Bei Banken bleibt Stellenabbau Dauerthema - Im Inland im H1 knapp 1'000 weniger

Die Schweizer Banken haben im Inland in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 971 Stellen abgebaut. Im Ausland schufen sie gleichzeitig 283 Stellen, wie aus einer Umfrage der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) hervorgeht.
31.08.2017 10:10

Der Abbau von Arbeitsplätzen hierzulande bleibe ein Dauerthema, schreibt die SBVg in ihrem am Donnerstag publizierten Bankenbarometer. Bereits im letzten Jahr ging der Personalbestand (in Vollzeitäquivalenten) im Inland um 1'660 auf 101'382 Stellen zurück. Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der Bankinstitute um 5 auf 261.

Überdurchschnittlich fiel letztes Jahr der Abbau bei Banken aus, die stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind. So reduzierten die Grossbanken den Personalbestand um 3,6%. Bei den Auslandbanken und den Privatbanken resultierte ein Minus von je 4,2%.

Die Kantonalbanken wiederum senkten die Zahl ihrer Mitarbeiter um 0,4%. Regionalbanken und Sparkassen, Raiffeisenbanken sowie die Börsenbanken haben im Jahr 2016 insgesamt 483 zusätzliche Stellen geschaffen.

LICHTBLICKE DANK HANDELSGESCHÄFT

Der Geschäftserfolg der Banken war letztes Jahr mit einem Rückgang von 3,2% auf 62,5 Mrd CHF enttäuschend. Zurückgegangen waren die Erfolge aus dem Zinsgeschäft, dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie aus dem Handelsgeschäft.

Im Handelsgeschäft hat der Wind die letzten sechs Monate gedreht. Laut SBVg erhöhte sich der Handelsumsatz um 5,3% gegenüber der Vorjahresperiode.

Zudem sei die Zahl der Börsengänge gegenüber dem Vorjahr um 70% gestiegen. Es handle sich um das stärkste Börsensemester seit 2007. "Dies deutet darauf hin, dass die Banken den Erfolg aus dem Handelsgeschäft im laufenden Jahr gegenüber dem Jahr 2016 erheblich steigern dürften", so die Bankiervereinigung.

Positive Signale auch bei der Vermögensverwaltung: Von Ende 2016 bis per Ende Mai 2017 erhöhte sich das Volumen der verwalteten Vermögen um 4,2% auf 6'871 Mrd CHF. Im ganzen Jahr 2016 betrug der Anstieg nur 1,3%.

Die Bankiervereinigung betonte, obwohl der Anteil des ausländischen Kundenvermögens von 49,3% auf 48,2% zurückging, bleibe die Schweiz weiterhin Weltmarktführerin im grenzüberschreitenden Private Banking. Rund ein Viertel des weltweit grenzüberschreitend verwalteten Vermögens liege in der Schweiz.

SCHWEIZ WIRD ÜBERHOLT VON ASIATEN

Die Schweiz stehe allerdings in einem intensiven Wettbewerb mit Finanzzentren auf der gesamten Welt. Unter anderem die asiatischen Finanzzentren Hongkong und Singapur wiesen ein stärkeres Wachstum als die Schweiz auf und würden mittelfristig einen zunehmend grösseren Anteil an Vermögen verwalten.

Wolle sich die Schweiz behaupten, sollte das Schweizer Private Banking Innovationen, wie beispielsweise im Bereich des digitalen Bankings, weiter fördern, so die SBVg.

Zu erwähnen ist, dass die Banken für das durchzogene letzte Jahr immerhin mehr Steuern zahlten. Obwohl der summierte Jahresgewinn der Banken um 39,8% auf 11,8 Mrd CHF schrumpfte, erhöhten sich die Ertrags- und Gewinnsteuern gegenüber 2015 um 3,2% auf 2,3 Mrd CHF.

BRANCHENFREMDE IM HYPOTHEKENMARKT

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte vor über zwei Jahren Negativzinsen eingeführt. Ende 2016 unterlagen in der Schweiz Bankguthaben im Umfang von 234 Mrd CHF dem Negativzins. Branchenweit hat sich der Negativzins auch im Jahr 2016 dämpfend auf die Zinsmarge ausgewirkt.

Die durch das Zinsumfeld hohe Kreditnachfrage erlaubte es den Banken, den Margendruck mit einer Ausweitung des Kreditvolumens zu kompensieren, wie die SBVg schreibt.

Auch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres legten die Hypothekarkredite weiter zu. Sie erhöhten sich um 1,2% auf 959,6 Mrd CHF. Trotz der moderat positiven Entwicklung der Wirtschaft dürfte die Phase der tiefen Zinsen gemäss der Bankiervereinigung vorerst weiter andauern.

Zusätzlich setze sich der Trend fort, dass sich branchenfremde Akteure wie beispielsweise Versicherungen und Pensionskassen im Kreditmarkt positionierten und Kredite zu kompetitiven Zinsen anböten. Aufgrund der günstigen Konditionen für Schuldner erwartet die SBVg dieses Jahr keine Trendumkehr bei der Kreditvergabe.

(AWP)