Bayer-Chef Baumann will umstrittenes Monsanto-Geschäftsmodell fortführen

HAMBURG (awp international) - Bayer-Chef Werner Baumann will das Geschäftsmodell des umstrittenen US-Saatgutspezialisten Monsanto nach dessen Übernahme weitgehend fortführen, aber den Namen voraussichtlich aufgeben. "Sowohl die Belegschaft als auch das Management von Monsanto haben verstanden, für welche Werte der Name Bayer steht", sagte Baumann dem "Manager Magazin" (Freitag) laut Vorabbericht. Entscheidungen könne man aber erst nach dem Abschluss des Deals treffen.
15.12.2016 18:40

"Monsanto hat ein völlig neues Geschäftsmodell etabliert und marktfähig gemacht", sagte er dem Wirtschaftsmagazin. Im Prinzip arbeite der Konzern ähnlich wie die Software- oder die Musikindustrie - teuer entwickeltes Saatgut im Austausch gegen Lizenzgebühren. "Natürlich gab es Bauern, die gesagt haben, wir nutzen das Monsanto-Saatgut genauso, wie wir es schon immer gemacht haben", argumentierte er weiter: "Wenn man ein solches Verhalten als Unternehmen toleriert, entzieht man dem Geschäftsmodell die Basis. Monsanto hat nur seine Rechtsposition verteidigt."

Für den Fall, dass die Wettbewerbsbehörden den Zusammenschluss billigen, werde es allenfalls geringfügige Änderungen an dieser Praxis geben, führte er weiter aus. "Natürlich haben wir die geistigen Eigentumsrechte an unseren Innovationen im Blick. Bayer setzt diese aber nicht gegenüber Kleinbauern durch, die ausschliesslich für den Eigenbedarf und das Überleben ihrer Familie anbauen", sagte der Manager dem Blatt.

Den Genehmigungsverfahren der verschiedenen Kartellbehörden blickt Baumann optimistisch entgegen. Denn durch den Zusammenschluss werde der Wettbewerb innerhalb der Agrarchemieindustrie gestärkt: "Dow und Dupont werden nach ihrer Fusion ein ähnliches Profil aufweisen wie das kombinierte Agrargeschäft von Bayer und Monsanto. Wenn also bereits ein Konzern entsteht, der Pflanzenschutzmittel und Saatgut in einem integrierten Geschäftsmodell verbindet, dann spricht gerade aus Wettbewerbsgründen vieles dafür, auch einen zweiten, ähnlich aufgestellten Anbieter zuzulassen."

Erst am Dienstag hatten die Monsanto-Aktionäre den Weg für die Übernahme mit einem klaren Votum frei gemacht. Für den Abschluss des Mega-Deals fehlen aber noch Genehmigungen durch die Behörden rund um den Globus. Mit einem Abschluss der Transaktion wird weiter Ende 2017 gerechnet. Es wäre die grösste Übernahme eines deutschen Konzerns im Ausland. Mit dem Zukauf würde Bayer auf einen Schlag zur globalen Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln aufsteigen./jha/stw

(AWP)