BASF bestätigt auch nach Explosionsunglück Jahresziele

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27.10.2016 10:23

LUDWIGSHAFEN (awp international) - Der weltgrösste Chemiekonzern BASF hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2016 trotz der tödlichen Explosion vom 17. Oktober und der damit verbundenen Produktionsausfälle bestätigt. Zwar belasteten die Einschränkungen bei Logistik und Versorgung das Ergebnis des Geschäftsjahres, teilte das Unternehmen bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am Donnerstag in Ludwigshafen mit. "Sie führen jedoch nicht zu einer Änderung des Ausblicks 2016 für die BASF-Gruppe." Im dritten Quartal brachen Umsatz und Gewinn wie erwartet vor allem wegen der Abgabe des Gashandels- und -speichergeschäfts ein.

Am Montag vergangener Woche war es im Ludwigshafener Landeshafen Nord zu einer Explosion und mehreren Bränden gekommen. Drei Menschen starben, 30 wurden verletzt. Die Ermittler vermuten, dass es zu dem Unglück kam, als ein Mitarbeiter einer Fremdfirma eine falsche Rohrleitung anschnitt. Darin floss Raffinat, das sich entzündete. Zur gleichen Zeit liefen Wartungsarbeiten an einer Nachbarleitung, bei denen ein Winkelschleifer verwendet wurde. Die beschädigte Leitung hatte nicht gewartet werden sollen. Der mutmassliche Urheber des Unglücks konnte noch nicht befragt werden. Er liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag will sich Unternehmenschef Kurt Bock erstmals öffentlich zu dem Unglück äussern.

Weil die über den Landeshafen laufenden Versorgungsleitungen wegen des Unglücks unterbrochen wurden, fuhr die BASF eine Reihe von Anlagen herunter, darunter die beiden Steamcracker, in denen mit Dampf Rohbenzin aufgespalten wird. Seit Freitag produziere der Steamcracker II wieder Ethylen, auch der zweite solle demnächst wieder angefahren werden, heisst es in einer Sonderausgabe der Werkszeitung. Auch die anderen Anlagen sollen sukzessive wieder starten.

"Von einer stabilen Rohstoffversorgung, geordneten Betriebsabläufen und reibungslosen logistischen Prozessen sind wir leider noch ein ganzes Stück entfernt", wurde Werksleiter Uwe Liebelt in dem Blatt zitiert. "Das liegt vor allem daran, dass uns der Nordhafen auf längere Zeit fehlen wird." Die Staatsanwaltschaft hat den Unglücksort beschlagnahmt, zudem müssen die zerstörten Leitungen repariert werden. Rohbenzin wird inzwischen allerdings über den Ölhafen Mannheim auf der Friesenheimer Insel organisiert.

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiter, dass der Umsatz (2015: 70,5 Milliarden Euro) wegen der Abgabe des Gashandelsgeschäfts "deutlich" zurückgeht. Das operative Ergebnis (Ebit vor Sondereinflüssen) dürfte "leicht" und damit um bis zu zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. 2015 hatte der Konzern operativ 6,74 Milliarden Euro verdient.

Von Juli bis Ende September hinterliessen vor allem die fehlenden Erdgashandelsaktivitäten tiefe Spuren in der BASF-Bilanz. Im Zuge eines Tausches hatte BASF ihr Gashandels- und Gasspeichergeschäft an den russischen Energieriesen Gazprom abgegeben. Der Umsatz schrumpfte um ein Fünftel auf 14 Milliarden Euro. Das Ebit brach um 22 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro ein. Bereinigt um Einmaleffekte ging das operative Ergebnis um 5 Prozent auf gut 1,5 Milliarden Euro zurück. Der Gewinn sank um 27 Prozent auf 888 Millionen Euro.

Neben dem Öl- und Gasgeschäft, das aufgrund des fehlenden Erdgashandelsgeschäfts aber auch wegen weiterhin niedriger Öl- und Gaspreise einen Umsatz- und Gewinneinbruch verzeichnete, entwickelte sich im dritten Quartal auch das Geschäft mit Basis-Chemikalien vor allem wegen niedriger Verkaufspreise schlechter. Besser lief es für BASF mit chemischen Zusatzstoffen (Performance Products) sowie Lacken, Kunst- und Baustoffen (Functional Materials & Solutions). Die Pflanzenschutz-Sparte (Agricultural Solutions) profitierte von besseren Margen in Europa, Asien und Südamerika sowie geringeren Fixkosten./mne/jes/jha/stb

(AWP)