BMW patzt bei Automarge - Finanzgeschäfte treiben Gewinn in die Höhe

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Kurs aktualisiert, Analystenstimmen.)
04.11.2016 13:25

MÜNCHEN (awp international) - Der Autobauer BMW bekommt die Folgen seiner in die Jahre gekommenen Modellpalette zu spüren. Während die Umsatzrendite im Kerngeschäft des Dax-Konzerns im zweiten Quartal noch die grosse Stärke war, sackte sie von Juli bis September spürbar ab. Dass das unter dem Strich am Zwischenbericht vom Freitag nicht abzulesen war, haben die Münchener vor allem Finanzgeschäften zu verdanken. Absicherungsgeschäfte auf Rohstoffpreise und Währungskurse sowie die starke Sparte mit Autofinanzierungen sorgten für Zuversicht beim Management. Vorstandschef Harald Krüger will die Jahresziele weiter erreichen. Ausserdem will er mit neuen E-Autos die Elektrostrategie des Konzerns vorantreiben.

Zunächst ist aber Warten auf den neuen 5er angesagt. Der Verkaufsschlager soll ab kommendem März an die Kunden ausgeliefert werden - wird vorher aber erstmal Geld kosten, wie Finanzchef Friedrich Eichiner sagte. Kunden halten sich deshalb derzeit mit neuen Käufen zurück, was die Verkaufspreise im Schnitt sinken lässt. Zusätzlich zu den saisonal ohnehin höheren Kosten im vierten Quartal dürften die Investitionen für den Anlauf des Vorzeigemodells auf dem Ertrag lasten.

MARKTEINFÜHRUNG 5ER DÜRFTE MARGE WEITER BELASTEN

Die Ziele, auf Jahressicht in der Autosparte vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 8 und 10 Euro von 100 Euro Umsatz als Gewinn einzufahren, seien anspruchsvoll, sagte Eichiner. Im dritten Quartal sackte die operative Marge auf 8,5 Prozent ab nach 9,1 Prozent vor einem Jahr.

Trotz anziehender Erlöse im Autoverkauf ging das Ergebnis in der Sparte damit sogar leicht zurück. Nicht nur, dass die Münchener bei der Marge aktuell den Stuttgarter Rivalen von Mercedes-Benz und auch den bayrischen Konkurrenten von Audi hinterherfahren - Analysten hatten obendrein nicht mit ganz so schwachen Ergebnissen gerechnet. Die Aktie verlor am Mittag rund 1,4 Prozent.

GEWINN PROFITIERT VON FINANZGESCHÄFTEN

Equinet-Analyst Tim Schuldt zeigte sich derweil von der schwächeren Marge nicht überrascht. Der Autobauer schlage sich an seinem derzeitigen Punkt im Produktzyklus wacker. Im kommenden Jahr erwartet er in diesem Punkt Besserung, sodass sich die Dynamik dann im Vergleich zum Wettbewerb zugunsten von BMW wenden könnte.

Eichiner konnte ohnehin überraschend viel Gewinn unterm Strich vermelden. Weil die Absicherungsgeschäfte bei Rohstoffen und Währungen besser liefen und weil es bei den chinesischen Beteiligungen weiter brummt, kletterte der Überschuss kräftig um 15 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro. Auch die Finanzsparte zur Vermittlung von Autokrediten und Leasinggeschäften überzeugte einmal mehr. Beim Umsatz lief es ohnehin rund, weil das Absatzwachstum in China und Europa die Schwäche auf dem US-Markt weiter ausbügelte.

ABSATZ UND UMSATZ WACHSEN TROTZ PROBLEMEN IN USA WEITER

In den USA hat BMW mit dem eigenen Angebot zu spät auf den Schwenk von Limousinen hin zu den spritschluckenden SUV-Dickschiffen reagiert. Im Jahresverlauf hat BMW in den Staaten bis Ende Oktober fast zehn Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Chef Krüger wollte auch angesichts der anstehenden Präsidentenwahl im weltweit zweitgrössten Automarkt keine Prognose wagen, wann es wieder aufwärts geht.

Weltweit kaufen die Autofahrer aber weiter kräftig BMWs. Der Autoabsatz im dritten Quartal stieg um gut 7 Prozent auf 583 000 Fahrzeuge, der Umsatz kletterte insgesamt um 4,6 Prozent auf 23,36 Milliarden Euro. Der Gewinn aus dem Tagesgeschäft wuchs aber wegen der Ertragsschwäche im Kerngeschäft nur unterdurchschnittlich. Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 1,1 Prozent auf 2,38 Milliarden Euro.

REINE E-ANTRIEBE HALTEN EINZUG IN DIE KERNMARKE

Um bei den Elektroantrieben nicht ins Hintertreffen zu geraten, will BMW seine Anstrengungen verstärken. "Die steigende Nachfrage der Kunden bestätigt diesen Weg und zeigt uns, dass die Zeit reif ist für unsere nächsten Schritte", sagte Vorstandschef Harald Krüger. Nun sollen rein batteriegeladene E-Antriebe Einzug halten in die Kernmarken.

Den Auftakt mache 2019 ein rein elektrischer Kleinwagen des Typs Mini, 2020 soll ein voll elektrischer Stadtgeländewagen (SUV) vom Modell X3 folgen. Zuletzt hatten sich andere Hersteller mit neuen Ankündigungen für E-Autos förmlich überschlagen. BMW war früh mit der i-Reihe in das Segment eingestiegen, hatte sich zuletzt aber mit offiziellen Ankündigungen zurückgehalten. In Medienberichten hatte es bereits Spekulationen darüber gegeben, dass BMW seine Elektropläne stärker auf andere Modelle ausweitet./men/enl/fbr

(AWP)