BMW senkt Gewinnprognose wegen WLTP-Turbulenzen und Rückrufen

(Ausführliche Fassung) - Der Autobauer BMW kappt wegen der Umstellung auf das neue Abgas-Prüfverfahren sowie teurer Rückrufe seine Gewinnprognose. Die operative Umsatzrendite im Kerngeschäft Autobau dürfte in diesem Jahr unter das eigentliche Ziel von 8 bis 10 Prozent rutschen, teilte der Dax-Konzern am Dienstag in München mit. Es wäre das erste Mal seit dem Finanzkrisenjahr 2009, dass BMW die Marke von 8 Prozent nicht erreicht. Vor Steuern und Zinsen erwartet das Management in der Sparte nun eine operative Marge von mindestens 7 Prozent.
25.09.2018 15:41

BMW macht unter anderem zu schaffen, dass die Konkurrenz vor der Einführung des neuen Prüfstandards für Abgas- und Verbrauchswerte (WLTP) zum 1. September in der EU Autos mit dem alten Prüfstandard auf den Markt geworfen und dabei hohe Rabatte gewährt hatte. Die Angebotsintensität sei unerwartet hoch, hiess es vom Unternehmen. Der Umsatz mit Autos dürfte im Gesamtjahr leicht unter dem Vorjahr (angepasster Wert 85,7 Mrd Euro) liegen. Bisher hatten die Münchner mit einer leichten Steigerung gerechnet.

BMW ist mit seiner Gewinnwarnung nicht allein im Markt. Rivale Daimler hatte bereits im Juni seine Ziele senken müssen. Auch Zulieferer wie Conti bekommen derzeit Gegenwind zu spüren. Am Aktienmarkt kam die BMW-Aktie unter Druck und verlor zeitweise rund 5 Prozent. Auch die Titel von Daimler und Volkswagen wurden in Mitleidenschaft gezogen.

JPMorgan-Autoexperte Jose Asumendi rechnet nun mit rund 10 Prozent weniger Gewinn je Aktie als zuvor, wie er in einer ersten Reaktion schrieb. Die Gewinnwarnung lasse es zudem fraglich erscheinen, ob das Unternehmen auch im kommenden Jahr das Margenziel in der Autosparte von 8 bis 10 Prozent erreichen könne.

Auf Konzernebene wird das bisherige Ziel der Münchner, den Vorsteuergewinn auf Vorjahresniveau zu halten, ebenfalls verfehlt. Er dürfte moderat sinken - bei BMW bedeutet das einen Rückgang zwischen 5 und 10 Prozent.

Als weitere Gründe nannte das Unternehmen gestiegene Rückrufe und Kulanzmassnahmen, zudem belasteten die andauernden internationalen Handelskonflikte. Vor allem zwischen den USA und China war ein Handelsstreit entflammt, höhere Zölle auf nach China importierte Autos aus US-Produktion dämpfen den Absatz im wichtigsten Einzelmarkt der Welt. In Südkorea und Europa muss BMW Hunderttausende Autos wegen möglicher Brandgefahr zurückrufen.

Im dritten und vierten Quartal würden sich die Probleme deutlich in den Ergebnissen zeigen, hiess es. BMW hatte ohnehin vor einem herausfordernden Jahr gewarnt. Vorleistungen für neue Technik und Modelle kosten gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich rund eine Milliarde Euro zusätzlich. Auch der starke Euro und andere ungünstige Wechselkurse drücken auf die Ergebnisse und belasten mit einem mittleren bis hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Mögliche Bewertungseffekte des geplanten Gemeinschaftsunternehmens mit Daimler für Mobilitätsdienstleistungen bezieht BMW nicht in die eigene Prognose ein. Sollte das Vorhaben noch in diesem Jahr den Segen der Kartellbehörden erhalten, kommt es in der Finanzsparte der Münchner jedoch zu einem positiven Einmaleffekt, wie der Konzern bereits mitgeteilt hatte./men/stw/she

(AWP)