BASF wegen Ölpreis und Tauschgeschäft mit Umsatz- und Gewinneinbruch

(Meldung mit Aussagen aus der Telefonkonferenz und Analystenkommentar ergänzt)
27.07.2016 12:27

LUDWIGSHAFEN (awp international) - Der Ölpreisverfall und die Abgabe des Gashandels- und -speichergeschäfts haben dem Chemiekonzern BASF auch im zweiten Quartal einen Umsatz- und Gewinneinbruch eingebracht. Vorstandschef Kurt Bock bestätigte am Mittwoch dennoch die Prognose für das Gesamtjahr - blieb aber sehr vorsichtig. Spekulationen über einen Verkauf des BASF-Pflanzenschutzgeschäfts schob er einen Riegel vor.

Zwar habe sich die Konjunktur im zweiten Quartal 2016 etwas aufgehellt, und es sei etwas mehr Zuversicht im Markt zu spüren gewesen, sagte Bock. Darauf deuteten unter anderem der Ölpreisanstieg und eine leichte Nachfragesteigerung seit Ende März hin. "Nichtsdestotrotz bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld schwer zu berechnen". Vor allem der Ausgang des Brexit-Referendums habe die Verunsicherung in der Weltwirtschaft verstärkt. "Auch die aktuellen Ereignisse in der Türkei tragen ihren Teil dazu bei."

UMSATZEINBRUCH WEGEN TAUSCHGESCHÄFT

Von April bis Juni sank der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent auf 14,48 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss ging um 14 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro zurück. Der Umsatzrückgang ist zu zwei Dritteln darauf zurückzuführen, dass BASF sein Gashandels- und -speichergeschäft im Zuge eines Tauschs von milliardenschweren Vermögensposten an den russischen Energieriesen Gazprom abgegeben hat. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten sank um 16 Prozent auf 1,70 Milliarden Euro. Damit traf die im Dax notierte Gesellschaft die Erwartungen der Analysten.

Für das Gesamtjahr wird nun ein Umsatzrückgang erwartet. Auch der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn soll um bis zu zehn Prozent sinken. "Unser Ausblick für 2016 bleibt im derzeitigen volatilen und herausfordernden Umfeld ein unverändert anspruchsvolles Ziel", sagte er. Er sei vor allem von der Entwicklung des Ölpreises abhängig. BASF geht davon aus, dass der Preis für ein Barrel der Sorte Brent im Jahresschnitt 40 US-Dollar beträgt.

AKTIEN GEBEN NACH

Die Aktien gaben bis zum Mittag um 2,8 Prozent nach. Die Kennziffern hätten den Erwartungen entsprochen, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank. Die bestätigten Jahresziele des Chemiekonzerns seien wegen der schwächelnden Sparten Agrochemie sowie Öl & Gas jedoch ambitioniert.

Im zweiten Quartal habe es eine "robuste Nachfrage" vor aus der Automobil- und der Bauindustrie gegeben, sagte Bock. BASF konzentriere sich weiter auf Kosteneinsparungen. Die Erwartungen des Konzerns hinsichtlich der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklungen bleiben unverändert. Dass sich der Ausgang des Brexit-Referendums auf das Kundenverhalten auswirke, habe man noch nicht erkennen können.

PFLANZENSCHUTZGESCHÄFT SOLL BEI BASF BLEIBEN

Im Segment Öl und Gas schrumpfte der Umsatz im zweiten Quartal um 83 Prozent auf 617 Millionen Euro. Das lag zum einen an der Abgabe des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts. Wegen des Tauschs fehlten laut BASF im Vergleich zum Vorjahresquartal Umsätze von drei Milliarden Euro. Ausserdem drückten die niedrigeren Öl- und Gaspreise den Umsatz. Das Geschäft mit Basis-Chemikalien lief wegen niedriger Verkaufspreise schlechter. Zudem litt das Geschäft in der Agrochemie unter dem schwierigen Marktumfeld in Südamerika. Aber auch Europa habe sich schwächer entwickelt, sagte Bock.

Spekulationen über einen möglichen Verkauf des Pflanzenschutzgeschäfts an den US-Saatgutspezialisten Monsanto wischte Bock vom Tisch. "Ich glaube, wir haben das ziemlich deutlich gemacht, dass unser Pflanzenschutzgeschäft nicht zum Verkauf steht." Erst jüngst waren erneut Spekulationen aufgeflammt, dass der von Bayer umworbene US-Konzern Gespräche mit BASF über eine Kombination der jeweiligen Agrarchemie-Sparten wieder aufgenommen habe. Dabei würden die Amerikaner verschiedene Transaktionen einschliesslich der Übernahme des BASF-Geschäfts prüfen, hatte es geheissen./mne/jes/jha/fbr

(AWP)