BKW verdient 2016 mehr und will Dienstleistungsgeschäft deutlich ausbauen

(Zusammenfassung) - Der Energiekonzern BKW hat im vergangenen Geschäftsjahr 2016 die Gesamtleistung gesteigert und unter dem Strich mehr verdient. Vor allem das Dienstleistungsgeschäft florierte und soll in naher Zukunft weiter ausgebaut werden. Den Aktionären schlägt die Gesellschaft die Ausschüttung einer zum Vorjahr unveränderten Dividende von 1,60 CHF pro Aktie vor.
16.03.2017 15:48

Um die rückläufigen Erträge im Stammgeschäft der Produktion, dem Vertrieb und dem Handel von Strom aufzufangen, stärkt BKW ihre Position im Service-Bereich. "BKW ist eine Dienstleisterin", sagte BKW-Chefin Suzanne Thoma am Donnerstag vor den Medien. Sie wies darauf hin, dass bereits heute über zwei Drittel der Belegschaft, also 3800 Leute, in diesem Segment beschäftigt sind.

Jedoch erzielt der wenig kapital-, aber sehr personalintensive Wachstumsbereich erst 20% des Umsatzes bzw. 10% des Betriebsgewinns der BKW. In einigen Jahren soll das Segment ein Drittel zum Konzern-EBIT beitragen. Damit könne BKW das schleppende Geschäft beim "Sorgenkind", der Sparte Energie, abfedern. Der Netzbereich bringe zwar stabile Erträge, sei jedoch wenig profitabel und werde nicht signifikant ausgebaut, erklärte Thoma.

MEHR GEBÄUDETECHNIK IM INLAND, MEHR INGENIEURSWESEN IM AUSLAND

Im Inland will BKW im Bereich der Gebäudetechnik wachsen. "Die Gebäudetechnik ist ein integraler Bestandteil der Energiestrategie", sagte Thoma. Rund die Hälfte des Energieverbrauchs finde im Gebäude statt, so sei der entsprechende Ausbau eine "logische Weiterentwicklung" für BKW. Konkret will BKW vermehrt beraten und planen, was intelligente Wärmenutzung und Vernetzung von Fotovoltaik mit Speichertechnologien angeht. Sämtliche Projektschritte wolle man aus einer Hand anbieten, inklusive Wartung und Instandhaltung.

Im Ausland will BKW vermehrt Ingenieursdienste erbringen. "Das Engineering stand am Anfang der Geschichte von BKW und ist tief in unserer DNA", sagte Thoma. Insbesondere bei öffentlichen Infrastrukturbauten in Europa sieht Thoma grosses Nachholpotenzial, was Aufträge für Ingenieure und Architekten der jüngst zugekauften Tochterfirmen wie Lindschulte, IFB Eigenschenk und Assmann bringen dürfte.

Weitere Akquisitionen im Service-Geschäft dürften folgen, was die Bonität der BKW gemäss Finanzchef Ronald Trächsel jedoch nicht gefährden wird. Das Rating Single-A werde dank einem gesunden Verhältnis von EBITDA zur Nettoverschuldung weiterhin sichergestellt sein. Auch andere Parameter, wie die Liquidität bewegen sich "im grünen Bereich". Der operative Cashflow ohne Sondereffekt bewege sich stabil zwischen 400 und 450 Mio CHF, womit der Transformationsprozess finanzierbar sei.

ZUVERSICHT TROTZ TIEFEN STROMPREISEN

Für 2017 geht das Management davon aus, dass man das "gute Resultat" von 2016 wiederholen könne. Im abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte BKW die Gesamtleistung gegenüber Vorjahr um 8% auf 2862 Mio CHF und den Reingewinn um 13% auf 322 Mio.

Weiterhin werde aber die Energiesparte belasten. Rund 85% der Stromproduktion seien den tiefen Marktpreisen ausgesetzt. Nur 15% werde an "regulierte Kunden" zu meist drei Jahre im Voraus fixierten Preisen verkauft. Dank einer "aktiven Bewirtschaftung der Stromproduktionen", also dem Produzieren und Verkaufen zum richtigen Zeitpunkt, könne BKW dem widrigen Marktbedingungen auch Positives abgewinnen.

Stabilisierend wirke weiterhin das Netzgeschäft, wo BKW zuletzt 120 Mio CHF für den Unterhalt der Netze, rund 120 Mio für die Netze der übernommenen AEK Energie AG und 130 Mio für die Aufstockung Swissgrid-Beteiligung auf gut 36% ausgegeben hat. Damit ist BKW die grösste Aktionärin der Netzbetreiberin.

Die BKW-Aktien notieren am Berichtstag gegen 15.30 Uhr bei starkem Volumen um 1,2% höher, während sich der Gesamtmarkt leicht rückläufig entwickelt. CFO Trächsel wies die Marktteilnehmer auf die massiv erhöhte Liquidität der BKW-Valoren hin. Vor wenigen Jahren seien knapp 6000 Titel pro Tag gehandelt wurden, heute seien es um die 30'000 Stück.

pr/ra

(AWP)