Bilfinger kappt operative Gewinnprognose wegen US-Altlasten

(Meldung vom Vorabend mit Aussagen aus Telefonkonferenz und vorbörslicher Aktienreaktion ergänzt) - Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger hat wegen hoher Belastungen in den USA seine Prognose für das operative Ergebnis für 2017 gesenkt. Grund seien Vorsorgen für Altfälle, die zu Belastungen von rund 55 Millionen führten, teilte der MDax-Konzern am Dienstagabend in Mannheim mit. Im Mittelpunkt steht dabei der US-Montagespezialist Westcon, den Bilfinger 2012 übernommen hatte.
12.07.2017 08:48

Die Aktie reagierte vorbörslich deutlich negativ. So notierte sie bei Lang & Schwarz um über 2 Prozent tiefer. Bilfinger hatte in den vergangenen Jahren wiederholt durch Gewinnwarnungen von sich reden gemacht und das Vertrauen der Anleger auf eine harte Probe gestellt.

BILFINGER-CHEF SIEHT KEINE WEITEREN FÄLLE

"Wir sind sehr unzufrieden damit, wie Projekte früher angegangen worden sind", sagt Vorstandsvorsitzender Tom Blades in einer Telefonkonferenz am Mittwochmorgen. Eine neue Risikosteuerung soll problematische Projekte künftig vermeiden, sagte er. Er gehe nicht davon aus, auf weitere Problemfälle zu stossen. Ganz ausschliessen könne er dies jedoch nicht.

Die "Handvoll" Projekte, um die es geht, stammten aus den Jahren 2015 und 2016, sagte Blades, der die Führung von Bilfinger vor einem Jahr übernommen hatte. Dabei handle es sich um Montage-Geschäfte der Tochter Westcon im Süden der USA. Verzögerungen hätten zu Kostenüberschreitungen geführt. Die Streitigkeiten sollen vor einem Schiedsgericht verhandelt werden, für die Bilfinger nun Vorsorge getroffen habe.

OPERATIV ROTE ZAHLEN IM ERSTEN HALBJAHR ERWARTET

Die dafür vorgesehenen 55 Millionen werde das Ergebnis in diesem Jahr belasten. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita), bei dem bestimmte Sondereffekte bereits herausgerechnet sind, werde im ersten Halbjahr nun deutlich negativ ausfallen, erläuterte Bilfinger. Im Gesamtjahr 2017 erwartet der Konzern nur noch ein ausgeglichenes operatives Resultat. Blades hatte zuvor für 2017 eine Verbesserung der Ebita-Marge um rund einen Prozentpunkt in Aussicht gestellt. 2016 lag die Kennzahl bei 0,4 Prozent und das operative Ergebnis bei 15 Millionen Euro.

Für das Konzernergebnis und die Liquidität sieht Bilfinger dank einer positiven Entwicklung bei einem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit in der katarischen Hauptstadt Doha aber keine Belastungen. In Zusammengang mit diesem Alt-Projekt sei ein Betrag in Höhe von rund 60 Millionen Euro geflossen, der sich positiv auf das Ergebnis nicht fortzuführender Geschäftsbereiche auswirke.

EIGENTLICHES GESCHÄFT LÄUFT "ERWARTUNGSGEMÄSS"

Das zweite Quartal sei im eigentlichen Geschäft erwartungsgemäss verlaufen, hiess es weiter. Der Auftragseingang sei im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben und die Leistung aus eigener Kraft nur leicht gefallen.

An der Prognose für die Konzernleistung und den Auftragseingang im laufenden Jahr hielt der Vorstand nun auch fest. Die Leistung dürfte demzufolge im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sinken und der Auftragseingang aus eigener Kraft wachsen.

Bilfinger befindet sich nach mehreren Gewinnwarnungen, Chefwechseln und damit einhergehenden Strategieschwenks in den vergangenen Jahren weiterhin im Umbruch. Blades hatte Anfang des Jahres seine neue Strategie vorgestellt, mit der er den schwächelnden Konzern wieder in die Erfolgsspur zurückführen will. Dazu gehören die Konzentration auf zwei Geschäftsbereiche, Kosteneinsparungen und die Trennung von Randgeschäften./jha/mis/nas/stw/stb

(AWP)