BEKB mit leicht tieferem Gewinn im Jahr 2016 - Zinsdruck hält an

(Mit weiteren Angaben ergänzt) - Die Berner Kantonalbank (BEKB) hat im Geschäftsjahr 2016 mit Blick auf die anhaltend tiefen Marktzinsen einen gegenüber dem Vorjahr leicht tieferen Gewinn erzielt. Die Aktionäre dürfen sich dennoch auf eine höhere Ausschüttung freuen.
26.01.2017 08:57

Der Jahresgewinn sank um 1,4% auf 129 Mio CHF, wie die Kantonalbank am Donnerstag mitteilte. Sie hatte bereits im Sommer mit einem leicht tieferen Resultat gerechnet.

"Die Berner Kantonalbank hat in einem erneut schwierigen Marktumfeld ein solides Ergebnis erzielt", erklärte BEKB-CEO Hanspeter Rüfenacht im Gespräch mit AWP. Das Geschäft leide nach wie vor unter den anhaltend tiefen Zinsen und die Zinsmarge bleibe unter Druck. Gleichzeitig sei es gelungen, das Geschäftsvolumen weiter auszudehnen.

Die Kundenausleihungen nahmen um 721 Mio CHF oder 3,5% auf 21,4 Mrd zu. Dabei erhöhte sich das Hypothekarvolumen um 2,6% auf 19,9 Mrd. Die betreuten Kundenvermögen stiegen dank der erfolgreichen Lancierung von BEKB-Fonds für Privatkunden um 1,0 Mrd auf 21,0 Mrd CHF. Der Fondsbestand betrug 6,0 Mrd (VJ 5,5 Mrd) wovon 2,2 Mrd (1,2 Mrd) den BEKB-Fonds zuzuschreiben sind. Die Vermögensverwaltungsmandate nahmen um 0,3 Mrd von 4,5 Mrd zu.

ZINSGESCHÄFT UNTER DRUCK

Im wichtigsten Ertragspfeiler, dem Zinsengeschäft, resultierte ein um 0,9% tieferer Netto-Erfolg von 291,4 Mio CHF. Dies sei primär darauf zurückzuführen, dass auslaufende Festzinshypotheken zu deutlich tieferen Zinssätzen verlängert worden seien. "Dabei war zuletzt ein Trend hin zu längerfristig laufenden Hypotheken deutlich spürbar", so Rüfenacht. Einer guten Nachfrage erfreuten sich Laufzeiten von 8 bis 10 Jahre.

Gleichzeitig steht auch der Ertrag aus den Finanzanlagen unter Druck. Um die Folgen steigender Zinsen zu dämpfen, setzt auch die BEKB auf Absicherungen. Die Kosten dafür belasteten das Zinsergebnis mit 73,0 Mio CHF nach 74,8 Mio im Vorjahr. Hier müsse die Bank aufgrund der Negativzinsen verglichen mit einem Nullzins-Szenario Zusatzkosten von bis zu 30 Mio stemmen, betonte Rüfenacht.

GUTE NACHFRAGE NACH BEKB-FONDS

Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft stieg der Erfolg um 1,4% auf 100 Mio CHF. Ein wesentlicher Grund dafür sei die hohe Nachfrage nach den neuen BEKB-Fonds. Bereits seien Zeichnungen in Höhe von 950 Mio CHF erfolgt, hiess es. Im neuen Jahr bietet die Bank neu auch 3a-Vorsorgefonds an.

Im Handelsgeschäft lag der Erfolg bei 19,3 Mio (VJ 21,3 Mio) und der übrige ordentliche Erfolg fiel wegen tieferer Beteiligungserträge auf 21,3 Mio (28,3 Mio) zurück. Insgesamt erwirtschaftete die BEKB einen Geschäftsertrag von 432 Mio, der mit 2,3% unter Vorjahr liegt.

Der Geschäftsaufwand ging um 2,1% auf 248 Mio CHF zurück. Die Abnahme war auf einen niedrigeren Personalaufwand zurückzuführen - die Bank reduzierte den Personalbestand um 82 auf 1'009 Vollzeitstellen. Im laufenden Jahr dürften laut Rüfenacht weitere 20 bis 30 Stellen wegfallen. Er hält dabei fest, dass der Stellenabbau ohne Entlassungen realisiert werden konnte und im vergangenen Jahr auch 59 neue Mitarbeitende rekrutiert worden seien.

Der Geschäftserfolg lag mit 146,0 Mio CHF deutlich über den 61,3 Mio aus dem Vorjahr. Da gilt es allerdings zu bedenken, dass das Vorjahresergebnis massgeblich durch eine Zuweisung in die Pensionskasse belastet war. Diese Zuweisung wurde mit der Auflösung von Reserven für allgemeine Bankrisiken aufgefangen und hatte damit den Jahresgewinn nicht tangiert.

MEHR DIVIDENDE - MIT CASH-FLOW-ZIEL AUF KURS

Den Aktionären wird an der kommenden Generalversammlung eine weitere Erhöhung der Dividende um 20 Rappen auf 6,20 CHF je Aktie vorgeschlagen. Im aktuellen Marktumfeld sei die Ausschüttungspolitik der BEKB aber nach wie vor von Vorsicht geprägt, meinte Rüfenacht. Die mögliche Höhe der Ausschüttungsquote sei "bei weitem" noch nicht ausgereizt.

Im Ausblick sieht sich die Bank mit dem langfristigen Ziel, in der Zeitspanne von 2013 bis 2022 einen Free Cash Flow von 900 Mio bis 1,1 Mrd CHF zu erwirtschaften, auf Kurs. Im Berichtsjahr habe der Free Cash Flow 94,2 Mio betragen und der seit 2013 geschaffene Mehrwert belaufe sich auf 451 Mio.

"Die Negativzinsphase wird noch weiter anhalten und wir hoffen, dass sie sich nicht noch verschärft", so Rüfenacht. Dennoch sei die Einführung von Negativzinsen für einen Grossteil der Privatkunden nicht geplant. Auch im laufenden Jahr lege die BEKB den Fokus weiterhin auf ein konsequentes Kostenmanagement.

mk/ra

(AWP)