Bell verdiente 2016 mehr - Fokus für 2017 auf Integration der Zukäufe

(Ausführliche Fassung) - Bell hat im Geschäftsjahr 2016 zwar etwas mehr verdient, lag mit den Zahlen aber unter den Schätzungen von Analysten. Der mehrheitlich von der Coop-Genossenschaft kontrollierte Fleischverarbeiter will im laufenden Jahr in erster Linie die Akquisitionen aus dem vergangenen Jahr verdauen.
23.02.2017 09:56

Der Betriebsgewinn stieg im Berichtsjahr auf Stufe EBITDA um 18% auf 278,0 Mio CHF und auf Stufe EBIT um 16% auf 142,1 Mio CHF. Bereinigt um Einmaleffekte beträgt der EBIT knapp 154 Mio CHF. Unter dem Strich resultierte ein um 6% höherer Jahresgewinn von 100,6 Mio CHF, wobei die Reingewinnmarge um 40 Basispunkte auf 3,0% schmolz. Den Aktionären soll eine unveränderte Dividende von 7,00 CHF zukommen.

Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Bell den Konsensus auf allen Stufen relativ klar verfehlt, auch punkto Ausschüttung.

GEFLÜGEL WICHTIGSTE PRODUKTE-GRUPPE

Der Umsatz 2016 war bereits im Februar bekannt gegeben worden. Gemäss den definitiven Zahlen lag er mit 3,39 Mrd CHF um 20,3% über Vorjahr, das Absatzvolumen stieg um gut die Hälfte auf 414'260 Tonnen. Hauptgründe dafür sind laut Mitteilung vom Donnerstag vor allem die Integration der Akquisitionen sowie die ganzjährige Konsolidierung von Hilcona.

Geflügel bildete 2016 mit einem Absatzvolumen von 127'986 Tonnen erstmals die wichtigste Produktegruppe vor dem leicht rückläufigen Bereich Charcuterie mit 123'086 Tonnen. Convenience-Produkte trugen 100'254 Tonnen und Frischfleisch 54'888 Tonnen zum Absatz bei. Relativ klein, dafür mit 7% wachsend, war der Bereich Seafood mit 7'254 Tonnen. In Franken gemessen, war Frischfleisch der wichtigste Umsatztreiber vor Convenience.

ROHMATERIAL-TEUERUNG

Bell Schweiz habe trotz schwierigen Rahmenbedingungen ein "solides Ergebnis" erzielt, heisst es. Die Rohstoffteuerung und die stärkere Wettbewerbsintensität hätten den Druck auf die Margen erhöht. Dieser sei mit starken Verkaufsförderungsmassnahmen und weiteren Effizienzsteigerungen aber grösstenteils wettgemacht worden.

Auch bei Bell Deutschland sei das gesamte Geschäftsjahr mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen konfrontiert gewesen, heisst es weiter. So habe der hohe Wettbewerbsdruck etwa zu einer höheren Volatilität bei den Listungen geführt und die Vorjahreswerte hätten nicht erreicht werden können. Zudem hätten die stark angestiegenen Rohmaterialpreise für Schweinefleisch den Druck auf die Margen verstärkt.

Bell International wuchs derweil vor allem durch die Integration des akquirierten Geflügelspezialisten Hubers stark. Das Geflügelgeschäft sowie die Aktivitäten in Polen und Ungarn hätten sich positiv entwickelt. In Frankreich und Tschechien hätten dagegen die massiv erhöhten Rohstoffpreise die operativ erzielten Fortschritte teilweise wieder zunichte gemacht, heisst es.

Der Beitrag der Hilcona-Gruppe am Gesamtergebnis der Gruppe stieg im Berichtsjahr durch die ganzjährige Vollkonsolidierung (Vorjahr 8 Monate), das organische Wachstum sowie die Akquisitionen deutlich an. Bei Hilcona hätten Effizienzsteigerungsmassnahmen und Innovationen das Ergebnis zusätzlich verbessert, heisst es.

GOODWILL-POSITIONEN ERHÖHT

Aufgrund der Akquisitionen im letzten Jahr bestanden per Ende 2016 Goodwill-Positionen im Umfang von 143,7 Mio CHF. Sie würden über eine Gesamtlaufzeit zwischen 8 und 15 Jahren linear abgeschrieben, so Bell. Man habe bei den Goodwill-Positionen keine Anzeichen für eine Wertbeeinträchtigung festgestellt, einzig in Deutschland seien 2,8 Mio CHF abgeschrieben worden, heisst es im Geschäftsbericht.

Derweil seien bestehende Anlagen optimiert worden. Am Standort Zell etwa haben die Basler rund 40 Mio CHF in die Erweiterung und Modernisierung des Geflügelbetriebes investiert. Die neue Infrastruktur sei im Sommer 2016 "reibungslos" in Betrieb genommen worden, heisst es dazu.

Im Ausblick bleibt Bell vorsichtig. Die Unternehmensspitze geht auch dieses Jahr von "anspruchsvollen Marktbedingungen" aus und rechnet mit "tendenziell volatilen Rohstoffpreisen" und "einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs". Im Fokus stünden dabei die reibungslose Integration der akquirierten Unternehmen, die Umsetzung des Investitionsprogramms in der Schweiz sowie weitere operative Fortschritte in allen Geschäftsbereichen, heisst es.

Wenig Anklang finden Gewinnausweis und Dividendenvorschlag auch an der Börse. Bell verlieren am Donnerstag Vormittag in einem knapp gehaltenen Gesamtmarkt 8,8%. Es sei Zeit für Gewinnmitnahmen, kommentiert die ZKB.

pr/uh

(AWP)