Banken können laut EZB Zinsschocks überwiegend gut verdauen

Die grossen Banken in der Euro-Zone können nach einem Stresstest der EZB kräftige Zinsänderungen in der Geldpolitik insgesamt gut wegstecken. Höhere Zinssätze würden bei der Mehrheit der Institute zu einem Anstieg des Nettozinseinkommens in den nächsten Jahren führen aber zu einem niedrigeren Wert des Anlagebuchs, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag mit.
09.10.2017 13:23

"Die Resultate zeigen, dass zumindest im Durchschnitt die Banken gerüstet sind, um mit Veränderungen im Zinsumfeld zurechtzukommen", sagte EZB-Generaldirektor Korbinian Ibel.

Die Resultate des Tests sollen in die diesjährige Bankenprüfung einfliessen. Insgesamt sollen sich die Kapitalanforderungen für die Geldhäuser durch die Resultate nicht ändern. Sie könnten aber für einzelne Banken angepasst werden.

An dem Test nahmen 111 Institute teil. Die EZB wollte überprüfen, wie anfällig Anlagebücher und Zinseinnahmen wären, sollte es zu deutlichen Zinsänderungen in der Geldpolitik kommen. "Übernacht wachen die Banken auf und haben ein neues Zinsumfeld. Was würde passieren, wenn das neue Umfeld dann für immer bestehen bleibt?", sagte Ibel.

Sechs unterschiedliche hypothetische Entwicklungen legten die Bankenwächter zu Grunde. Ein zentrales Ergebnis des Tests: Ein Anstieg der Zinsen um zwei Prozentpunkte würde bei den Instituten bis 2019 zu einem Anstieg der Nettozinseinnahmen um 10,5% führen. Allerdings würde der Wert des Anlagebuchs unter anderem wegen einer Neubewertung von Krediten und Anleihen um 2,7% sinken.

DEUTLICH WENIGER ZINSERTRÄGE BEI STATUS QUO

Anhaltende Tiefsätze hingegen würden die Zinseinkünfte deutlich drücken. Laut dem Stresstest würden die Zinseinnahmen um 7,5% schrumpfen, sollten die Sätze in den nächsten Jahren auf dem aktuellen Rekordtief verharren.

Die EZB hält ihren Leitzins schon seit längerem extrem niedrig. Mittlerweile liegt er bei 0,0%. Banken müssen zudem Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken. Der Einlagensatz liegt bei minus 0,4%.

Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Aufsicht über die grossen Banken im Währungsraum zuständig. Inzwischen kontrolliert sie 126 Institute direkt - darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

(AWP)