Barclays profitiert von Markt-Belebung nach Brexit-Votum

(Ausführliche Fassung)
27.10.2016 14:13

LONDON (awp international) - Ausgerechnet der Brexit hat der britischen Grossbank Barclays ein gutes Quartal beschert. Das Votum für einen britischen EU-Austritt kurbelte im dritten Jahresviertel das Handelsgeschäft an und führte zu einem kräftigen Gewinnanstieg. Die Finanzbranche gilt eigentlich als grosser Verlierer des Brexit.

Der Gewinn vor Steuern stieg im dritten Quartal um 35 Prozent auf 837 Millionen Pfund (zirka 937 Mio Euro), wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Dabei lief es vor allem im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren rund. Hier erwirtschaftete Barclays die höchsten Erträge seit rund zwei Jahren.

Mit dem Ergebnis überraschte die Bank positiv. Die Aktie stieg bis zum Mittag um knapp zwei Prozent und setzte damit ihren Erholungskurs der vergangenen Monate fort. Seit dem Absturz auf ein Mehrjahrestief kurz nach der Brexit-Abstimmung legte der Börsenwert der Bank wieder um rund die Hälfte auf rund 31 Milliarden Pfund zu.

Im bisherigen Jahresverlauf gab das Barclays-Papier allerdings immer noch rund 17 Prozent nach und damit in etwa so viel wie der europäische Branchenindex. Die Briten stehen damit aber deutlich besser da als die Deutsche Bank, deren Anteile seit Ende 2015 rund 40 Prozent verloren haben.

An dem guten Ergebnis im dritten Quartal konnte auch eine abermalige Rückstellung von 600 Millionen Pfund für die fehlerhafte Beratung bei dem Verkauf von Kreditausfallversicherungen nichts ändern. Der in Grossbritannien unter der Abkürzung PPI bekannte Skandal ist für die britische Bankbranche die teuerste Verfehlung des vergangenen Jahrzehnts. Der Skandal kostete allein Barclays inzwischen 8,4 Milliarden Pfund.

Eigentlich hatten die Banken gehofft, mit ihren Rückstellungen im vergangenen Jahr den Deckel auf dieses Fass gemacht zu haben. Aber nachdem die Aufsicht die Frist für Ansprüche von Kunden bis auf Mitte 2019 festgesetzt hat und damit ein Jahr länger als sich die Banken erhofft hatten, müssen die Institute jetzt noch einmal nachlegen. Am Mittwoch erhöhte bereits Lloyds seine Rückstellung um eine Milliarde Pfund.

Zu den möglichen Folgen des Brexit-Votums hielt sich Barclays-Chef Jes Staley zurück und sagte nur, dass es intensive Gespräche mit der Regierung gibt. Er baut die Bank derzeit stark um, um die Kosten und Risiken zu senken. So werden tausende Stellen gestrichen und zahlreiche Bereiche verkauft. So will sich die Bank vor allem auf das Geschäft in Grossbritannien und den USA konzentrieren./zb/enl/stb

(AWP)