Bayer bei Monsanto-Kauf auf Kurs - Gewinnsprung dank Covestro-Abgabe

(Ausführliche Fassung) - Die Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ist aus Sicht von Bayer auf Kurs. Ein Abschluss der 66 Milliarden US-Dollar schweren Transaktion werde weiterhin bis Anfang 2018 angestrebt, sagte Bayer-Chef Werner Baumann am Donnerstag bei Vorlage des Quartalsberichts. Bayer arbeite beim grössten Zukauf in der deutschen Firmengeschichte weiter eng mit den Behörden zusammen. Mit dem angekündigten Verkauf von Teilen des eigenen Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäftes und der Abgabe der Kontrolle an der ehemaligen Kunststoff-Tochter Covestro hatte Bayer zuletzt wichtige Weichen gestellt.
26.10.2017 09:22

Mitte Oktober hatte Bayer den Verkauf eigener Geschäfte mit Saatgut und Unkrautvernichtungsmitteln an den deutschen Konkurrenten BASF für 5,9 Milliarden Euro angekündigt. "Wir gehen mit dieser Vereinbarung aktiv auf mögliche Bedenken der Behörden im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Monsanto ein", erklärte Baumann. "Es ist aber kein Versuch, Entscheidungen der Regulierungsbehörden vorwegzunehmen", ergänzte er.

Der umstrittene Mega-Deal würde Bayer mit einem Schlag zur weltweiten Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln machen. In zahlreichen Behörden läuft die Prüfung noch, darunter auch in Europa und den USA. Die Fusion der US-Chemieriesen zu DowDupont und die Übernahme von Syngenta aus der Schweiz durch Chemchina sind bereits durch. Die Branche befindet sich damit in einem grossen Umbruch.

Vor der geplanten Rekordübernahme bestätigte Bayer die Prognose für das laufende Jahr. Der Umsatz dürfte ohne die ehemalige Kunststofftochter Covestro auf 35 bis 36 Milliarden Euro klettern, bekräftigte Baumann. Bayer hatte zuletzt seinen direkten Anteil an Covestro auf 24,6 Prozent weiter gesenkt und die Kontrolle abgegeben. Der operative Gewinn dürfte leicht über dem Niveau des Vorjahres von 9,3 Milliarden Euro liegen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie dürfte aber im unteren einstelligen Prozentbereich sinken. Die Zahl der Aktien habe sich durch eine Pflichtwandelanleihe deutlich erhöht, hiess es zur Begründung. Beim Gewinn je Aktie hatte Bayer ohne Covestro bisher keine Angaben gemacht.

Dank der Kontrollabgabe bei Covestro und der Neubilanzierung verzeichnete Bayer im dritten Quartal einen kräftigen Gewinnsprung auf 3,88 Milliarden Euro, nach 1,2 Milliarden ein Jahr zuvor. Darin sei ein Ertrag von 2,8 Milliarden aus der Entkonsolidierung von Covstro enthalten. Die Verschuldung halbierte sich im Vergleich zum Vorquartal auf 4,7 Milliarden Euro.

Das eigentliche Geschäft schwächelte aber. Insgesamt sank der Umsatz im dritten Quartal im Jahresvergleich um 2,8 Prozent auf 8,03 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft - also ohne Wechselkursschwankungen und Zu- und Verkäufe - wäre der Umsatz allerdings um 1,2 Prozent gewachsen.

Ein Einbruch beim Blutgerinnungsmittel Kogenate bremste das Pharmageschäft. Hier zeigte sich Bayer etwas zurückhaltender. Der Umsatz dürfte im laufenden Jahr nun bei etwa 17 Milliarden Euro liegen und nicht mehr darüber. Der sonst zuverlässige Wachstumstreiber verzeichnete ebenso wie das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln und Tiergesundheit sowie mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln einen Umsatzrückgang. Das für die Gewinnwarnung im Sommer mitverantwortliche schwache Geschäft mit rezeptfreien Mitteln verzeichnete nun den stärksten Rückgang. Mit der Kontrollabgabe an Covestro ist bei Bayer zudem ein Wachstumstreiber entfallen.

Beim operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie vor Sonderposten konnte Bayer hingegen zulegen. Dieser verbesserte sich um 4,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Die Kennzahlen lagen beim Gewinn über und beim Umsatz unter den Erwartungen der Analysten.

Am Finanzmarkt war die Reaktion negativ. Die Aktien standen mit einem Abschlag von 1,8 Prozent zum Handelsstart deutlich unter Druck. Die Commerzbank zeigte sich zwar von der operativen Gewinnentwicklung positiv überrascht, verwies aber auf das schwache Wachstum im Pharmageschäft. Bernstein-Experte Jeremy Redenius stufte das dritte Quartal in einer ersten Reaktion operativ als schwach ein. Das Pharma-Geschäft habe enttäuscht ist er sich mit anderen Experten einig./jha/nas/stk

(AWP)