Bâloise stärkt Reserven in Deutschland und in der Lebensparte - Gewinn sinkt

(Meldung um weitere Angaben ausgebaut)
30.08.2016 08:28

Basel (awp) - Die Bâloise hat im ersten Halbjahr 2016 ein tieferes Ergebnis als vor Jahresfrist erzielt. Belastet wurde die Geschäftsentwicklung von Nachreservierungen, die in der deutschen Nichtlebenversicherung und aufgrund anhaltend tiefer Zinsen auch im Lebengeschäft vorgenommen werden mussten. Im Ausblick verweist der neue CEO Gert de Winter auf den kommenden Investorentag im Oktober. Erst dann will die Bâloise die Eckpunkte und Ziele zur neuen Strategiephase kommunizieren.

Der Gewinn sank im Halbjahr um 10% auf 223,6 Mio CHF, wie der Versicherer am Dienstag mitteilt. Mit ein Grund dafür seien Nachreservierungen im Deutschland-Geschäft in Höhe von 54,8 Mio gewesen. Ohne diese einmalige Massnahme wäre der Gewinn um 4,8% angestiegen. Gleichzeitig stieg der Schaden-Kostensatz (Combined Ratio) in Deutschland auf hohe 116,3% statt bereinigt 101,1% (VJ 106,0%). Die Vorgaben der Analysten (AWP-Konsens: 235,6 Mio) hat die Bâloise beim Gewinn verfehlt.

Insgesamt verschlechterte sich die Combined Ratio in der Nichtlebenversicherung netto nur leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 92,5%. Ohne den Deutschland-Effekt wäre der Wert sogar auf sehr tiefen und damit guten 88,7% zu liegen gekommen. Ausschlaggebend dafür war einmal mehr der sehr profitable Heimmarkt: In der Schweiz sank die Combined Ratio dank einem günstigen Schadenumfeld um 6,5 Punkte auf 78,4%. In Luxemburg ging sie um 2,0 Punkte auf 87,2% zurück, in Belgien stieg die für die Branche wichtige Kennzahl leicht um 1,3 Punkte auf 94,1%.

TIEFE ZINSEN BELASTEN

Nicht nur im Nichtlebenteil sank der operative EBIT wegen Nachreservierungen um beinahe 60 Mio auf 208,4 Mio CHF. Auch im Lebengeschäft sah sich die Bâloise aufgrund der anhaltend tiefen Zinsen dazu veranlasst die Reserven zu stärken, was den EBIT auf 46 Mio CHF von 70 Mio im ersten Halbjahr 2015 zurückfallen liess. Das Ergebnis des Bankgeschäfts stieg derweil, auch dank eines einmaligen positiven Effekts aus Pensionsplanänderungen bei der Baloise Bank SoBa, auf 53,5 Mio.

Während der Gewinn sank, blieb das Geschäftsvolumen der Gruppe im ersten Halbjahr stabil bei 5,62 Mrd CHF. Im Nichtlebengeschäft wuchs die Bâloise um 3,1% auf 2,13 Mrd, was dem Wachstum in Belgien (+8,4%) und Luxemburg (+12%) zuzuschreiben ist.

Das Lebengeschäft entwickelte sich derweil uneinheitlich: Während die Prämien mit Anlagecharakter um knapp 19% zugenommen haben, ging das Volumen mit traditionellen Lebensversicherungen um 8,7% zurück. Mit dem Fokus auf profitablere und weniger kapitalintensive moderne Produkte versuchen die Versicherer, ihre Margen im Tiefzinsumfeld zu verteidigen. Die Neugeschäftsmarge wird mit 7,3% nach 7,0% im ersten Halbjahr angegeben.

Mit den Kapitalanlagen wurde eine nicht annualisierte Nettorendite von 1,8% (VJ 1,6%) erzielt. Dies habe man mit Umschichtungen insbesondere bei den Bonds sowie den Aufbau von Immobilien erreicht. In der Bilanz weist die Bâloise ein Eigenkapital in der Höhe von 5,44 Mrd CHF aus nach 5,46 Mrd zum Jahresende 2015.

ZUVERSICHT FÜRS GESAMTJAHR

Trotz des Gewinnrückgangs zeigt sich der neue CEO Gert de Winter der Mitteilung zufrieden mit der Leistung: "Die finanzielle Stabilität und das operative Geschäft haben sich verbessert." Während in Deutschland Massnahmen zur Stärkung der Reserven getroffen wurden, habe man auch im Lebengeschäft die versicherungstechnischen Rückstellungen umfassend gestärkt.

Die Gruppe sieht sich auf Kurs, um im laufenden Jahr ein "ausgezeichnete operative Leistung" zu zeigen. Das Jahresergebnis dürfte nicht von weiteren Altlasten beeinträchtigt werden, verspricht die Bâloise. Die Ziele für die nächsten fünf Jahre sollen dann am 26. Oktober anlässlich des Investorentags präsentiert werden.

mk/ra

(AWP)