Bilfinger hofft auf Trendwende - Digitalisierung soll Wachstum bringen

(Ausführliche Fassung) - Nach Jahren der Krise sieht der Industriedienstleister Bilfinger endlich die Trendwende im Konzern gekommen. Konzernlenker Tom Blades will im Jahr 2018 im Tagesgeschäft besser werden. Dabei sollen auch verstärkte Investitionen in die Digitalisierung helfen, in der der Vorstand einen "wesentlichen Wachstumstreiber für die kommenden Jahre" sieht, wie Bilfinger am Mittwoch in Mannheim mitteilte. Das Jahr 2017 schloss das Unternehmen zwar unter dem Strich mit einem Fehlbetrag ab, doch im eigentlichen Geschäft lief es zuletzt besser als gedacht.
14.02.2018 10:04

Auch an die Aktionäre, die in der Hochphase der Krise ohne Dividende auskommen mussten, zahlt der im Herbst in den Kleinwerteindex SDax abgestiegene Konzern inzwischen wieder Geld. Für 2017 will er nun wie im Vorjahr einen Euro je Aktie an die Anteilseigner ausschütten. An der Börse kamen die Nachrichten richtig gut an. Die seit Ende Januar arg gebeutelten Bilfinger-Papiere legten am Vormittag um 6,8 Prozent zu.

2018 erwarten die Mannheimer nun beim operativen Ergebnis (bereinigtes Ebita) eine deutliche Steigerung auf einen mittleren bis höheren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Zudem will Bilfinger den Auftragseingang aus eigener Kraft um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigern. Den nötigen Schub sollen zusätzliche Investitionen in Höhe von rund 20 Millionen Euro in die strategische Geschäftsentwicklung und die Einführung eines Digitalisierungsangebots bringen.

Der seit Mitte 2016 an der Bilfinger-Spitze stehende Brite Blades hatte im vergangenen Jahr einen tiefgreifenden Umbau eingeläutet. Damit will sich der Konzern künftig auf zwei Geschäftsbereiche konzentrieren und Kosten sparen. Mit seiner bis 2020 laufenden Strategie sieht sich Bilfinger bereits in der weit fortgeschrittenen Phase einer Stabilisierung und auf dem "Sprung in die Aufbauphase". Derzeit werden etwa die Konzern-IT harmonisiert, operative Einheiten in Verwaltung und Vertrieb gebündelt und Randbereiche verkauft. Von den 13 verlustbringenden Gesellschaften hat Bilfinger bis dato zehn veräussert. 2018 sollen auch die restlichen drei einen neuen Besitzer finden.

Der Umbau trug im vergangenen Jahr erste kleinere Früchte: Die Leistung rutschte 2017 zwar im Jahresvergleich um 5 Prozent ab auf gut 4 Milliarden Euro, doch in der zweiten Jahreshälfte konnte Bilfinger wieder aus eigener Kraft wachsen. Der Auftragseingang lag mit knapp 4,06 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau, stieg aber erstmals seit drei Jahren Rückgang wieder organisch.

Beim operativen Ergebnis (bereinigtes Ebita) konnte der Konzern für 2017 immerhin noch einen kleinen Gewinn von 3 Millionen Euro (Vorjahr: 15 Mio) ausweisen, obwohl er hohe Altlasten aus verzögerten Montagegeschäften in den Vereinigten Staaten zu verkraften hatte. Diese belasteten das Ergebnis mit rund 50 Millionen Euro. Bilfinger hatte daher bereits im Sommer eine Gewinnwarnung ausgegeben, und Konzernchef Blades hatte vorsorglich nur ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt.

Analyst Norbert Kretlow von der Commerzbank lobte das unerwartet starke operative Ergebnis im Schlussquartal. Grundsätzlich unterstrichen die Resultate die Konzernerholung, schrieb der Experte. Craig Abbott vom Analysehaus KeplerCheuvreux bezeichnete hingegen den Ausblick als recht mau.

Unter dem Strich rutschte Bilfinger allerdings auch wegen des kostspieligen Konzernumbaus in die roten Zahlen: Dort stand ein Fehlbetrag von 89 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatten die Mannheimer noch 271 Millionen Euro Überschuss ausgewiesen - allerdings auch nur, weil ihnen der Verkauf des Immobiliendienstleistungsgeschäfts einen Gewinn von mehr als einer halben Milliarde Euro gebracht hatte.

Für 2018 stellt der Konzern noch eine weitere Neuerung in Aussicht: Erstmals soll nicht mehr nach Leistung, sondern nach Umsatz bilanziert werden. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse im Vergleich zu 2017 (4,04 Mrd Euro) organisch stabil bleiben bis leicht zulegen./tav/stw/jha/

(AWP)