Barclays kämpft mit schwierigen Märkten - Druck auf Chef Staley steigt

(Ausführliche Fassung) - Die britische Grossbank Barclays hat im dritten Quartal mit der schwierigen Lage an den Kapitalmärkten zu kämpfen gehabt. So sind die Erträge im Anleihegeschäft um 34 Prozent gefallen und damit stärker als bei den meisten amerikanischen Konkurrenten - aber nicht so stark wie zum Beispiel bei der Deutschen Bank . An der Börse sorgten die am Donnerstag verkündeten Zahlen für deutliche Verluste bei der Barclays-Aktie
26.10.2017 14:13

Der schwache Lauf im einst so einträglichen Geschäft mit Anleihen dürfte den Druck auf Unternehmenschef Jes Staley erhöhen. Dieser hatte einmal gesagt, dass er bei einem schwachen Quartal in dem Segment nicht in Panik verfallen würde - jetzt hat er bereits drei schwache Quartale hinter sich.

Staley denkt aber nicht an weitere Einsparungen in dem Bereich. Man dürfe sich nicht kaputtsparen - auf diesem Wege sei noch niemand zu alter Grösse zurückgekehrt. Er glaubt weiter fest daran, dass eine breit aufgestellte Bank mit einem starken Investmentbanking am besten dazu geeignet ist, durch die Krise zu kommen.

Trotz der Flaute an den Kapitalmärkten hat Barclays im dritten Quartal aber mehr verdient als noch vor einem Jahr - dies ist allerdings nur auf ausgebliebene Sonderbelastungen zurückzuführen. Der Gewinn sei im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent auf 583 Millionen Pfund (654 Mio. Euro) gestiegen, teilte die Bank am Donnerstag in London mit. Im Vorjahresquartal hatte die Bank noch hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten verkraften müssen.

Damit ist die Bank zumindest auf Quartalsbasis wieder zurück in der Gewinnzone. Im bisherigen Jahresverlauf steht aber wegen des Rückzugs aus Afrika weiter ein dickes Minus in der Gewinn- und Verlustrechnung. Das Haus rüstet sich zudem weiter für den anstehenden Austritt Grossbritanniens aus der EU. Um den zu erwartenden Anforderungen des Brexits gerecht zu werden, gliedert Barclays das britische Geschäft in eine eigene Einheit aus.

Die Barclays-Aktie gab bis zum frühen Nachmittag um 5 Prozent nach und baute damit ihr Jahresminus auf 16 Prozent aus. Das Papier ist damit das mit Abstand schwächste einer europäischen Grossbank - lediglich die Deutsche Bank kann mit einem Abschlag von rund 7 Prozent ein ähnlich hohes Minus aufweisen.

Die Aktien der meisten anderen europäischen Grossbanken konnten in diesem Jahr zulegen. Der Branchenindex europäischen Bankenindex Stoxx Europe 600 Banks zog seit Jahresbeginn um knapp zehn Prozent an. Besonders schmerzlich für Barclays-Chef Staley dürfte dabei sein, dass ausgerechnet die ebenfalls sehr breit aufgestellte Nummer eins aus Grossbritannien, die HSBC , um rund 13 Prozent zulegen konnte./zb/das/oca

(AWP)