BMW im dritten Quartal spürbar gebremst - Aktie fällt

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Kurs aktualisiert, weitere Analystenstimme.) - Der Autobauer BMW wird zunehmend von einem schwächeren Absatzwachstum sowie hohen Investitionen gebremst. Nachdem die weltweiten Auslieferungen bei den Marken BMW, Mini und Rolls Royce im dritten Quartal nur um gut ein Prozent kletterten und Wechselkurse belasteten, musste der Dax-Konzern sein Tempo etwas drosseln.
07.11.2017 13:23

"Aufgrund von Umrechnungseffekten, vor allem aus dem starken Euro, gehen wir davon aus, dass die Umsatzerlöse im Segment Automobile im laufenden Jahr nicht solide, sondern leicht steigen werden", sagte Finanzchef Nicolas Peter am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Heisst übersetzt: Nicht mehr zwischen 5 und 10 Prozent Umsatzwachstum, sondern nur noch bis zu 5.

Im dritten Quartal drückte der stärkere Euro kräftig auf die Erlöse. Insgesamt wuchs der Umsatz mit 0,3 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro spürbar schwächer als im bisherigen Jahresverlauf. Bereinigt um Wechselkurseffekte hätte das Plus bei 3,1 Prozent gelegen, sagte ein Sprecher.

Der Aktienkurs gab am Mittag als Dax-Schlusslicht 2,4 Prozent nach. Zwar hob das Unternehmen den Ausblick für das Vorsteuerergebnis an. Doch am Markt war ohnehin mit einem besseren Abschneiden gerechnet worden als offiziell anvisiert, schrieb Analyst Tim Schuldt von der Investmentbank Equinet.

2017 will BMW nun das Vorsteuerergebnis zwischen 5 bis 10 Prozent steigern, vorher standen bis zu 5 Prozent im Plan. Nach neun Monaten steht das Plus schon bei knapp 10 Prozent, weil zum einen der Verkauf von Finanzierungs- und Versicherungsverträgen beim Auto- und Motorradkauf weiter rund läuft. Zum anderen fliessen über das Zinsergebnis auch die anteiligen Gewinne der chinesischen Beteiligungen ein.

Vor allem in den USA und Grossbritannien hat BMW derzeit einen schweren Stand. In den USA sind vor allem SUVs bei den Kunden gefragt, der neue X3 soll Linderung bringen. Wenn der Modellwechsel im Herbst hinter dem Konzern liege, werde es in den Staaten auch wieder Wachstum geben, sagte BMW-Chef Harald Krüger. Um die weltweite Nachfrage zu bedienen, wird das Modell zusätzlich zum US-Werk in Spartanburg dann auch in Shenyang in China gebaut. Alles in allem liefere BMW angesichts seiner Herausforderungen aber ein extrem solides Jahr ab, schrieb JPMorgan-Experte Jose Asumendi.

Ohnehin hat BMW-Chef Krüger die grösste Modelloffensive der Unternehmensgeschichte ausgerufen. In diesem und dem kommenden Jahr sollen konzernweit rund 40 neue und überarbeitete Modelle Schwung bei Absatz und Rendite bringen. Die vom Kapitalmarkt vielbeachtete Marge in der Autosparte sinkt seit Jahren, mit neuen Autos winken höhere Verkaufspreise. Zudem strebt Krüger einen grösseren Anteil bei teuren Luxuskarossen an.

Bei der Rendite hat BMW aus Sicht von Analysten vor allem gegenüber Konkurrent Daimler Aufholbedarf. Zudem hat sich der Aktienkurs in diesem Jahr deutlich schwächer entwickelt als der Dax und der Branchenindex der europäischen Autoindustrie, mit dem Minus vom Dienstag ist es sogar ein leichter Kursverlust.

Im vergangenen Jahr hatte BMW nach vielen Jahren die Krone bei Premiumautos an die Stuttgarter verloren, beim Absatz wie bei der Profitabilität. Auch in diesem Jahr liegt BMW zurück: Mercedes-Benz verkaufte bisher deutlich mehr.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel im dritten Quartal mit 2,3 Milliarden Euro 3,2 Prozent niedriger aus als vor einem Jahr. Das war weniger als von Analysten zuvor erwartet. Die Bayern investierten mehr als vor einem Jahr, zudem stiegen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Im Kerngeschäft, der Autosparte, ging die operative Marge (Ebit) um 0,2 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent zurück. Unter dem Strich sank auch der Nettogewinn im dritten Quartal leicht auf 1,79 Milliarden Euro.

Finanzchef Nicolas Peter machte deutlich, dass es auf absehbare Zeit bei hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung bleiben werde. Eigentlich hat BMW dafür ein Budget von 5 bis 5,5 Prozent des Umsatzes. In den kommenden drei Jahren werde der Konzern aber mehr ausgeben, so Peter.

Im dritten Quartal verbuchte BMW im Autogeschäft zudem Rückstellungen für Rechtsrisiken. Diese stehen laut dem Finanzchef aber nicht im Zusammengang mit den jüngsten Nachprüfungen der EU-Kommission im Kartell-Verdachtsfall rund um die deutsche Autoindustrie. Vielmehr gehe es um Patente und Zulieferthemen. Daimler und Volkswagen hatten zuletzt bestätigt, bei den Wettbewerbshütern einen Antrag auf Kronzeugenregelung gestellt zu haben. Wer bei den Behörden als erster auspackt, darf auf den grössten Nachlass bei einer möglichen Strafe hoffen./men/she/jha/

(AWP)