Boeing fliegt Airbus auf Pariser Messe davon - Flaute bei Riesenjets

(neu: weitere Bestellungen) - Der US-Flugzeugbauer Boeing hat seinen europäischen Rivalen Airbus auf der Pariser Luftfahrtmesse weit hinter sich gelassen. Der US-Konzern sammelte Bestellungen und Vorverträge über 571 Verkehrsflugzeuge ein - von Auftragsflaute keine Spur. Die Europäer kamen nur auf 346 Maschinen, nachdem sie die Amerikaner in den Vorjahren vielfach übertroffen hatten.
22.06.2017 16:11

Während der scheidende Airbus-Verkaufschef John Leahy insgesamt von einem Tiefpunkt im normalen Auftragszyklus sprach, sah sein Kollege Ihssane Mounir von Boeing keinen Grund zur Klage. Laut Preisliste haben Boeings Verträge aus Le Bourget einen Gesamtwert von 74,8 Milliarden US-Dollar (67,1 Mrd Euro). Airbus kommt auf 42,2 Milliarden Dollar. In der Regel gewähren die Hersteller Rabatte im zweistelligen Prozentbereich.

Punkten konnten beide Hersteller mit ihren modernisierten Mittelstreckenjets - dem Airbus A320neo und der Boeing 737-MAX. Deren Produktion ist auf Jahre hinweg ausgebucht. Weniger gefragt waren die grösseren und teureren Langstrecken-Maschinen, von denen Boeing 56 Stück und Airbus gerade mal 20 Exemplare los wurde. Beim weltgrössten Passagierjet A380 hält die auftragslose Durststrecke an.

AIRBUS-AKTIE VERLIERT WIEDER

Für die Airbus-Aktie ging es nach ihrem Rekordkurs vom Wochenbeginn wieder abwärts. Nachdem sie am Dienstag zeitweise mehr als 77 Euro gekostet hatte und der Kurs schon am Mittwoch in den Sinkflug gegangen war, lag das Papier am Donnerstagnachmittag mit 0,74 Prozent im Minus bei 74,69 Euro.

Die weltgrösste Luftfahrtmesse, die alle zwei Jahre am Flugplatz Le Bourget bei Paris stattfindet, lief für Boeing auch deutlich besser als die letzte Veranstaltung an dieser Stelle im Jahr 2015, als die Amerikaner nur 331 Maschinen losgeworden waren. Bei der Farnborough Air Show nahe London, die sich jährlich mit der Paris Air Show abwechselt, kam Boeing 2016 sogar nur auf 140 verkaufte Flugzeuge - gerade mal halb so viel wie Airbus.

AIRLINES WOLLEN BOEINGS LANGVERSION

Nicht eingerechnet in Boeings aktuelle Zahlen sind Bestellungen für 214 Mittelstreckenjets in der neuen Langversion 737-MAX-10, bei denen die Käufer lediglich bestehende Aufträge in solche für die gestreckte Version umwandelten. Boeing hatte die Einführung der MAX-10 am Montag offiziell bekanntgegeben. Der Flieger soll bis zu 230 Passagiere fassen und damit 10 mehr als die MAX-9. Boeing versucht so, zu Airbus aufzuschliessen, dessen A321neo bis zu 240 Fluggäste befördern kann. In Le Bourget holten die Amerikaner auch wirkliche Neuaufträge und Vorverträge über 147 Exemplare der MAX-10 herein.

Grösster Einzelauftrag für Boeing war die Bestellung einer ungenannten Airline über 125 Mittelstreckenjets vom Typ 737-MAX-8 im Wert von 14,1 Milliarden Dollar. Der Flugzeugfinanzierer AerCap orderte auf einen Schlag 30 "Dreamliner" Langstreckenjets für 8,1 Milliarden Dollar.

IRAN ORDERT BEI AIRBUS

Airbus wurde 100 Mittelstreckenjets vom Typ A320neo an den Flugzeugfinanzierer des US-Mischkonzerns General Electric los (Listenpreis 10,8 Mrd Dollar). Kurz vor Toresschluss kamen zwei Aufträge aus dem Iran über insgesamt 9,4 Milliarden Dollar herein. Behörden müssen den Iran-Deals aber noch zustimmen. Die grösste Order für Airbus' jüngsten Langstreckenjet A350 kam aus Afrika: Ethiopian Airlines orderte zehn Jets des Typs im Wert von 3,1 Milliarden Dollar.

Für die Riesenflieger Airbus A380 und Boeing 747-8 (Jumbo-Jet) sieht es weiter trübe aus. Beide Hersteller haben die Produktion wegen der dürren Auftragslage deutlich gedrosselt. Boeing baut beim Jumbo auf die Frachterversion. Airbus will den weltgrössten Passagierjet A380 mithilfe riesiger abgeknickter Flügelspitzen ("Winglets") sparsamer machen. Neuerungen in der Kabine sollen Platz für 80 zusätzliche Fluggäste schaffen. Insgesamt soll der Spritverbrauch pro Sitzplatz im sogenannten A380plus um 13 Prozent sinken.

Airbus setzt darauf, dass mit dem wachsenden weltweiten Flugverkehr zwangsläufig auch der Bedarf an riesigen Maschinen mit mehr als 600 Sitzplätzen wie der A380 zunimmt. Bisher haben sich diese Erwartungen allerdings noch nicht in neuen Aufträgen gezeigt./stw/das/jha/she

(AWP)