BASF will 2017 beim Umsatz wieder deutlich zulegen

(Ausführliche Fassung) - Der Chemiekonzern BASF schaltet nach einem kräftigen Umsatzrückgang wieder auf Wachstum um. Bereits im Schlussquartal 2016 steigerte die im Dax notierte Gesellschaft den Umsatz. "Wir sind verhalten optimistisch für 2017. Wir wollen weiter wachsen, wozu alle Segmente beitragen sollen", sagte Unternehmenschef Kurt Bock am Freitag bei Vorlage der Jahreszahlen in Ludwigshafen. Noch wichtiger sei aber, dass das "Ergebnis" wieder zulegt, auch im Öl- und Gas-Geschäft. Die Sparte hatte vor allem unter den deutlich niedrigen Verkaufspreisen gelitten, die sich allerdings wieder leicht erholt haben.
24.02.2017 09:16

2016 war der Umsatz aufgrund der fehlenden Erdgashandelsaktivitäten um 18 Prozent auf 57,6 Milliarden Euro geschrumpft. Im Zuge eines Tausches hatte BASF ihr Gashandels- und Gasspeichergeschäft an den russischen Energieriesen Gazprom abgegeben. Das um Sondereffekte bereinigte Ebit ging um sechs Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich blieb aber mit knapp 4,1 Milliarden Euro etwas mehr hängen. Allerdings hatten Abschreibungen aufgrund des starken Öl- und Gaspreisverfalls ein Jahr zuvor das Ergebnis belastet. Die Dividende soll um 10 Cent auf 3 Euro je Aktie erhöht werden.

ÖL- UND GASSPARTE SOLLEN ZUM ERGEBNISPLUS BETRAGEN

Am Aktienmarkt wurde die BASF-Bilanz gemischt aufgenommen. Dank eines starken Chemikalien-Geschäfts habe der Konzern operativ etwas besser als erwartet abgeschnitten, schrieb Analyst Jeremy Redenius vom US-Analysehaus Bernstein Research in einer ersten Reaktion. Den Ausblick der Ludwigshafener bemängelte er aber. Dieser liege unter seinen und den Konsenserwartungen. Die BASF-Aktie gab im frühen Handel um 2,5 Prozent nach.

Im laufenden Jahr sollen die Erlöse wieder "deutlich" zulegen, stellte BASF in Aussicht. Der Konzern geht damit von einem Zuwachs von mindestens sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Dazu beitragen sollen alle Segmente. Für den operativen Gewinn (Ebit) vor Sondereffekten peilen die Ludwigshafener einen "leichten" Anstieg an, also bis zu zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Deutlich mehr verdienen will das Unternehmen dabei vor allem wieder mit Öl und Gas.

SCHLUSSQUARTAL LIEF BESSER

Zudem werde BASF aufgrund der grossen Unsicherheit im wirtschaftlichen und politischen Umfeld seinen Sparkurs fortsetzen, sagte Bock. Bis Ende 2018 sollen die Kosten jährlich um rund eine Milliarde Euro unter denen von 2015 liegen. 2016 lagen die Einsparungen bei 350 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet Bock damit, dass die Weltwirtschaft und die Chemieindustrie im gleichen Tempo wie 2016 wachsen werden. Dabei sollte sich aber das Wachstum in der Europäischen Union deutlich abschwächen, aber auch China werde weniger stark wachsen. Für die USA geht der BASF-Chef von einer leichten Wachstumsbelebung aus. Und die Rezession in Brasilien und Russland dürfte enden.

Besser lief es für die BASF bereits wieder im Schlussquartal 2016. BASF profitierte vor allem wieder von höheren Öl- und Gaspreisen. Aber auch die Sparte mit Basischemikalien (Chemicals) und das Geschäft mit Katalysatoren, Bauchemikalien und Farben (Functional Materials and Solutions) entwickelten sich vor allem dank höherer Absätze deutlich besser. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf knapp 14,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) vor Sondereffekten legte um 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb mit 689 Millionen Euro zwar doppelt soviel hängen. Allerdings hatten Abschreibungen aufgrund des starken Öl- und Gaspreisverfalls ein Jahr zuvor das Ergebnis belastet.

Die Chemiebranche ist in Bewegung. Vor mehr als einem Jahr hatten die US-Grosskonzerne Dow Chemical und Dupont ihre Fusionspläne öffentlich gemacht. Mit der neuen Dowdupont soll zunächst der weltgrösste Chemiekonzern noch vor dem alten Spitzenreiter BASF entstehen. Es ist die grösste Firmenhochzeit in der Geschichte der Branche. Nach dem Zusammengehen soll der Konzern in drei einzelne und jeweils börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

FUSIONEN IN DER CHEMIEBRANCHE

Dow und Dupont sind mit ihren Fusionsvorhaben nicht allein: Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta und der chinesische Staatskonzern ChemChina hatten der EU-Wettbewerbsbehörde zuletzt Zugeständnisse angeboten. Damit wollen sie Bedenken der EU-Kartellwächter gegen die geplante Fusion der beiden Unternehmen ausräumen. Mitte September hatte Bayer die Übernahme des umstrittenen US-Saatgutherstellers Monsanto nach einem monatelangen Poker verkündet. Die Monsanto-Aktionäre stimmten im Dezember dem rund 66 Milliarden US-Dollar schweren Gebot aus Deutschland zu. Für die Rekord-Übernahme fehlen aber noch die Genehmigungen durch Behörden rund um den Globus./mne/jha/stb

(AWP)