Bilfinger will Korruptionsaffären hinter sich lassen

Der krisengeschüttelte Industriedienstleister Bilfinger will die Korruptionsaffären der vergangenen Jahre hinter sich lassen und setzt auf einen Neuanfang. Helfen sollen dabei neue Konzernrichtlinien. "Wir führen weltweit ein einheitliches Compliance-System ein. Dabei machen wir keine Kompromisse", sagte der Vorstandsvorsitzende Tom Blades im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Mit den neuen Regeln, einer stärkeren Überprüfung von Geschäftspartnern sowie einer engeren Anbindung der vielen Bilfinger-Gesellschaften an die Zentrale in Mannheim will Blades auch das US-Justizministerium zufriedenstellen, unter dessen Aufsicht der Konzern seit 2014 steht.
24.10.2017 11:04

"Wir machen sehr gute Fortschritte und sind zuversichtlich, dass die US-Aufsicht Ende 2018 wie geplant endet", sagte Blades. In den letzten drei Jahren habe es keinen neuen Korruptionsfall mehr gegeben. Grund für das sogenannte Monitoring durch die USA ist ein Fall aus dem Jahr 2003. Die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger war bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria in einen Korruptionsfall verwickelt, der erst 2010 aufgedeckt wurde. Bilfinger musste 2013 eine Strafe von 32 Millionen US-Dollar zahlen und eine Überwachung seines Compliance-Systems hinnehmen, das solche Fälle verhindern soll. Seitdem kam es bei dem Konzern zu mehreren Chefwechseln, die Neuordnung verzögerte sich immer wieder. Dazu kamen weitere Altfälle ans Licht, so dass die zunächst bis höchstens 2016 vorgesehene US-Aufsicht um zwei Jahre verlängert wurde.

Seit Sommer 2016 ist nun Blades am Ruder, der den Karren aus dem Dreck ziehen soll. Er sieht das Thema ganz oben auf der Agenda. "Wir schauen uns alle Geschäftspartner sehr genau an, wir durchleuchten unsere Lieferanten, speziell die, die in Verbindung zu staatlichen Firmen stehen. Wir dürfen uns nicht auf unsaubere Geschäfte einlassen", sagte der Manager. Der Bereich Recht und Compliance wurde neu aufgestellt und personell verstärkt, Führungskräfte und Mitarbeiter darauf eingeschworen. So sollen auch Fälle wie in Brasilien verhindert werden, als Bilfinger fragwürdige Zahlungen in Zusammenhang mit einem Millionen-Auftrag einer Tochtergesellschaft für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 entdeckte. Bilfinger, der die entsprechende Gesellschaft erst später übernommen hatte, entschied sich im Frühjahr 2016 für eine Rückabwicklung des Kaufs.

Bei der Einhaltung der Konzernrichtlinien setzt Blades vor allem auf die Aufdeckung aus den eigenen Reihen. Es gibt eine internationale Rufnummer, die Mitarbeiter wählen können, wenn ihnen etwas verdächtig vorkommt. "Wir haben den Anspruch, selber aufzudecken und nicht zu warten, bis Behörden auf Fälle stossen." Neben Korruption stehen aber auch Themen wie Datenschutz oder Mobbing auf der Agenda.

Dabei stösst der Bilfinger-Chef auf fast banale Probleme im Alltag. Bilfinger muss sich mit Fragen beschäftigen, wie der, ob überhaupt alle Mitarbeiter lesen und schreiben können oder wissen, wie sie die Hotline überhaupt erreichen können. Denn in einigen Ländern kann dies schon einmal problematisch werden. Schulungen sollen hier helfen. "Compliance funktioniert vor allem von unten nach oben und muss verstanden und gelebt werden", fordert Blades daher. Er räumt aber auch ein: "Hier sind wir noch im Lernprozess."

Eine engere Anbindung der zahlreichen Tochtergesellschaften an die Zentrale soll ausserdem dazu beitragen, Regelverstösse zu verhindern. Bilfinger war lange Jahre auf Einkaufstour und hat ein Sammelsurium verschiedenster Firmen aufgekauft, ohne diese wirklich in den Konzern zu integrieren. Diese weitgehende Unabhängigkeit soll nun ein Ende haben. Blades will mit einer tiefgreifenden Umstrukturierung den Unternehmen "Zügel anlegen" und so künftig die Richtung vorgeben. Auch soll es kein Nebeneinander mehr von verschiedenen IT- oder Abrechnungssystemen geben, sondern nur noch ein einheitliches.

Das alles hat Bilfinger viele Millionen gekostet. Die Vereinbarung mit dem Justizministerium schlug mit bislang 50 Millionen Euro zu Buche. Nimmt man die Kosten für einheitliche Systeme wie Personal oder IT hinzu, hat Bilfinger bislang 80 Millionen Euro für Compliance ausgegeben./nas/stw/oca

--- Gespräch: Natali Schwab, dpa-AFX ---

(AWP)