Barry Callebaut steigert Volumen in schrumpfendem Markt - Ziele bestätigt

(Zusammenfassung; wiederholt mit Schlusskurs)
07.07.2016 18:59

Zürich (awp) - Barry Callebaut hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015/16 mehr Schokolade abgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Dies ist in einem schrumpfenden Markt gelungen. Das Management bekräftigt ausserdem die Mittelfristziele. Analysten sprechen von einem soliden Zwischenergebnis.

Der Schokoladenmarkt zeigt sich derzeit nicht gerade von seiner "Schokoladenseite". Zwischen September und Mai schrumpfte er laut dem Marktforscher Nielsen um 2,0%. In Europa ging er um gut 1% zurück in Asien um rund 2% und in Amerika sogar um über 3%.

In den Neunmonatszahlen des Geschäftsjahrs 2015/16 (per Ende Mai) von Barry Callebaut ist davon kaum etwas zu sehen. Der weltgrösste Schokoladehersteller steigerte die Verkaufsmenge um 4,2% auf 1,38 Mio Tonnen, wie er am Donnerstag mitteilte.

MEHR SCHOKOLADE, WENIGER PULVER

Das starke Wachstum habe sich im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fortgesetzt, liess sich CEO Antoine de Saint-Affrique zitieren. Besonders gut habe das eigentliche Schokoladengeschäft abgeschnitten. So nahmen die Volumina in den Bereichen "Gourmet&Spezialitätenprodukte" (+11%) und "Industrielle Produkte" (+8,3%) markant zu.

Gleichzeitig setzte das Unternehmen im Segment Kakaoprodukte (Pulver und Butter) die Strategie fort, weniger profitable Verträge nicht zu erneuern. Prompt verringerten sich die Volumina in diesem Segment um 7,8%. Inwiefern sich dies im Gewinn niederschlug, wird man erst am Ende des Geschäftsjahres sehen. Denn nach neun Monaten veröffentlicht der Konzern keine Gewinnzahlen.

UMSATZ MIT HÖHEREM PLUS

Der Umsatz stieg mit 7,8% auf 5,01 Mrd CHF deutlich stärker als das Volumen, in Lokalwährungen sogar um gut 11%. Das Unternehmen erklärt dies mit einem vorteilhaften Produkt- und Kundenmix sowie höheren Zutatenpreisen. Rohstoffpreisveränderungen können grösstenteils an die Kunden weitergeben werden. In der Berichtsperiode erhöhten sich laut der Mitteilung die Preise für Kakaobohnen und Zucker, während der Milchpreis abnahm.

Im Ausblick rechnet das Unternehmen kurzfristig weiterhin mit einem herausfordernden Marktumfeld. Gleichzeitig bekräftigt das Management die mittelfristigen Ziele bis ins Jahr 2017/18. Es soll ein durchschnittlicher jährlicher Anstieg der Verkaufsmenge von 4-6% und eine EBIT-Steigerung über dem Volumenwachstum (in Lokalwährungen) erreicht werden.

CEO Antoine de Saint-Affrique bezeichnet diese Zielsetzung als "smartes Wachstum", weil sie zu einem Gleichgewicht zwischen dem Wachstum der Verkaufsmenge, Steigerung der Profitabilität und der Erwirtschaftung von freiem Cashflow führe. Kurzfristig werde sich das Auslaufenlassen von weniger profitablen Verträgen im Kakaogeschäft jedoch auf das Wachstum auswirken. "Insgesamt und auch im Hinblick auf das nächste Geschäftsjahr verfügen wir über ein gesundes Portfolio", betonte er.

HERAUSFORDERNDES UMFELD

Für Analysten waren die vorgelegten Zahlen keine Überraschung. Barry Callebaut bleibe eine "grundsolide Geschichte", meinte ein Experte stellvertretend.

Eine offene Frage ist, ob das mittelfristige Volumen-Wachstumsziel im laufenden Geschäftsjahr erreicht wird. Dabei verwiesen Skeptiker auf die Quartalszahlen. So sei im dritten Quartal nur ein Wachstum von 3,7% erreicht worden nach 2,3% im Vorquartal. Zum Teil wird auch der Ausblick so interpretiert, dass das Management die Investoren auf ein gedämpftes Wachstum im Schlussquartal vorbereiten wolle.

Gut kommt an, dass die sogenannte Combined Cocoa Ratio (Verhältnis zwischen Verkaufspreisen von Kakaobutter und -pulver zu den Einkaufspreisen der Kakaobohnen) auf einen Wert von 3,12 angestiegen ist. Dies deute auf ein starkes Profitabilitätsmomentum hin, lautet der Tenor.

An der Börse haben die Optimisten Oberwasser: Am Donnerstag schlossen die Barry-Callebaut-Papiere 3,9% höher bei 1'221 CHF, während der Gesamtmarkt (SPI) um 0,9% anstieg.

rw/ra

(AWP)