Bei Merck geht's jetzt ans 'Früchte ernten' - Positives Signal aus USA

(Ausführliche Fassung) - Der Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck hat Investoren angesichts erwarteter Umsatz- und Ergebnissteigerungen auf eine nachhaltige Wachstumsgeschichte eingestellt. Nach Jahren der Investitionen "markiert das Jahr 2019 nun den wichtigsten Wendepunkt dieser Reise", sagte Konzernchef Stefan Oschmann am Mittwoch auf dem Kapitalmarkttag in Darmstadt. Nun gehe es in Richtung Wachstum und Expansion - im Pharmageschäft sei man etwa bereits dabei, "die Früchte zu ernten".
11.09.2019 13:39

Die Sparte hatte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres dank mehrerer Meilensteinzahlungen bei den Umsätzen deutlich zugelegt. Eine bessere Kostenkontrolle, etwa in der Forschung und im Marketing sowie die neuen Hoffnungsträger-Medikamente Mavenclad (zur Behandlung von Multipler Sklerose) und Bavencio (zur Behandlung von Nierenkrebs) sollen die Erlöse künftig weiter ankurbeln.

Mit einem erwarteten Umsatz im mittleren dreistelligen Millionenbereich soll der mit Abstand grösste Schub dabei von Mavenclad kommen. Das MS-Mittel ist derzeit in 69 Ländern zugelassen und hatte Merck im ersten Halbjahr 105 Millionen Euro an Erlösen eingebracht. Bei Bavencio rechnet sich das Management einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aus. Hier kamen im ersten Halbjahr b45 Millionen Euro zusammen.

Das ehrgeizige Ziel, mit neuen Medikamenten bis 2022 jährlich zwei Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen zu spülen, wiederholte das Unternehmen. Bislang seien davon 15 Prozent erreicht. Bei den bestehenden Medikamenten wie etwa dem Diabetes-Mittel Glucophage setzt Merck darüber hinaus auch auf weitere Expansion in andere Länder. So sollen die Umsätze hier "mindestens stabil" gehalten werden.

Mit Blick auf das seit einiger Zeit schon überdurchschnittlich wachsende Laborgeschäft geriet Oschmann fast schon ins Schwärmen: Das weiterhin angepeilte jährliche Plus zwischen 5 und 8 Prozent fühle sich "beeindruckend an", sagte er. Die Frage, wie lange das noch so weitergehe, beantwortete er folgendermassen: "Das Wachstum ist da, um zu bleiben." Der Markt sei hier von verschiedenen nachhaltigen Trends getrieben. Vor allem mit Blick auf die operative Marge (Ebitda) habe Merck die zwei grössten Konkurrenten in den vergangenen Jahren ausgestochen, fügte Finanzchef Marcus Kuhnert hinzu. Selbstverständlich brauche es hier aber auch weitere Investitionen in das Geschäft.

Selbst im zuletzt schwierigen Geschäft mit den Spezialmaterialien erwartet der Konzern nun eine baldige Rückkehr zum Wachstum. Ab 2020 soll die Sparte demnach ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum aus eigener Kraft zwischen 2 und 3 Prozent schaffen. Die bereinigte operative Marge soll dabei dauerhaft rund 30 Prozent betragen.

Merck hat in dem Bereich seit einiger Zeit mit der wachsenden Konkurrenz aus Asien und einer allgemeinen Marktschwäche zu kämpfen. Probleme bereitet vor allem das Geschäft mit den Flüssigkristallen, das laut Kuhnert aller Voraussicht nach auch im zweiten Halbjahr noch "holprig" verlaufen dürfte.

Die Darmstädter wollen in diesem Bereich durch eine verstärkte Ausrichtung auf die OLED-Technologie sowie auf die Halbleiter- und Elektronikindustrie die Kurve kriegen - hier verspricht sich der Konzern unter anderem wegen der weltweit steigenden Datennutzung bessere Geschäfte. Dazu verleibt sich der Konzern den US-Halbleiterzulieferer Versum sowie den kalifornischen Materialspezialisten Intermolecular ein. Die Übernahmen sollen bis Jahresende abgeschlossen werden. Die Integrationsplanungen seien bereits weit fortgeschritten. Angesichts der teuren Zukäufe sollen die Schulden rasch sinken. "Kostenbewusstsein" im Unternehmen habe Priorität, hiess es. So hatte der Konzern zuletzt etwa Stellen bei zentralen Funktionen ins Ausland verlagert. An den Gesamtjahreszielen hält das Management nach wie vor fest.

An der Börse bewegte sich die Aktie gegen Mittag mit einem Anstieg von von gut einem Prozent auf 95,04 Euro in einem insgesamt festen Markt im Dax-Mittelfeld. Seit Jahresbeginn hat das Papier um knapp sechs Prozent zugelegt - auch das war in etwa Mittelmass im deutschen Leitindex. Auf Jahressicht kam mit rund sieben Prozent nur geringfügig mehr heraus. Im europäischen Branchenvergleich liegt das Unternehmen damit eher auf den hinteren Rängen. Von ihrem bisherigen Höchststand im Mai 2017 bei über 115 Euro ist das Papier noch recht weit entfernt.

Parallel zum Kapitalmarkttag hatte Merck am Morgen auch noch Positives aus den USA zu berichten: Dort habe die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA für den Wirkstoff Tepotinib den sogenannten "Breakthrough Therapy"-Status erteilt. Das Mittel soll für die Behandlung von Lungenkrebs-Patienten zum Einsatz kommen. Die FDA vergibt den Status des Therapiedurchbruchs nur, wenn erste klinische Studien darauf hinweisen, dass ein Wirkstoff signifikant besser gegenüber derzeit verfügbaren Therapien für schwerwiegende oder lebensbedrohliche Erkrankungen wirken könnte./kro/jsl/jha/

(AWP)

 

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