BASF will 2017 beim Umsatz wieder deutlich zulegen - Aktie fällt

(Zusammenfassung mit Aussagen aus der Konferenz, Analysten) - Der Chemiekonzern BASF schaltet nach einem kräftigen Umsatzrückgang im vergangenen Jahr wieder auf Wachstum um. Bereits im Schlussquartal 2016 steigerte die im Dax notierte Gesellschaft den Umsatz. "Wir sind verhalten optimistisch für 2017. Wir wollen weiter wachsen, wozu alle Segmente beitragen sollen", sagte Unternehmenschef Kurt Bock am Freitag bei Vorlage der Jahreszahlen in Ludwigshafen. Noch wichtiger sei aber, dass das operative Ergebnis wieder zulege, auch im Öl- und Gas-Geschäft. Die Sparte hatte vor allem unter den deutlich niedrigen Verkaufspreisen gelitten, die sich inzwischen wieder etwas erholt haben. Während der Ölpreis der Sorte Brent im Januar 2016 noch im Schnitt bei 31,93 US-Dollar das Barrel gelegen hatte, sind es aktuell 56,28 Dollar.
24.02.2017 15:26

2016 war der Umsatz aufgrund des fehlenden Erdgashandelsgeschäfts um 18 Prozent auf 57,6 Milliarden Euro geschrumpft. Dies wirkte sich vor allem auf das Deutschland-Geschäft aus. Im Zuge eines Tausches hatte BASF das Gashandels- und Gasspeichergeschäft an den russischen Energieriesen Gazprom abgegeben. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging um sechs Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich blieb mit knapp 4,1 Milliarden Euro etwas mehr Gewinn hängen. Im Jahr zuvor hatten Abschreibungen aufgrund des starken Öl- und Gaspreisverfalls das Ergebnis belastet. Die Dividende soll auf 3 Euro je Aktie leicht angehoben werden.

ÖL- UND GASSPARTE SOLL ZUM ERGEBNISPLUS BETRAGEN

Am Aktienmarkt sorgte die Bilanz für Ernüchterung. Analysten sahen die Resultate für das Schlussquartal 2016 bestenfalls leicht über den Erwartungen. Zudem sei der Ausblick für die Anleger wohl eine Enttäuschung, schrieb Commerzbank-Experte Michael Schäfer. Andere Experten sahen angesichts der guten Kursentwicklung der Aktie die Zeit für Gewinnmitnahmen gekommen. Die Papiere der Ludwigshafener verloren am Nachmittag fast 3,8 Prozent, was den letzten Platz im schwächelnden Dax bedeutete.

Im laufenden Jahr sollen die Erlöse um mindestens sechs Prozent zulegen. Für das Ebit vor Sondereffekten peilen die Ludwigshafener einen Anstieg von bis zu zehn Prozent an. Zulegen will das Unternehmen dabei vor allem wieder mit Öl und Gas.

SCHLUSSQUARTAL LIEF BESSER

Seinen Sparkurs will der Konzern fortsetzen. Bis Ende 2018 sollen die jährlichen Kosten um rund eine Milliarde Euro unter denen von 2015 liegen. 2016 lagen die Einsparungen bei 350 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr rechnet Bock damit, dass die Weltwirtschaft und die Chemieindustrie im gleichen Tempo wie 2016 wachsen werden. Dabei sollte sich aber das Wachstum in der Europäischen Union deutlich abschwächen. Kopfzerbrechen bereite BASF der bevorstehende Brexit, vor allem aufgrund der Verflechtungen etwa in der Automobilindustrie mit Grossbritannien, sagte Bock.

Aber auch China werde weniger stark wachsen. Für die USA geht der BASF-Chef hingegen von einer leichten Wachstumsbelebung aus. Zu den Grenzbesteuerungsideen - höhere Steuern auf Importe, geringere auf Exporte - des neuen US-Präsidenten Donald Trump führte er an: "Wir kennen solche Steuern aus Südamerika." Diese seien aber selten erfolgreich. BASF selbst führe mehr Produkte aus der USA aus als ein. Seine Investitionspläne werde das Unternehmen deshalb nicht ändern. Zum Iran sagte er, dass BASF nach Möglichkeiten suche, um dort im Öl- und Gasgeschäft Fuss zu fassen. Zuversichtlicher zeigte sich Bock auch wieder für Brasilien und Russland.

QUARTALSGEWINN

Besser lief es für BASF bereits wieder im Schlussquartal 2016 dank wieder höherer Öl- und Gaspreise. Auch die Sparte mit Basischemikalien (Chemicals) und das Geschäft mit Katalysatoren, Bauchemikalien und Farben (Functional Materials and Solutions) entwickelten sich besser. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf knapp 14,9 Milliarden Euro. Das Ebit vor Sondereffekten legte um 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb mit 689 Millionen Euro zwar doppelt soviel hängen. Allerdings hatten Abschreibungen aufgrund des starken Öl- und Gaspreisverfalls ein Jahr zuvor das Ergebnis belastet.

In der Chemiebranche ist momentan viel in Bewegung. Vor mehr als einem Jahr hatten die US-Grosskonzerne Dow Chemical und Dupont ihre Fusionspläne öffentlich gemacht. Mit der neuen Dowdupont soll der weltgrösste Chemiekonzern noch vor dem alten Spitzenreiter BASF entstehen. Aber auch der schweizerische Agrochemiekonzern Syngenta und der chinesische Staatskonzern ChemChina wollen zusammengehen. Mitte September hatte Bayer die milliardenschwere Übernahme des umstrittenen US-Saatgutherstellers Monsanto nach einem monatelangen Poker verkündet. Für die Rekord-Übernahme fehlen aber noch die Genehmigungen durch Behörden rund um den Globus./mne/she/he

(AWP)