dass steigende Werbeerlöse die sinkenden Vertriebseinnahmen nicht mehr übertreffen werden. Die Vertriebserlöse leiden seit längerem unter dem Auflagenschwund bei vielen Zeitungen und Zeitschriften. Insgesamt erwartet das Management nur noch einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Zuvor hatte der Vorstand noch eine Steigerung im niedrigen einstelligen Prozentbereich angepeilt.

Zusätzliche Werbeerlöse brachte dem Konzern laut Deutz die Fussball-Europameisterschaft. Aber durch das Ausscheiden der deutschen Mannschaft seien dem Konzern "sicherlich noch ein paar Millionen entgangen". Die Olympischen Spiele seien bei den Erlösen dagegen nicht so deutlich spürbar wie Fussball-Grossereignisse.

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz bei Springer um 0,7 Prozent auf knapp 802 Millionen Euro. Der um Sondereffekte wie Zu- und Verkäufe bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) blieb mit 147 Millionen Euro beim gleichen Wert wie ein Jahr zuvor.

Unterm Strich wuchs der Gewinn für die Springer-Aktionäre um knapp 16 Prozent auf 56,5 Millionen Euro. Zahlreiche Zu- und Verkäufe erschweren dabei den Vergleich mit dem Vorjahresquartal. An den Reiseplattformen im Internet, die der insolvente Portalbetreiber Unister derzeit zum Verkauf stellt, habe Springer aber kein Interesse, sagte Finanzchef Deutz./fri/stw/fbr

(AWP)