Bayer erhöht Ertrags-Ziele für 2016 - Kein Wort zu Monsanto-Übernahme

(Ausführliche Fassung)
27.07.2016 10:06

LEVERKUSEN (awp international) - Bayer blickt mitten im Übernahme-Poker um den US-Saatgutspezialisten Monsanta dank florierender Pharmageschäfte mit Optimismus auf 2016. "Für das Gesamtjahr sind wir weiter zuversichtlich und heben den Konzernausblick an", sagte Konzernchef Werner Baumann am Mittwoch in Leverkusen laut Mitteilung. Er kann sich dabei auf etwas höhere Ziele für seine neueren Pharmaprodukte stützen, während sich die Perspektiven für rezeptfreie Pillen und Salben sowie Saatgut und Pflanzenschutzmittel leicht eingetrübt haben. Zur geplanten Rekordübernahme von Monsanto hielt sich Bayer komplett bedeckt.

Der Dax-Konzern selbst präsentiert sich in einer robusten Verfassung: Für den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonderposten peilt das Dax-Schwergewicht nun ein etwas kräftigeres Wachstum an. Die Steigerung dürfte 2016 im "oberen" einstelligen Prozentbereich liegen. Beim Ergebnis je Aktie peilt Bayer ein Plus in ähnlicher Höhe an. Bisher lag die Latte mit einer Steigerung im "mittleren" einstelligen Prozentbereich etwas niedriger.

Die Umsatzerwartung passte Bayer an die neuen Wechselkursannahmen an. Inklusive der im Oktober an die Börse gebrachten Kunststofftochter Covestro dürfte der Umsatz 2016 bei 46 bis 47 Milliarden Euro liegen. Bisher hatte Bayer mehr als 47 Milliarden Euro angepeilt. Das um Währungseinflüsse und Zu- und Verkäufe bereinigte Wachstum liege aber weiterhin im unteren einstelligen Prozentbereich, hiess es. Bayer wurde durch den Covestro-Börsengang zum reinen Anbieter für die Gesundheits- und Agrarwirtschaft. Derzeit hält Bayer noch rund 64 Prozent an Covestro.

Zuversichtlicher zeigte sich Bayer für das Pharmageschäft im laufenden Jahr: Der Umsatz mit neueren Pharmaprodukten wie etwa dem Blutverdünner Xarelto, dem Augenmittel Eylea, den Krebsmitteln Stivarga und Xofigo sowie dem Lungenhochdruckmittel Adempas dürfte nun in Richtung 5,5 Milliarden Euro steigen. Bisher hatte Bayer die Latte mit über 5 Milliarden Euro etwas niedriger gelegt. Dabei dürfte im Pharmageschäft insgesamt auch mehr Gewinn abfallen als bisher veranschlagt.

Im zweiten Quartal sorgten die neueren Pharmamittel bei Bayer bereits für reichlich Schwung: Der Umsatz mit diesen Medikamenten kletterte um mehr als ein Viertel auf 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt ging der Umsatz im Gesamtkonzern wegen negativer Wechselkurseffekte und niedrigerer Preise aber um 1,4 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro zurück. Bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie um Wechselkursschwankungen wäre der Umsatz um 2,3 Prozent gestiegen.

Kräftige Zuwächse verzeichnete Bayer bei den Gewinnkennzahlen. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonderposten legte das Ergebnis um 5,7 Prozent auf 3,05 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,38 Milliarden Euro - 18,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Analysten hatten zwar etwas mehr beim Umsatz, aber weniger Gewinn erwartet. Bayer-Aktien waren im frühen Handel gefragt. Der Aktienkurs legte um 1 Prozent zu. Ein Händler lobte die starke Profitabilität, während die Umsatzentwicklung etwas schwächele. Berenberg-Analyst Alistair Campbell sprach von gemischten Ergebnissen.

Etwas pessimistischer zeigte sich Bayer im laufenden Jahr für sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und die Agrarchemie. Beim Geschäft rund um rezeptfreie Medikamenten profitierte Bayer im zweiten Quartal von starken Marken, während die Schwellenländer bremsten. In Nordamerika sank der Umsatz im Vergleich zur sehr guten Vorjahresperiode besonders stark. Im Agrarchemiegeschäft blieb das Umfeld angesichts der Wirtschaftskrise in Brasilien und des Preisdrucks wichtiger Agrargüter schwierig. Bayer senkte die Prognosen für das Geschäft. Die Umsätze dürften bereinigt nicht mehr leicht steigen, sondern stagnieren und der operative Gewinn leicht sinken, statt leicht steigen.

Damit deckt sich die Lage in der Agrarchemie bei Bayer mit der Entwicklung bei Wettbewerbern. Die Branche steckt mitten im Umbruch. So will Bayer etwa den US-Konkurrenten Monsanto übernehmen. Im Quartalsbericht wurde die Offerte in Höhe von zuletzt rund 64 Milliarden US-Dollar allerdings mit keinem Wort erwähnt. Auch in der Pressemitteilung äusserte sich Baumann nicht dazu. Er hat das Amt erst seit knapp drei Monaten inne. Mit der Rekordofferte sorgte er für zahlreiche Schlagzeilen. Der US-Konzern hatte auch die zuletzt leicht erhöhte Bayer-Offerte als zu niedrig zurückgewiesen. Die Konzerne zeigten sich aber gesprächsbereit. Bayer verwies dabei auf eine "angemessene Vertraulichkeitsvereinbarung". Knackpunkt bleibt der Blick in die Bücher./jha/stk /fbr

(AWP)