Bilfinger punktet mit Dividende und Strategie

(Ausführliche Fassung) - Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger will sein Geschäft noch stärker bündeln und mittelfristig wieder wachsen. "Es bleibt aber ein kleiner Teil von Firmen, die nicht in die neue Strategie passen", sagte der seit Anfang Juli amtierende Bilfinger-Chef Tom Blades am Dienstag in Mannheim. Das gelte etwa für Aktivitäten in Südafrika. Bilfinger werde die Geschäfte weiterführen, zum richtigen Zeitpunkt verkaufen und bei Sanierungsfällen auch rasch handeln. Bei Geschäften mit Umsätzen von rund 150 Millionen Euro gebe es akuten Handlungsbedarf. Der Rest mit einem Volumen von 350 Millionen sei profitabel. Hier bestehe kein Zeitdruck.
14.02.2017 13:55

Am Vorabend hatte der MDax-Konzern seine neue Strategie präsentiert. Kern dabei ist die Konzentration auf zwei Geschäftsbereiche in vier Regionen und sechs Industrien. Die Geschäfte sollen stärker gebündelt werden. Nach einem Übergangsjahr will der Konzern nach Jahren des Umbruchs wieder wachsen. "Zunächst wird der Konzern stabilisiert, dann auf- und ausgebaut", sagte Blades.

BILFINGER WILL MARKT ÜBERTRUMPFEN

Dabei setzt Blades auf eine noch schlankere Verwaltung. Hier sollen die Kosten weiter gesenkt werden. Der Umbau dürfte auch einen weiteren Stellenabbau zur Folge haben. Im Vergleich zur Hochzeit hat sich die Zahl der Mitarbeiter bei Bilfinger mit rund 37 000 praktisch halbiert. Genaue Angaben zum Umfang des weiteren Stellenabbaus machte Blades nicht.

Mit dem milliardenschweren Verkauf der profitablen Bau- und Gebäudedienste an den schwedischen Finanzinvestor EQT und der Rück-Integration der zuvor zum Verkauf gestellten Kraftwerksdienste hatte Bilfinger zuletzt wichtige Weichen gestellt. Am Montagabend gab der Aufsichtsrat grünes Licht für die neue Strategie.

"Mit dieser Strategie werden wir profitabel wachsen, und das stärker als der Markt", sagte Blades. Das Geschäft werde in den zwei Geschäftsfeldern Industrieanlagenbau und Instandhaltung gebündelt. Der Fokus liege auf den vier Regionen Kontinentaleuropa, Nordwesteuropa, Nordamerika und Nahost. Zielindustrien seien die Chemie und Petrochemie, Energie und Versorgung, Öl und Gas, Pharma und Biopharma, Metallurgie und Zement.

AKTIE BAUT GEWINNE DER VERGANGENEN WOCHEN AUS

Den auch durch Verkäufe gewonnenen finanziellen Spielraum will Blades auch für Dividenden und Aktienrückkäufe nutzen. Für 2016 soll der Hauptversammlung eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vorgeschlagen werden. 2015 hatte Bilfinger nach einem Rekordverlust von rund einer halben Milliarde Euro die Dividende gestrichen. Zudem ist der Einzug eigener Aktien sowie ein bis zu 150 Millionen Euro schweres Aktienrückkaufprogramm geplant.

Am Finanzmarkt konnte Bilfinger punkten: Die Aktien waren gegen Mittag mit Aufschlägen von knapp 5 Prozent stärkster MDax-Wert. Die Papiere bauten damit die Gewinne der vergangenen Wochen aus und stieg auf den höchsten Stand seit Mitte 2016. Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow sah seine optimistische Einschätzung voll bestätigt. Er rechnet nun mit nachziehenden Markterwartungen. Positiv wertet der Experte auch einen Aktienrückkauf.

Kepler Cheuvreux-Analyst Craig Abbott lobte den klaren strategischen Fahrplan, betonte aber, dass der Umbau noch längere Zeit in Anspruch nehmen werde. Analyst Firdaus Ibrahim vom Analysehaus S&P Global zeigte sich weniger begeistert. 2017 dürfte erneut ein schwieriges Jahr werden. Der Aktienrückkauf und die Dividende dürften aber stützen.

DANK SPAR- UND SCHRUMPFKURS ZURÜCK IN DER GEWINNZONE

Im vergangenen Jahr arbeitete sich der Konzern mit milliardenschweren Spartenverkäufen und Sparmassnahmen zurück in die Gewinnzone. Unter dem Strich stand 2016 ein Gewinn von 271 Millionen Euro. Im eigentlichen Geschäft belasteten die Zurückhaltung in der Öl- und Gasindustrie, ein schwaches Kraftwerksgeschäft sowie Umbaukosten aber weiter. Konzernweit sackte die Leistung 2016 um 16 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro ab.

Auftragsbestand und Auftragseingang, die auf die künftige Entwicklung schliessen lassen, sackten um 10 Prozent beziehungsweise 6 Prozent ab. Mit dem Verkauf der profitablen Bau- und Gebäudedienstleistungen ist Bilfinger deutlich geschrumpft. Bei Industriedienstleistungen verbesserte sich dank Einsparungen die Ertragskraft. Blades setzt auf einen weiteren Umbau.

"In unseren Zielindustrien steigt die Anzahl an Anlagen und weltweit werden Anlagen älter und wartungsintensiver", sagte Blades. "Wir bündeln unsere eigenen Stärken sehr viel effektiver, um von dieser Entwicklung zu profitieren", ergänzte er. 2017 liege der Schwerpunkt auf der Straffung der Unternehmensstruktur. Verwaltungs- und Vertriebskosten sollen sinken. Nach der Stabilisierung dürften ergänzende Zukäufe und weitere Wachstumsoptionen folgen.

WEITERE RÜCKGÄNGE IM JAHR 2017 ERWARTET

2017 dürfte die Leistung des Konzerns erneut sinken. Der Rückgang liege voraussichtlich im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, hiess es. Beim operativen Ergebnis (bereinigtes Ebita) sei eine Verbesserung der Marge um rund einen Prozentpunkt zu erwarten. 2016 lag diese Kennzahl bei 0,4 Prozent. Nach der Stabilisierungsphase will Bilfinger bis 2020 ein bereinigtes jährliches durchschnittliches Leistungswachstum um mehr als 5 Prozent sowie eine bereinigte Ebita-Marge von etwa 5 Prozent im Jahr 2020 erreichen./jha/men/zb

(AWP)