Bilfinger-Chef wirbt vor Aktionären für Umbau: Stabilisierung kommt 'gut' voran

Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger kommt bei der Stabilisierung des Konzerns laut Unternehmenschef Tom Blades gut voran. "Wir bündeln unsere eigenen Stärken bereits effektiver", sagte der seit Juli amtierende Manager auf seiner ersten Hauptversammlung des MDax -Konzerns am Mittwoch in Mannheim. Er warb vor den Aktionären für den Umbau des Konzerns und bestätigte die Ziele.
24.05.2017 10:54

"Wir werden zu profitablem Wachstum zurückkehren", betonte der Brite mit deutschen Wurzeln. Dafür habe Bilfinger im Februar eine umfassende Neuausrichtung auf den Weg gebracht. Diese sei "eine Kraftanstrengung". Die finanzielle Basis sei "solide". Durch Spartenverkäufe, umfangreiche Sparmassnahmen mit einem scharfen Personalabbau in der Zentrale sowie einer neuen Strategie hatte Blades den Konzern zuletzt umgekrempelt. Bilfinger bündelt sein Geschäft nun in den zwei Sparten internationales Ingenieurgeschäft und regionale Instandhaltungsservices.

2016 hatte sich Bilfinger mit milliardenschweren Spartenverkäufen und Sparmassnahmen nach einem Rekordverlust zurück in die Gewinnzone gearbeitet. 2017 dürfte die Leistung erneut sinken, bekräftigte Blades. Der Rückgang liege voraussichtlich im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Die Profitabilität soll sich dabei jedoch verbessern.

Die Einschnitte bei Bilfinger waren gewaltig. Die Zahl der Mitarbeiter halbierte sich im Vergleich zu den Hochzeiten praktisch auf knapp 36 000. Längere Zeit zeichnete sich angesichts von zahlreichen Chefwechseln keine klare und dauerhafte Strategie ab. Viele Mitarbeiter waren verunsichert.

Inzwischen ist Bilfinger ein reiner Industriedienstleister. Nach der Stabilisierung will Blades den Konzern auch mit Zukäufen stärken. Bis 2020 soll die Leistung nach 2017 pro Jahr so im Schnitt um mehr als 5 Prozent zulegen. Die bereinigte Ebita-Marge soll 2020 dann bei etwa 5 Prozent liegen.

Der Konzern steckt seit Jahren im Umbruch. Der Wandel vom Bau- zum globalen Dienstleistungskonzern rund um Kraftwerke, Industrieanlagen und Gebäude war lange die zentrale Strategie. Doch die Abkehr vom zyklischen und mit hohen Projektrisiken verbundenen Bau und der Ausbau der Dienstleistungen durch Zukäufe brachte nicht die erhoffte Stabilität. Auch Einsparungen und Zusatzgeschäfte gingen nicht auf.

Die Zurückhaltung der Stromkonzerne nach der Energiewende in Deutschland, gekappte Investitionen in der Öl- und Gasindustrie im Zuge des Ölpreisverfalls sowie hausgemachte Probleme im Projektmanagement machten die hochfliegenden Pläne endgültig zunichte. Zuletzt hatte der Konzern seine profitabelste Sparte abgestossen. Mit den Bau- und Gebäudedienstleistungen ging 2016 ein Herzstück über den Tisch.

Der Verkauf der Sparte war auch ein Sieg für den einflussreichen Finanzinvestor Cevian, der 2011 bei Bilfinger eingestiegen war. Die Schweden halten 29,5 Prozent an Bilfinger. Damit können sie wichtige Entscheidungen blockieren. Die Beteiligungsgesellschaft gilt als Investor, der sich aktiv in die Firmengeschicke einmischt. Die angekündigten Aktienrückkäufe und eine Mindestdividende von mittelfristig 1,00 Euro je Aktie kommen diesem entgegen./jha/nas/stb

(AWP)