Bezahl-App Twint verzögert sich erneut: Start nun im Juni geplant

Die mit viel Brimborium angekündigte Schweizer Handybezahl-App Twint verzögert sich weiter. Neuer Starttermin in den Läden sei Juni, sagte Twint-Verwaltungsratspräsident Jürg Weber am Donnerstag vor den Medien in Zürich.
09.03.2017 15:44

Zuletzt hatten die Verantwortlichen einen Start im April angepeilt. Ursprünglich hätte die Handy-App bereits im Januar starten sollen.

Das Projekt habe sich als sehr komplex erwiesen, sagte Weber, der auch Chef der Zahlungsverkehrssparte der Finanzinfrastrukturbetreiberin SIX ist. Man müsse die IT-Systeme von sieben Banken zusammenführen und auf einen bestimmten Stichtag live schalten. Einzelne Banken hätten das nicht so schnell geschafft wie erhofft.

Nun solle Mitte Mai das System parat sein, sagte Weber am Rande der Bilanzmedienkonferenz der SIX im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Im Juni sollen dann die ersten 10'000 Bezahlterminals in den Läden aufgeschaltet werden. Bis Ende Jahr sollen die Kunden mit dem Handy an 70'000 Terminals mit der Twint-App bezahlen können.

APPLE BLOCKIERT NFC

Der Nachteil von Twint ist, dass Apple der Konkurrenz auf dem iPhone den Zugang über den Kurzfunktechnologie NFC blockiert, die die schnellste und einfachste Technologie zum kontaktlosen Bezahlen ist. Die NFC-Schnittstelle beansprucht Apple exklusiv für den eigenen Handybezahldienst Apple Pay, der in der Schweiz im vergangenen Juli gestartet ist.

NFC wird ausserdem von Kreditkarten, Debitkarten und der Postcard eingesetzt. Damit ist der Bezahlvorgang in Sekundenschnelle erledigt, was den Stress an der Kasse reduziert.

Weil Apple blockt, muss Twint auf das Einlesen von QR-Codes oder die Bluetooth-Übertragungstechnik ausweichen. Das verlängert den Bezahlvorgang deutlich.

"Das Ziel von Twint ist eindeutig nicht, Apple zu konkurrenzieren", sagte Weber. "Bei NFC kann man Apple nicht schlagen." Deshalb will Twint mit weiteren Funktionen bei den Nutzer punkten. So soll Twint später mal auch Einzahlungsscheine einlesen und bezahlen können. Auch Rabatte sollen einmal automatisch abgerechnet oder Kunden-, Stempel- oder Studentenkarten in der App hinterlegt werden.

(AWP)