Bayer senkt vor Monsanto-Kauf Prognose - Agrochemie schwächelt

(Neu: Aktienkurs, Analysten, mehr Details und Hintergrund) - Bayer hat vor der geplanten Rekordübernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto die Prognosen für 2017 gesenkt. Gründe sind ein schwaches Agrochemiegeschäft in Brasilien und ein schwächelndes Geschäft mit rezeptfreien Mitteln in den USA. Dank starker Geschäfte der Kunststofftochter Covestro legte der Umsatz im zweiten Quartal zwar leicht um drei Prozent auf 12,19 Milliarden Euro zu, wie der Dax -Konzern am Donnerstag mitteilte. Die vollen Lager in Brasilien nach der Erntesaison bremsten jedoch beim Gewinn. Unter dem Strich blieben 1,2 Milliarden Euro hängen - 11,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Ende Juni hatte Bayer die Prognosesenkung bereits angekündigt.
27.07.2017 11:12

"Bei CropScience mussten wir im Zusammenhang mit hohen Warenbeständen in Brasilien, dem zweitgrössten Agrarmarkt der Welt, deutliche Umsatz- und Ergebniseinbussen hinnehmen", sagte Bayer-Chef Werner Baumann. Rund lief hingegen das Pharmageschäft dank neuerer Mittel und das verhältnismässig kleine Geschäft mit Tierarzneien. Insgesamt trat der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonderposten von April bis Juni mit 3,056 Milliarden Euro auf der Stelle.

AKTIE UNTER DRUCK

Am Finanzmarkt kam das nicht gut an: Die Bayer-Aktie war mit Abschlägen von fast 2,5 Prozent am Vormittag eine der schwächsten Dax-Werte. Analysten zeigten sich hingegen deutlich weniger verschreckt. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) sei etwas besser als von ihm und vom Markt erwartet ausgefallen, erklärte etwa Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff. Der neue Ausblick habe seine Schätzung genau getroffen. Auch DZ-Bank-Experte Peter Spengler sieht keine gravierenden Abweichungen nach den gekappten Erwartungen.

Bei den noch im April erhöhten Prognosen für das laufende Jahr musste Baumann nun deutliche Abstriche machen. So dürfte der Umsatz inklusive der 2015 an die Börse gebrachten Kunststofftochter Covestro nur noch auf mehr als 49 Milliarden Euro klettern. Das entspreche einem um Währungseinflüsse und Zu- und Verkäufe bereinigten Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Zuvor hatte Baumann eine Steigerung im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich auf etwa 51 Milliarden Euro angepeilt.

NEUERE MEDIKAMENTE SORGEN WEITER FÜR SCHWUNG

Der operative Gewinn (Ebitda vor Sonderposten) dürfte nun nur noch im oberen einstelligen Prozentbereich zulegen. Nach der jüngsten Erhöhung hatte Baumann eine Steigerung im unteren Zehner-Prozentbereich angepeilt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie dürfte sich nun im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich erhöhen. Zuletzt wurde ein Wachstum im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich erwartet. Im Geschäft mit rezeptfreien Mitteln erwartet Bayer nun ein schwaches zweites Halbjahr. Baumann kappte die Prognose für dieses Geschäft im laufenden Jahr. Auch die Erwartungen für das Agrochemiegeschäft wurden zusammengestrichen.

Rund läuft es unterdessen weiter im Pharmageschäft. "Bei Pharmaceuticals profitierten wir erneut von der starken Entwicklung unserer Hauptwachstumsprodukte", sagte Baumann. Hier sei die Entwicklung sehr erfreulich. Der Blutverdünner Xarelto, das Augenmittel Eylea, die Krebsmittel Xofigo und Stivarga sowie das Lungenhochdruckmittel Adempas sorgten für einen Schub. Ihr Umsatz kletterte auf 1,555 (Vorjahr: 1,332) Milliarden Euro. Für 2017 peilt Bayer für diese Mittel weiterhin mehr als 6 Milliarden Euro Umsatz an.

MONSANTO-ÜBERNAHME AUF KURS

Die Verschuldung des Gesamtkonzerns will Baumann nun bis Ende 2017 ohne Sondermassnahmen auf etwa 7 Milliarden Euro drücken. Bisher waren etwa 8 Milliarden Euro angepeilt worden. Bayer hatte seinen Anteil an Covestro zuletzt durch Aktienverkäufe deutlich auf 41 Prozent reduziert. Mittelfristig will Bayer ganz aussteigen.

Bei der Rekordübernahme von Monsanto sieht sich Baumann trotz des Dämpfers in Brasilien weiterhin auf Kurs. "Wir machen Fortschritte in der Diskussion mit den Regulierungsbehörden und liegen im Zeitplan", betonte er. Bayer hatte Ende Juni bei der EU-Wettbewerbsbehörde einen Zulassungsantrag gestellt und damit einen weiteren wichtigen Schritt bei der Transaktion erreicht.

VIEL BEWEGUNG IN DER BRANCHE

Die 66 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme würde Bayer mit einem Schlag zur Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln machen. Es ist der grösste Zukauf eines Konzerns aus Deutschland. Die Behörden rund um den Globus müssen aber noch zustimmen. Bis Ende 2017 soll der Deal abgeschlossen sein.

In der Chemiebranche ist momentan viel in Bewegung. Die US-Chemiekonzerne Dow Chemical und Dupont stehen vor dem Zusammenschluss. Im August soll die 2015 angekündigte Mega-Fusion abgeschlossen werden. Mit DowDupont entsteht der weltgrösste Chemiekonzern noch vor dem alten Spitzenreiter BASF. Der chinesische Staatskonzern ChemChina hat den Agrarchemiekonzern Syngenta aus der Schweiz bereits geschluckt./jha/nas/fbr

(AWP)