Bilfinger startet mit Verlust schwach ins Jahr - Prognose bestätigt

(Ausführliche Fassung) - Der kriselnde Industriedienstleister Bilfinger hat einen schwachen Jahresstart erwischt. Die anhaltende Zurückhaltung wichtiger Kunden etwa im Energie- und Versorgungssektor sorgte im ersten Quartal für einen Rückgang der Leistung um 8 Prozent auf 958 Millionen Euro, wie der MDax -Konzern am Montag in Mannheim mitteilte. Unter dem Strich stand auch wegen Umbaukosten ein Verlust von 55 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag von 80 Millionen ein Jahr zuvor. Bilfinger-Aktien standen im frühen Handel mit Abschlägen von 0,9 Prozent unter Druck. Laut Händlern ist das erste Quartal wie erwartet schwach ausgefallen.
15.05.2017 10:38

Im vergangenen Jahr hatte sich Bilfinger mit milliardenschweren Spartenverkäufen und Sparmassnahmen nach einem Rekordverlust zurück in die Gewinnzone gearbeitet. Im laufenden Jahr dürfte die Leistung erneut sinken, bekräftigte Bilfinger-Chef Tom Blades. Der Rückgang liege voraussichtlich im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Beim operativen Ergebnis (bereinigtes Ebita) sei weiterhin eine Verbesserung der Marge um rund einen Prozentpunkt zu erwarten. 2016 lag diese Kennzahl bei 0,4 Prozent. Im ersten Quartal verbesserte sich das operative Ergebnis zwar um sieben Prozent. Es blieb mit minus 14 Millionen Euro aber negativ. Die Marge lag bei minus 1,5 Prozent.

Der Jahresbeginn stehe im Zeichen der strategischen Neuausrichtung, sagte Blades. "Mit der Stabilisierung kommen wir gut voran: Wir bündeln zum Beispiel unsere Stärken bereits effektiver", betonte er. Den Weg zu nachhaltig profitablem Wachstum gehe der Konzern "Schritt für Schritt". Durch Spartenverkäufe, umfangreiche Sparmassnahmen sowie eine neue Strategie hatte Blades den Konzern zuletzt umfassend umgekrempelt. Bilfinger bündelt sein Geschäft nun in zwei Sparten internationales Ingenieurgeschäft und regionale Instandhaltungsservices.

Im ersten Quartal konnte Bilfinger noch nicht wirklich punkten. Der Auftragseingang ging im Jahresvergleich um acht Prozent auf 928 Millionen Euro zurück. Im Gesamtjahr sei aber ein organischer Anstieg zu erwarten, erklärte Blades. Auch der Auftragsbestand, der ebenfalls auf die künftige Entwicklung des Konzerns hinweist, präsentierte sich in den ersten drei Monaten des Jahres mit einem Rückgang um 10 Prozent auf 2,57 Milliarden Euro schwach.

Die Einschnitte bei Bilfinger waren zuletzt gewaltig. Die Zahl der Mitarbeiter halbierte sich im Vergleich zu den Hochzeiten praktisch auf knapp 36 000. Eine klare und dauerhafte Strategie zeichnete sich angesichts von zahlreichen Chefwechseln längere Zeit nicht ab. Viele Mitarbeiter waren nach dem Stellenabbau der vergangenen Jahre und den Strategieschwenks verunsichert. Blades baut Bilfinger nun zu einem reinen Industriedienstleister um. Nach der Stabilisierung dürften laut früheren Angaben ergänzende Zukäufe und weitere Wachstumsoptionen folgen.

Nach der Stabilisierungsphase 2017 soll bei Bilfinger die Leistung bis 2020 pro Jahr im Schnitt um mehr als 5 Prozent zulegen, dabei sind Währungseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe ausgeklammert. Die bereinigte Ebita-Marge soll 2020 dann bei etwa 5 Prozent liegen.

Der Konzern steckte jahrelang im Umbruch. Der Wandel vom Bau- zum globalen Dienstleistungskonzern rund um Kraftwerke, Industrieanlagen und Gebäude war lange die zentrale Strategie. Doch die Abkehr vom zyklischen und mit hohen Projektrisiken verbundenen Bau und der Ausbau der Dienstleistungen durch Zukäufe brachte nicht die erhoffte Stabilität. Auch Einsparungen und Zusatzgeschäfte gingen nicht auf.

Die Zurückhaltung der Stromkonzerne nach der Energiewende in Deutschland, gekappte Investitionen in der Öl- und Gasindustrie im Zuge des Ölpreisverfalls sowie hausgemachte Probleme im Projektmanagement machten die hochfliegenden Pläne endgültig zunichte. Zuletzt hatte der Konzern seine profitabelste Sparte abgestossen. Mit den Bau- und Industriedienstleistungen ging ein Herzstück über den Tisch./jha/mne/stb

(AWP)