Bilfinger mit Verlust - Gekappte Prognose bestätigt

(Ausführliche Fassung) - Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger hat wegen Altlasten in den USA einen Verlust eingefahren. Unter dem Strich lag der Fehlbetrag im zweiten Quartal bei 7 Millionen Euro, nach einem Minus von 54 Millionen ein Jahr zuvor, wie der MDax -Konzern am Montag in Mannheim mitteilte. Grund für den deutlichen Rückgang im Jahresvergleich ist die Beilegung eines Rechtsstreits in Doha, die zu Millionenzahlungen führte. Nach der Gewinnwarnung Mitte Juli im Zuge der Risikovorsorge für US-Altprojekte hatten Analysten schwache Zahlen erwartet. An seinem Aktienrückkaufprogramm ab Herbst von bis zu 150 Millionen Euro hält der Konzern fest. Vorbörslich legten die Aktien bei Tradegate um ein Prozent zu.
14.08.2017 08:56

Im eigentlichen Geschäft lief es auch noch nicht wirklich rund. Die anhaltende Zurückhaltung wichtiger Kunden und die Risikovorsorge für einzelne Altprojekte in den USA sorgte im zweiten Quartal für einen deutlichen Rückgang der Leistung um 10 Prozent auf 991 Millionen Euro. Der Auftragseingang ging um 4 Prozent zurück. Ohne Unternehmensverkäufe und Währungseffekte sei die Entwicklung aber stabil, hiess es. Der operative Verlust (Ebita) lag im zweiten Quartal bei 43 Millionen Euro, nach einem operativen Gewinn von 2 Millionen ein Jahr zuvor. Hier schlug die Risikovorsorge für US-Altprojekte von minus 53 Millionen Euro durch.

Konzernchef Tom Blades bestätigte die gekappte Prognose. Er stellte für 2017 weiter ein ausgeglichenes operatives Resultat in Aussicht. 2016 lag das operative Ergebnis bei 15 Millionen Euro. Die Leistung dürfte 2017 im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sinken und der Auftragseingang aus dem fortgeführtem Geschäft wachsen. Durch Spartenverkäufe, umfangreiche Sparmassnahmen sowie eine neue Strategie hatte Blades den Konzern zuletzt umfassend umgekrempelt.

"Mit der Umsetzung der Strategie kommen wir gut voran und auch die Bereinigung unseres Portfolios verläuft planmässig", sagte Blades. Mit den geplanten Verkäufen verlustreicher Randbereiche, die vornehmlich aus der Kraftwerkssparte stammen, kommt Bilfinger voran. Insgesamt 13 Problemkinder hatte das Management ausgemacht. Davon seien bis Ende des zweiten Quartals fünf verkauft worden. Eine weitere Gesellschaft sei nach dem Ende des Quartals abgestossen worden, hiess es nun.

Im Geschäftsfeld Engineering & Technologies gingen Auftragseingang und Leistung im zweiten Quartal wegen eines herausfordernden Marktumfelds und einer zurückhaltenden Annahme im Projektgeschäft deutlich zurück. Die Nachfrage im Geschäft mit Wartung und Betrieb von Anlagen (Maintenance, Modifications & Operations) blieb hingegen stabil. Grund für den geringeren Auftragseingang dort seien vergleichsweise hohe Aufträge ein Jahr zuvor.

Bilfinger befindet sich nach mehreren Chefwechseln und damit einhergehenden Strategieschwenks in den vergangenen Jahren weiterhin im Umbruch. Blades hatte Anfang des Jahres seine neue Strategie vorgestellt, mit der er den schwächelnden Konzern wieder in die Erfolgsspur zurückführen will. Dazu gehören die Konzentration auf zwei Geschäftsbereiche, Kosteneinsparungen und die Trennung von Randgeschäften./jha/mne/fbr

(AWP)