Bankenombudsman hatte Mehrarbeit wegen neuen Bankengebühren

Im Jahr 2016 hat sich der Ombudsman der Schweizer Banken mit leicht weniger Fällen unzufriedener Kunden beschäftigen müssen. Insgesamt wurden 2'068 Fälle behandelt, rund 2% weniger als im Vorjahr. Ein Dauerthema mit dem sich die Ombudsstelle beschäftigen musste, waren Bankgebühren, wie dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht zu entnehmen ist.
29.06.2017 10:45

Im Berichtsjahr 2015 wurden der Bankenombudsstelle 837 (VJ 880) schriftliche Fälle sowie 1'268 (1'182) mündliche Anfragen unterbreitet. 20% der neuen schriftlichen Fälle wurden auf elektronischem Weg eingereicht.

Wie immer seit 2011 stellte das Sachgebiet "Konto, Zahlungsverkehr, Karten" die grösste Gruppe der Anfragen dar. Mit 419 Fällen (+9%) oder einem Anteil von 52% der Anfragen habe die bestehende Dominanz dieses Bereichs nochmals zugenommen, heisst es weiter.

Dauerthema waren dabei die Gebühren: Bei 184 (161) abgeschlossenen schriftlichen Fällen standen Gebühren im Zentrum, was einem Anteil von 23% (17%) entspricht. "Banken verlangen vermehrt Gebühren für Dienstleistungen, die bis anhin gratis waren, um im derzeit ungünstigen Zinsumfeld sinkende Erträge zu kompensieren", konstatiert in der Mitteilung Ombudsman Marco Franchetti. Kunden müssten unmissverständlich und im Voraus über jegliche Änderung oder die Neueinführung einer Gebühr informiert werden, kritisiert Franchetti.

Seit Jahren beträgt der Streitwert in mehr als 80% (86% im 2016) der behandelten Fälle maximal 100'000 CHF. Das Streitpotenzial sei damit wesentlich grösser im Finanzbereich als sonst irgendwo im Dienstleistungssektor. Deshalb bedaure er es, dass der Ständerat nicht dem Vorschlag des Bundesrates gefolgt sei, der mit einem neuen Artikel in der Zivilprozessordnung bei den Prozesskosten Erleichterungen für Privatkunden erreichen wollte, so Franchetti.

Im abgelaufenen Jahr wurden zudem ein Drittel mehr Gesuche zur Ermittlung nachrichtenloser Vermögenswerte gestellt wie zuvor. Diese erhebliche Zunahme habe auch ganz konkrete Wirkungen gezeigt: in 62 Fällen (doppelt so vielen als im Vorjahr) konnten den Berechtigten nachrichtenlose Werte zugänglich gemacht werden, schreibt die Ombudsstelle.

sig/tp

(AWP)