Biotech-Branche wird erwachsen - Schwung wird nachlassen

(Um weitere Details von der Medienkonferenz ergänzt)
09.06.2016 11:49

Zürich (awp) - Nicht nur Lebewesen werden erwachsen - auch Branchen. Nachdem die Biotech-Branche auch 2015 erneut mit Rekordwerten abgeschlossen hat, zeichne sich nun ein gewisser Reifungsprozess ab, erklärt Jürg Zürcher, Biotech-Leader für EMEIA sowie Life Sciences Leader für die Schweiz bei der Beratungsgesellschaft EY an einer Medienkonferenz.

Die Umsätze der von EY analysierten Unternehmen in Europa und den USA stiegen 2015 um 13% auf 132,7 Mrd USD, die Gewinne um 18% auf 16,6 Mrd USD. Dabei entfiel bei beiden Kenngrössen der Löwenanteil auf die USA. Dort wurde 107,7 Mrd USD umgesetzt und 33,9 Mrd USD Gewinn.

FÜNF US-BRANCHENGRÖSSEN GENRIEREN DREI VIERTEL DES UMSATZES

In den USA generierten die fünf grössten Biotech-Unternehmen drei Viertel der Umsätze. Von den 25 Mrd USD Umsatz, die die Branche in Europa generierte, entfielen allein auf Shire 6,4 Mrd.

Bei der Zahl der Unternehmen und Mitarbeiter haben die USA gegenüber Europa ebenfalls die Nase vorne. Von den insgesamt 670 Biotech-Unternehmen stammten 436 aus den USA und 234 aus Europa. Wie Zürcher festhält, zeigen die Verteilung von Umsatz und Anzahl der Unternehmen, dass die Biotech-Branche in den USA bereits gereifter ist als in Europa.

In puncto Schaffung von Arbeitsplätzen kann sich die Branche mit mehr als 33'000 neu geschaffenen Jobs ebenfalls sehen lassen. Sowohl bei der Zahl der Arbeitsplätze als auch bei der Entwicklung von Umsatz und Gewinn erzielte die global operierende Branche das dritte Jahr in Folge Rekorde.

ABKÜHLUNG ERWARTET

Dass sich die Entwicklung im laufenden Jahr deutlich abkühlen dürfte, liegt massgeblich an den zahlreichen Herausforderungen, mit denen die Unternehmen konfrontiert sind. "Insbesondere der zunehmende Preisdruck wegen immer aggressiverer Massnahmen der Krankenkassen und weiterer Kostenträger bereitet Sorgen", betont Zürcher.

In Zukunft werde es für Biotech-Unternehmen immer wichtiger, den Wert ihrer Produkte besser zu demonstrieren und sich auf ihre Geschäftsmodelle fokussieren. Es sei erfolgsversprechend, nur noch in wenigen ausgewählten therapeutischen Bereichen eine Vormachtstellung zu erringen, um kommerziell wettbewerbsfähig zu sein und das Wachstum anzutreiben, heisst es in dem Bericht weiter.

M&A BLEIBT WICHTIGERV WACHSTUMSTREIBER

Zusätzlichen Wachstumsschub könnten die Unternehmen auch künftig durch externes Wachstum erzielen. So erreichte die Zahl der Fusionen und Akquisitionen (M&A) 2015 zum zweiten Mal in Folge ein Rekordhoch. Mit 89 Transaktionen lag die M&A-Aktivität der Biotech-Branche weit über den 69 Transaktionen von 2014. Der kumulierte Transaktionswert hat sich mit 100,2 Mrd USD etwas mehr als verdoppelt.

"Wir werden eine weiterhin hohe Aktivität auf dem M&A-Markt sehen, auch wenn verschärfte US-Steuergesetze die Verlegung von Unternehmenssitzen aus steuerlichen Gründen weniger lukrativ gemacht haben", ist Jürg Zürcher überzeugt.

Wie der EY-Experte vor den Journalisten noch hervorhebt, haben im vergangenen Jahr vor allem die Transaktionen zwischen Big Pharma und Biotech deutlich zugenommen. Aber auch die Zahl der Biotech-Biotech-Zusammenschlüsse seien zuletzt gestiegen.

hr/ra

(AWP)