BASF muss mit wochenlangem Produktionsausfall rechnen

Ludwigshafen (awp/sda/reu) - Der deutsche Chemieriese BASF kann womöglich wochenlang bestimmte Produkte nicht herstellen. Nach der Explosion vom Montag sind grosse Teile des grössten Chemiestandorts der Welt lahmgelegt.
19.10.2016 13:11

Die Unglücksstelle am Ludwigshafener Landeshafen war auch zwei Tage später noch nicht zugänglich. Personalchefin Margret Suckale hatte bereits erklärt, dass die Einschnitte in die Produktion substanziell seien. BASF fertigt dort aus Rohstoffen wie Ethylen und Propylen Ausgangsstoffe für zahlreiche andere Materialien wie Kunststoffe, Lacke oder Kleber.

Wie lange die Anlagen, darunter die zwei zentralen Steamcracker, stillstehen, sei momentan nicht abzuschätzen, sagte eine Firmensprecherin am Mittwoch. Die Einsatzkräfte seien noch vor Ort, die Bewältigung des Unglücks mit zwei Todesopfern und einem weiterhin Vermissten habe Priorität.

Welche Produktgruppen genau betroffen seien, werde der Konzern aus Markt- und Wettbewerbsgründen ohnehin nicht preisgeben. Analysten rechnen damit, dass die Fertigung in Ludwigshafen womöglich über das Jahresende hinaus ruht. Bis Staatsanwaltschaft und BASF selbst den Schaden untersucht haben, die Leitungen repariert und abgenommen sind, dürften Wochen vergehen.

Die Ludwigshafener verwiesen auf ihre umfassende finanzielle Absicherung. "BASF verfügt über eine Sachversicherung für eigene Schäden sowie eine Haftpflichtversicherung für Schäden bei Dritten", teilte das Unternehmen mit.

Schäden grösstenteils versichert

NordLB-Experte Thorsten Strauss äusserte sich mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen deshalb gelassen. "Die finanziellen Belastungen für das Unternehmen dürften sich in Grenzen halten, da die Schäden grösstenteils versichert sein sollten. Entsprechend moderat blieb die Börsenreaktion auf den Vorfall", erklärte der Experte. In den vergangenen Tagen bewegte sich die BASF-Aktie im Dax kaum.

In welchem Umfang Zulieferer und BASF betroffen sind, ist noch weitgehend unklar. Der Münchner Industriegasekonzern Linde beliefert die Kurpfälzer, erwartet aber keine Konsequenzen. "Selbst wenn Produktion heruntergefahren werden sollte, ist vertraglich festgesetzt, welche Mengen abgenommen werden müssen", erklärte ein Linde-Sprecher. Lanxess und Wacker Chemie sehen sich in nicht betroffen.

Evonik blickt indes banger auf den Schaden. "Mögliche Folgen des Ereignisses für Lieferketten werden geprüft", erklärte ein Sprecher des Chemiespezialisten. Branchenexperten rechnen damit, dass von dem Ausfall vor allem die US-Konkurrenten Dow Chemical und LyondellBasell Industries sowie die österreichische Borealis profitieren werden.

Mann weiter vermisst

Am Vormittag begann unterdessen die Suche nach dem letzten Vermissten. Gegen 11.00 stiegen 17 Taucher ins Hafenbecken, wo der Mann vermutet wird, wie die Stadt Ludwigshafen mitteilte.

Bei der Explosion im Ludwigshafener Landeshafen waren am Montag zwei Betriebsfeuerwehrleute ums Leben gekommen. Acht Menschen wurden schwer verletzt, 17 weitere leicht. Während der Arbeiten an einer Rohrleitung war es zu einem Brand und später zu Explosionen von brennbaren Flüssiggasen gekommen.

(AWP)