Blackrock beurteilt Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank kritisch

FRANKFURT (awp international) - Einer der mächtigsten Investoren der Welt, der Vermögensverwalter Blackrock, blickt skeptisch auf einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank . "Wenn wir über einen Konsolidierungsbedarf sprechen, dann sollten wir das nicht im nationalen Rahmen tun", sagte der Vize-Verwaltungsratschef von Blackrock, Philipp Hildebrand, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ/Mittwochausgabe). Der europäische Bankenmarkt sei insgesamt überbesetzt, deshalb müssten auch grenzüberschreitende Fusionen grosser Institute möglich sein.
04.10.2016 22:06

Dem Vernehmen nach hatten die Spitzen von Deutscher Bank und Commerzbank im Sommer einen Zusammenschluss ausgelotet, den Plan aber rasch wieder verworfen. Blackrock ist Grossaktionär beider Häuser und bekommt entsprechend den starken Kursverfall zu spüren. Die Commerzbank-Aktie hat in diesem Jahr 39 Prozent an Wert verloren, die Aktie der Deutschen Bank sogar 48 Prozent. Das bedeutet die letzten Plätze im Leitindex Dax .

Die beiden Grossbanken leiden unter den niedrigen Zinsen, dem starken Wettbewerb mit Sparkassen und Volksbanken im Heimatmarkt sowie hausgemachten Problemen. Vielen europäischen Konkurrenten ergeht es allerdings kaum besser. "Europas Banken haben in einem grossen Ausmass versagt", sagte Hildebrand. Es fehle vielerorts die Erkenntnis, "dass eine radikale Neuorientierung des Geschäftsmodells notwendig ist". Deshalb seien Anleger derzeit auch kaum bereit, in europäische Bankaktien zu investieren.

Bevor es zu Fusionen kommen kann, sieht Hildebrand aber die Politik am Zug: "Wenn ich mit Vorstandschefs europäischer Banken spreche, dann merke ich, dass Unsicherheit herrscht. Es fehlt eine klare Antwort der Politik auf die Frage, ob ein gesamteuropäisches Bankenmodell erwünscht ist."/das/ajx

(AWP)