Bayer verteidigt Rekordübernahme von Monsanto - 'Erheblicher Wert'

(Ausführliche Fassung) - Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer hat die Rekordübernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto vor seinen Aktionären verteidigt. "Durch die vereinbarte Übernahme von Monsanto wollen wir Bayer weiter stärken", sagte Konzernchef Werner Baumann am Freitag in Bonn auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns. "Und wir wollen damit langfristig erheblichen zusätzlichen Wert schaffen." Und zwar durch mehr Innovation, stärkeres Wachstum und grössere Effizienz. Es sei "der richtige Schritt zur rechten Zeit", und er sei gut für alle: Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter sowie für die Gesellschaft insgesamt.
28.04.2017 10:35

Kritiker aus dem Lager der Grossaktionäre bemängelten bereits im Vorfeld nicht nur das enorme Volumen der Übernahme mit 66 Milliarden US-Dollar, sondern auch die damit verbundenen Risiken für Bayer etwa durch die hohe Verschuldung, die breitere Aufstellung und mögliche Reputationsschäden. Auch bei Umweltschützern, Nicht-Regierungsorganisationen, kirchlichen Gruppen und Parteien stösst der Mega-Deal auf Kritik. Durch den Zusammenschluss befürchten sie unter anderem eine Zunahme von Abhängigkeiten der Landwirte von den Grosskonzernen, höhere Preise und eine Verringerung der Artenvielfalt. Vor den Toren der Hauptversammlung demonstrierten rund 200 Kritiker.

"Natürlich bedeutet das Image von Monsanto eine grosse Herausforderung für uns", sagte Baumann vor den Aktionären. Bayer werde den Dialog mit der Öffentlichkeit in Zukunft weiter verstärken. Das gelte auch für kritische Interessengruppen, erklärte er. Sowohl bei der Finanzierung, bei der etwa noch eine Kapitalerhöhung aussteht, als auch bei der Genehmigung durch die Behörden komme Bayer unterdessen gut voran.

Nachdem die Wettbewerbshüter erst vor wenigen Wochen die Übernahme des schweizerischen Agrochemiekonzerns Syngenta durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina und die Fusion der US-Chemieriesen Dow Chemical und Dupont unter Auflagen genehmigt hatten, hofft auch Bayer auf grünes Licht.

Insgesamt seien Anträge inzwischen bei fast allen von rund 30 Behörden eingereicht, sagte Baumann. In der EU soll dieser Schritt im zweiten Quartal erfolgen. Es gebe insgesamt nur wenige Überlappungen. Mit einem Abschluss der Transaktion sei weiterhin Ende 2017 zu rechnen.

Die Übernahme würde das Dax-Schwergewicht mit einem Schlag zur weltweiten Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln machen. Es ist zudem der grösste Zukauf eines Konzerns aus Deutschland im Ausland.

Am Vortag hatte der seit knapp einem Jahr amtierende Chef des Leverkusener Konzerns bereits eine starke Quartalsbilanz präsentiert und dank florierender Geschäfte der Kunststofftochter Covestro und robuster Pharmageschäfte die Prognosen für das laufende Jahr erhöht./jha/nas/stb

(AWP)