Barry Callebaut wächst etwas unter den Erwartungen - Zuversicht für 2016/17

(Ausführliche Fassung)
02.11.2016 09:18

Zürich (awp) - Der weltgrösste Schokolade-Produzent Barry Callebaut (BC) ist im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende August) weniger stark gewachsen als von Analysten erwartet. Abgesehen von der Cocoa-Division, wo der laufende Turnaround-Prozess bald abgeschlossen sein sollte, wächst der Konzern aber stark. Das Management zeigt sich denn auch zuversichtlich und bestätigt die Mittelfrist-Ziele zu Wachstum und EBIT.

Die Verkaufsmenge stieg in der Berichtsperiode um 2,2% auf 1,834 Mio Tonnen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Das Wachstum hat sich damit gegenüber dem Wert nach neun Monaten (+4,2%) nochmals deutlich verlangsamt. Im Vergleich zum Gesamtmarkt, der in dieser Periode gemäss Branchendaten um 1,7% rückläufig war, ist BC allerdings noch immer klar schneller unterwegs.

Der Umsatz stieg derweil vor allem wegen höherer Verkaufspreise um 7,0% auf 6,68 Mrd CHF (+8,8% in Lokalwährungen). Beim Betriebsgewinn ergab sich ein Minus von 3,2% auf 401,7 Mio CHF (LW +0,1%) und beim EBIT pro Tonne eines von 5,2% auf 219,0 CHF (LW -2,0%). Unter dem Strich blieb ein um 8,7% tieferer Konzerngewinn von 219,0 Mio CHF, was vor allem höhere Steuersätze und einmalige Kosten im Zusammenhang mit einer Anleihe widerspiegle, wie es heisst. Insgesamt hat BC die Analysten-Schätzungen vor allem auf Volumenstufe nicht erreicht.

KAKAO DEUTLICH IM MINUS

Vor allem der Bereich Kakao war volumenmässig mit einem Minus von 12,0% schwach. Grund ist hier vor allem, dass BC seit einiger Zeit "gezielt" aus weniger profitablen Verträgen aussteigt. BC sieht hier aber Licht am Ende des Tunnels. "Wir sind schon weit fortgeschritten im Prozess, uns von weniger profitablen Verträgen zu trennen", sagte CEO Antoine de Saint-Affrique an einem Call für Journalisten. "Ungefähr ein Viertel des Weges müssen wir noch gehen, dann sollten wir wieder stabile Wachstumsraten erreichen."

Dazu komme, dass es für die Schokolade-Division eine hohe interne Nachfrage nach Kakao gebe, womit der Turnaround-Prozess der Cocoa-Division auch von dieser Seite unterstützt werde, ergänzte CFO Victor Balli. Stark wuchsen denn auch die Bereiche 'Industrielle Produkte' (+6,8%) und Gourmet & Spezialitätenprodukte (+12,4%), zusammen ergab dies ein Plus im Schokoladengeschäft von 7,6%.

CEO Saint-Affrique betonte denn auch, dass BC in einem schwachen globalen Schokoladenmarkt stark in allen Regionen gewachsen sei, wozu alle drei zentralen Wachstumstreiber (Outsourcing, Emerging Markets, Gourmet) beigetragen hätten. Der verstärkte Fokus auf den freien Cash flow (404 Mio CHF) zahle sich derweil aus.

PAYOUT-RATIO VON 39%

Aufgrund der Resultate wird ein Dividendenantrag von 15,50 CHF je Aktie (VJ 14,50) gestellt, was einer Ausschüttungsquote von 39% entspricht und klar höher als der Konsens (14,64 CHF) ist. Die Ausschüttung soll aus Kapitaleinlagen und einer Nennwertreduktion erfolgen und ist somit steuerfrei. Dass man mit der Ausschüttungsquote etwas über der Zielgrösse von 35% liege, habe vor allem mit der aktuellen Zuversicht zu tun, sage der CFO, zu viel für die Zukunft solle man daraus aber nicht lesen.

ZIELE BESTÄTIGT

Auch im Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2016/17 zeigt sich der CEO zuversichtlich: "Wir haben eine gute Visibilität bezüglich Volumenwachstum, und wir erwarten einen positiven Gewinnbeitrag aus unserem Cocoa Leadership-Projekt, gestützt von der gewissen Erholung im Markt für Kakaoprodukte in jüngster Zeit." Auf dieser Basis wird die Drei-Jahres-Prognose, das heisst im Durchschnitt 4-6% Volumenwachstum und ein über dem Volumenwachstum liegender EBIT in Lokalwährungen, bestätigt.

Weiter teilt BC mit, dass Andreas Jacobs als Präsident des Verwaltungsrates zurücktritt. Als Nachfolger vorgeschlagen wird der frühere BC-CEO Patrick De Maeseneire, der seit einiger Zeit auch Vizepräsident des Gremiums ist. Der CEO sprach hier von einem "normalen und gut vorbereiteten Übergang", nach dem Andreas Jacobs 11 Jahre Präsident war.

uh/cf

(AWP)