Bayer bei Monsanto-Kauf auf Kurs - Geschäft schwächelt

(Zusammenfassung; neu Telefonkonferenz, mehr Details und Hintergrund, Kurs) - Die Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ist aus Sicht von Bayer auf Kurs. Ein Abschluss der 66 Milliarden US-Dollar schweren Transaktion werde weiterhin bis Anfang 2018 angestrebt, sagte Bayer-Chef Werner Baumann am Donnerstag bei Vorlage des Quartalsberichts. Bayer arbeite beim grössten Zukauf der deutschen Firmengeschichte weiter eng mit den Behörden zusammen. Mit der angekündigten Veräusserung von Teilen seines Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäftes und dem Verkauf von Anteilen an dem Kunststoffhersteller Covestro hatte Bayer zuletzt wichtige Weichen gestellt. Doch im eigentlichen Geschäft zeigte Bayer im dritten Quartal Schwächen, konnte die Prognose für das Gesamtjahr aber bestätigen.
26.10.2017 12:06

Am Finanzmarkt war die Reaktion negativ. Die Aktien standen gegen Mittag mit einem Abschlag von 3,54 Prozent als Dax-Schlusslicht deutlich unter Druck. Die Commerzbank zeigte sich zwar von der operativen Gewinnentwicklung positiv überrascht, verwies aber auf das schwache Wachstum im Pharmageschäft. Bernstein-Experte Jeremy Redenius stufte das dritte Quartal in einer ersten Reaktion operativ als schwach ein. Das Pharma-Geschäft habe enttäuscht, ist er sich mit anderen Experten einig.

Mitte Oktober hatte Bayer den Verkauf eigener Geschäfte mit Saatgut und Unkrautvernichtungsmitteln an den deutschen Konkurrenten BASF für 5,9 Milliarden Euro angekündigt. "Wir gehen mit dieser Vereinbarung aktiv auf mögliche Bedenken der Behörden im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Monsanto ein", erklärte Baumann. "Es ist aber kein Versuch, Entscheidungen der Regulierungsbehörden vorwegzunehmen", ergänzte er. Bayer habe inzwischen ein Drittel der erforderlichen Freigaben erhalten.

Der umstrittene Mega-Deal würde Bayer mit einem Schlag zur weltweiten Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln machen. In zahlreichen Behörden läuft die Prüfung noch, darunter auch in Europa und den USA. Die Fusion der US-Chemieriesen zu DowDupont und die Übernahme von Syngenta aus der Schweiz durch Chemchina sind bereits durch. Die Branche befindet sich damit im Umbruch.

Eine rasche Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme ist laut Finanzchef Johannes Dietsch nicht in Sicht. Dazu sei eine hinreichende Sicherheit bei der behördlichen Prüfung erforderlich. In diesem Jahr werde keine Eigenkapitalmassnahme mehr erfolgen, erklärte er. Wie gross diese ausfallen wird, liess er weiter offen. Zwar gebe es etwa mit dem Covestro-Anteilsverkauf und den geplanten Verkäufen an BASF positive Faktoren, die mehr Geld in die Kasse spülten als erwartet. Doch gleichzeitig gebe es auch negative Faktoren wie etwa die Wechselkursentwicklung. Man müsse eine Balance finden.

Bei den Zielen für das laufende Jahr sieht sich der Konzern nach der Gewinnwarnung im Sommer auf Kurs. Der Umsatz dürfte ohne die ehemalige Kunststofftochter Covestro auf 35 bis 36 Milliarden Euro klettern, bekräftigte Konzernchef Baumann. Bayer hatte seinen direkten Anteil an Covestro zuletzt auf 24,6 Prozent gesenkt und die Kontrolle abgegeben. Der operative Gewinn dürfte leicht über dem Niveau des Vorjahres von 9,3 Milliarden Euro liegen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie dürfte aber im unteren einstelligen Prozentbereich sinken. Durch eine Pflichtwandelanleihe habe sich die Zahl der Aktien deutlich erhöht. Für diese Kennzahl hatte Bayer ohne Covestro zuvor keine Angaben gemacht.

Dank der Kontrollabgabe bei Covestro und der Neubilanzierung verzeichnete Bayer im dritten Quartal rein optisch einen kräftigen Gewinnsprung auf 3,88 Milliarden Euro, nach 1,2 Milliarden ein Jahr zuvor. Darin sei ein Ertrag von 2,8 Milliarden aus der Entkonsolidierung von Covestro enthalten. Die Verschuldung halbierte sich im Vergleich zum Vorquartal auch dank der Covestro-Aktienverkäufe auf 4,7 Milliarden Euro.

Das eigentliche Geschäft schwächelte aber. "Das Geschäft mit unseren rezeptfreien Gesundheitsprodukten entwickelte sich erwartungsgemäss schwach", sagte Baumann. Im zuletzt besonders schwachen Agrochemiegeschäft - das im Sommer die Gewinnwarnung ausgelöst hatte - setzte sich der Abschwung gebremst fort. Insbesondere in den USA habe Bayer hier noch eine Menge zu tun, erklärte Baumann. Dort wächst der Online-Handel rasant und verdrängt immer mehr Läden.

Insgesamt sank der Konzernumsatz im Jahresvergleich um 2,8 Prozent auf 8,03 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft - also ohne Wechselkursschwankungen und Zu- und Verkäufe - wäre der Umsatz allerdings um 1,2 Prozent gewachsen. Die Wechselkursentwicklung bremste damit im dritten Quartal deutlich. Beim operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie vor Sonderposten konnte Bayer hingegen zulegen. Dieser verbesserte sich um 4,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Analysten hatten insgesamt weniger Gewinn aber mehr Umsatz erwartet.

Ein Einbruch beim Blutgerinnungsmittel Kogenate bremste das Pharmageschäft. Auch der Schwung bei den neueren Mitteln liess etwas nach. Insgesamt zeigte sich Bayer für das Pharmageschäft etwas zurückhaltender. Der Umsatz dürfte im laufenden Jahr bei etwa 17 Milliarden Euro liegen und nicht mehr darüber. Das Ziel für die neueren Mittel blieb mit mehr als 6 Milliarden Euro aber unverändert. In den ersten neuen Monaten legte der Umsatz mit dem Blutverdünner Xarelto, dem Augenmittel Eylea, den Krebsmitteln Xofigo und Stivarga sowie dem Lungenhochdruckmittel Adempas um 15,5 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zu.

Der sonst zuverlässige Wachstumstreiber Pharma verzeichnete im dritten Quartal ebenso wie das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln und Tiergesundheit sowie mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln einen Umsatzrückgang. Das für die Gewinnwarnung im Sommer mitverantwortliche schwache Geschäft mit rezeptfreien Mitteln verzeichnete nun den stärksten Rückgang. Mit der Kontrollabgabe an Covestro ist bei Bayer zudem ein Wachstumstreiber entfallen./jha/nas/oca

(AWP)