Bauboom hilft HeidelbergCement - Euro und Energiekosten bremsen

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz zu Fachkräftemangel, Ägypten und Brexit, Analystenstimme, Aktienkurs) - Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat im zweiten Quartal vom aktuellen Bauboom profitiert. Allerdings belasteten ein starker Euro und höhere Energiekosten den Gewinn. "Die solide Ergebnisentwicklung im zweiten Quartal markiert eine erkennbar positive Trendwende nach dem wetterbedingt schwierigen Jahresbeginn", sagte Konzernchef Bernd Scheifele bei der Zahlenvorlage am Dienstag in Heidelberg.
31.07.2018 13:25

Umsatzwachstum und Absatzanstieg in allen Geschäftsbereichen spiegelten die gute Marktdynamik wider. "Wir erwarten eine weitere Verbesserung der Geschäftsentwicklung im zweiten Halbjahr und bestätigen unsere Prognose", fügte Scheifele hinzu. Die Aktie verzeichnete im frühen Nachmittagshandel leichte Verluste.

Der Umsatz legte in den Monaten April bis Juni im Jahresvergleich um vier Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zu. Damit schnitt der Dax -Konzern besser ab, als Experten erwartet hatten. Bereinigt um Währungseffekte wären die Erlöse sogar um neun Prozent gestiegen. Zudem bremste der Facharbeitermangel in den boomenden Industrieländern das Wachstum.

In den USA machte Scheifele vor allem die Einwanderungspolitik des US-Präsidenten Donald Trump für den Personalengpass am Bau verantwortlich. "Wir kriegen die Lkws nicht vom Hof, weil uns die Fahrer fehlen", sagte Scheifele. Betroffen davon sei vor allem Kalifornien, aber auch Texas, wo die Ölkonzerne ebenfalls nach geeigneten Mitarbeitern suchten.

Besser lief es für die Heidelberger im Tagesgeschäft, auch wenn das operative Ergebnis vor Abschreibungen wegen negativer Währungseffekte um drei Prozent auf 936 Millionen Euro zurückging. "Die Euro-Stärke hat uns etwa 54 Millionen Euro gekostet", sagte Scheifele. Zudem hätten die Energiekosten um 30 Millionen Euro über dem Vorjahresniveau gelegen.

Die Geschäfte des Konzerns entwickelten sich dank eines Baubooms vor allem in Deutschland, Polen und Tschechien deutlich besser. In Afrika verhalfen Preiserhöhungen zu höheren Ergebnissen. Deutlich weniger verdiente der Konzern hingegen in der Region Asien-Pazifik. Hier belastete das Indonesien-Geschäft das Ergebnis - wegen weniger Arbeitstagen und niedrigerer Preise. In Grossbritannien entwickelte sich das Geschäft wegen der Brexit-Sorgen schwächer.

Unter dem Strich blieb ein für die Aktionäre anrechenbarer Gewinn von 398 Millionen Euro. Das waren elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dazu trugen unter anderem gesunkene Finanzierungskosten bei.

Am Aktienmarkt wurden die Zahlen gemischt aufgenommen. Die Umsatzentwicklung habe sich beschleunigt, hob Bernstein-Analyst Phil Roseberg hervor, monierte wie sein Kollege Rajesh Patki von der US-Bank JPMorgan aber das operative Ergebnis vor Abschreibungen. Dieses war aufgrund negativer Währungseffekte zurückgegangen und traf laut Patki zwar die Markterwartung, verfehlte aber seine eigene Prognose. Damit die Unternehmensprognose im laufenden Jahr erreicht werden könne, müsse das operative Ergebnis nun noch deutlicher zulegen, erklärte sein Kollege Roseberg.

Für 2018 peilt HeidelbergCement unverändert einen moderaten Anstieg bei Umsatz und operativem Ergebnis (Ebitda) an. Damit gehen die Heidelberger von einem Anstieg um drei bis neun Prozent aus. Der Jahresüberschuss soll deutlich zulegen, das heisst um mindestens zehn Prozent. Dabei rechnet der Konkurrent von LafargeHolcim aus der Schweiz und Cemex aus Mexiko etwa Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte heraus.

Zuversichtlich zeigte sich Scheifele vor allem für das Geschäft in Nordamerika, Nordeuropa und Deutschland. Eine steigende Nachfrage nach Baustoffen erwarten die Heidelberger in Osteuropa - auch dank der Infrastrukturprogramme der EU. Aber auch in Frankreich, Spanien und Italien soll das Geschäft besser laufen. Schwieriger dürfte es laut Scheifele in der zweiten Jahreshälfte in Ägypten werden. Denn dann würden die Energiepreise aufgrund des Wegfalls von Subventionen deutlich steigen.

Bislang bereitete HeidelbergCement das Ägypten-Geschäft, das mit der Übernahme von Italcementi im Jahr 2016 zum Konzern gekommen war, wenig Freude. Im Zuge der geplanten Verkäufe will sich HeidelbergCement in dem afrikanischen Land von dem Geschäft mit Weisszement und Zementsäcken trennen. Und es könnte noch mehr werden. "Es stellt sich auch die Frage: Muss man in Ägypten sein?", sagte Scheifele. Bisher sei HeidelbergCement noch zu keinem Ergebnis gekommen./mne/stw/jha/

(AWP)